INHALTSVERZEICHNIS


Einleitung

Vorwort

Das Universum
Das Universum aus höchster Sicht gesehen
Gott, das Universum und das Individuum
Die Wahrheit
Materie und Geist
Die Welt als Struktur des göttlichen Bewusstseins
Der Mensch
Der Mensch, nicht nur Naturgeschaffenes,
sondern höchst potenziertes Bewusstsein

Persönlichkeit und Individualität
Das unwandelbar Prinzip im Menschen
Auf welchen Wegen erfahre ich die wahre Natur von Mensch und Universum?
Durch allumfassende Liebe - zum kosmischen Bewusstsein
Glaube, Kunst, Wissenschaft und Intuition
Sprich mit Gott
Du bist Schlüsselträger des Universums
Fähigkeiten im Menschen
Das eine Ziel
Unterscheidung
Die rechte Perspektive
Konzentration auf die eine Wirklichkeit
Meditation
Universale Religion als Weg zum Verständnis des Universums
"Ich bin der Ich bin"
Innere Erfahrung und Gnade
Was ist Gnade?
Wahre Erkenntnis
Karma, das Gesetz von Ursache und Wirkung
Das Ewige
Bemerkung: Dekors zwischen den einzelnen Kapiteln führen zum Inhaltsverzeichnis zurück.

 

Einleitung

Alles Sichtbare und Unsichtbare befindet sich im Geiste Gottes. Wir alle sind Formen im Bewusstsein Gottes. Es gibt nicht zwei Intelligenzen, sondern nur EINE, welche sich in den vielfältigen Variationen zum Ausdruck bringt; nicht viele Bewusstseins, sondern EINES, welches auf mannigfaltige Weise in den verschiedenen Individuen sichtbar wird. Die innere Intelligenz im einen Menschen und die innere Intelligenz im anderen sind nicht zwei verschiedene Dinge, sondern ein organisches Ganzes. Darum sind wir in diesem innersten Prinzip, welches das EINE im Vielen ist, miteinander verbunden. In diesem inneren Geiste sind wir alle eins und der Mensch muss imstande sein, das EINE im Vielen und alle Menschen in dem EINEN wahrzunehmen. Dieses muss erkannt werden; das ist die richtige Grundlage, einander zu respektieren und zu lieben. Dies ist der Prozess des Wachsens in der Erkenntnis. Auf diese Art müssen wir das Leben, die Menschen und das ganze Universum verstehen, dann werden sich die Dimensionen unserer inneren Persönlichkeit weiten und ausdehnen. In dieser Erkenntnis liegt die Würde des Menschen.

In Wirklichkeit, in Wahrheit, existiert nichts anderes als Gott - als unendliches schöpferisches Bewusstsein. Materie, Geist, Leben sind Manifestationen, welche diesem einen, reinen Bewusstsein entstammen.

Vom Standpunkt der letzten Realität ist jeder Mensch ein untrennbarer Teil der ewigen Realität, und dieses ist der richtige Standpunkt im Leben. Der Mensch ist Geist. Geist ist das wahrhaft Wirkliche im Menschen.

Das Ziel, welches in der Erfahrung dieser letzten Realität liegt, erfordert kein Zurückziehen von der Welt. Wir gewinnen nichts mit einer Weltflucht. Diese tiefe innere Erfahrung gibt uns die Welt in einer anderen Sichtweise zurück. Aber es ist unumgänglich, nicht nur die Liebe in unserem Herzen zu entfalten, sondern es wird auch die Entwicklung unseres Geistes gefordert, um Erkenntnis zu erlangen. Es befindet sich jedoch die Entwicklung von beiden auf trockenem Grunde, sofern sie nicht durch die Tat zum Ausdruck gebracht werden.


Swami Omkarananda

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Vorwort

Swami Omkarananda sieht in intuitiver Erkenntnis den Menschen und das Universum von der Sicht des höchsten Seins. Sein alles durchdringender Geist, welcher sich durch klare Vernunft, scharfen Verstand und unwiderlegbare Logik zum Ausdruck bringt, gibt sich nicht mit Wirkungen zufrieden, sondern forscht nach den ursprünglichen Ursachen aller Wirkungen und gibt uns so Führung zur letzten Erkenntnis. Seine die ganze Menschheit umfassende Liebe ist das Licht, welches uns das Ziel unserer Bestimmung sehen lässt. Sein Denken spiegelt sein Bemühen, die Menschheit dem Verständnis für die Einheit im Universum und der Erfahrung der letzten Realität näher zu bringen.

Swami Omkaranandas Gedankengut darf wohl mit Recht als entscheidender Markstein in der Geistesgeschichte der Menschheit betrachtet werden. Er sieht das Universum und den Menschen in ihrer Gesamtwirklichkeit und öffnet der Menschheit das Tor einer selbsterrichteten Blockade, hinter welcher sie sich verschanzt hat. Swami Omkarananda weiss, dass wir in einer evolutiven geistigen Welt leben, die ihrem Ziele zustrebt.

Mag heute für manche Leser noch nicht alles ganz verständlich erscheinen, so wollen wir uns vor Augen führen, dass es nicht im Sinne der Entwicklung liegt, den grossen Erkennenden auf eine tiefere Stufe herunterzuholen, sondern dass der weniger weit entwickelte Geist sich bemühen sollte emporzuwachsen.

Wenn wir daher das Geheimnis erforschen wollen, das hinter aller Manifestation liegt, müssen wir zu erkennen suchen,

-dass Materie und Geist nicht zwei verschiedene Dinge an sich sind, sondern dass es unsere Einstellung ist, die sie uns verschieden erscheinen lässt;

- dass das Universum und der Mensch im Wesen geistiger Natur sind, in Swami Omkaranandas Worten gesprochen: "... das Universum ist durch einen Bewusstseinsprozess gebildet"... "eine kosmische Situation"... "ein Zustand des unermesslichen Bewusstseins";

- dass es kein Aussen gibt, obwohl es uns als Materie und ausserhalb unser selbst erscheint;

- dass das Universum - als geistiger Zustand - eingebettet ist in das unendliche All-Bewusstsein und als solches aus derselben Bewusstseins-Substanz gebildet ist.

Wir sollten erkennen, dass das Universum und damit die ganze Evolution ein konstruktiver schöpferischer Prozess des Werdens und Wachsens innerhalb dieses einen unermesslichen, unfassbaren Bewusstseins, dieses einen unendlichen, ewigen Geistes ist, und all die Formen, die Begebenheiten, die Erfahrungen, welche sich in ihrer Veränderlichkeit und Bewegung in unserer objektiven Welt von Mensch und Natur mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft abspielen, in Wahrheit als geistige Formen und Begebenheiten diesem in unendlicher Stille sich gleichbleibenden, unveränderlichen, ruhenden Sein entspringen, welches als deren Grundlage betrachtet werden muss.
Das Universum als Gedankenbildung ist eine geistige Welt, in der wir leben, obwohl vom menschlichen Standpunkt aus betrachtet die Wirklichkeit der Materie nicht geleugnet werden kann, ebenso wie im Traum die Wirklichkeit von Freude und Leid, von Tränen und Tod für die Personen im Traum tatsächlich bestehen. Sie existieren - aber als Erscheinung. Ebenso wie eine Fata Morgana für den Erfahrenden in der Wüste tatsächlich existiert, während der höhere wissenschaftliche Standpunkt in ihr eine Erscheinung, eine Luftspiegelung sieht.

Darum sollen wir uns bemühen, den Menschen und das Universum von zwei Blickwinkeln aus zu betrachten: vom menschlichen Standpunkt und von der Schau des ewigen Seins; wobei noch gesagt werden muss, dass die Evolution dahin geht, hinter allem die Einheit zu sehen, und der Mensch emporwachsen muss zum absoluten Standpunkt, zur Schau des zeitlosen Seins, um von dieser erhabenen Höhe auf die Schöpfung zu blicken. Dann haben wir eine rechte Sicht. Diese befähigt uns, über alles Menschliche hinauszuwachsen und die Dualität zu überschreiten. Damit lösen sich alle Probleme des Lebens, und Friede zieht ein in unser von Leid und Rastlosigkeit gequältes Herz. Eine grosse, allumfassende Liebe erfüllt uns in dem Wissen, dass die Wirklichkeit die Einheit ist, das unendliche, unfassbare Bewusstsein - Gott - in welchem alle Vielfalt eingebettet ist und alle Formen ihr Sein haben. Dann leben wir in einem bewussten inneren Gewahrsein der Gegenwart Gottes und verstehen die Worte Swami Omkaranandas: "Alles ist Gott."

Der Mensch, welcher - als Manifestation Gottes - das Göttliche in sich trägt, muss sich durchringen zu dem Erkennen, dass er als physische, psychische und denkende Form eine Erscheinung ist in dieser Erscheinungswelt des physikalischen Universums, eine Erscheinung, in welcher als zentrale Wirklichkeit das Atom des absoluten Bewusstseins ruht, welches ihn befähigt, die Evolutionsleiter emporzuklettern, die höchste Bewusstseinsstufe zu erreichen und in den allerhöchsten Geist, in Gott, einzugehen. Dann erst hat er zu seiner ursprünglichen Quelle zurückgefunden, ist eins mit dem All-Bewusstsein geworden, mit dem höchsten Selbst, welches Frieden, Vollkommenheit, Glückseligkeit bedeutet.

Die Entwicklung dem höchsten Selbst, dem höchsten Bewusstseinszustand entgegen, ist der einzige Sinn unseres Lebens, der einzige Sinn des Seins im Universum.
Materie und Geist sind in Wahrheit Eines. Wenn wir uns um die richtige Einstellung bemühen, haben wir den Schlüssel gefunden zum Menschen und zum Universum. Diese Erkenntnis wird uns nur gegeben, wenn eine Läuterung des ganzen Wesens vorausgegangen ist und die strahlende, unpersönliche vollkommene Liebe, welche die ganze Schöpfung und alle Kreatur mit gleicher Liebe umfängt, unser ganzes Wesen durchströmt. Sie wird uns gegeben, wenn wir über unser persönliches Ich hinauswachsen und durch völlige Übergabe der Kanal frei wird, durch welchen die Eigenschaften des höchsten Bewusstseins, welche latent in uns vorhanden sind, zum Ausdruck gelangen können.
Um die Gnade zu erfahren, den Menschen und das Universum vom rechten Blickwinkel aus zu sehen, so dass die wahre Substanz der Materie durch die sie umgebende Hülle sichtbar wird, weist Swami Omkarananda als Denker, Seher und Weiser, die in vorliegendem Buch angeführten Wege.

Hertha Oosterbaan

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Das Universum
Das Universum aus höchster Sicht gesehen

Wenn wir versuchen wollen, die Wahrheit zu erfahren, dürfen wir nicht bei irgendeinem Punkt im Universum den Anfang machen, denn jeder Punkt erweist sich bei sorgfältiger Analyse als ein Hinweg auf etwas jenseits seiner selbst, und führt letztlich das Bewusstsein des so Suchenden und Forschenden zum Absoluten. Jede sogenannte feste Einheit im Universum ist in Wirklichkeit ein Spiegel, auf dem das gesamte Universum widerstrahlt. Einen Punkt im Universum durch und durch erkennen ist daher gleichbedeutend mit der völligen Erkenntnis des ganzen Universums, denn kein Punkt existiert unabhängig für sich. Jeder Punkt ist ein Universum im Kleinen, und daher ist es nicht gut möglich, dass wir mit irgendeinem festgesetzten Punkt oder einer festgesetzten Einheit beginnen, wenn wir versuchen wollen, das Universum als eine Ganzheit zu erkennen.

Das Universum ist nicht ein Ding, auch keine Substanz. Es ist nicht aus verschiedenen dreidimensionalen Punkten oder Objekten aufgebaut. Jeder Gegenstand im Universum ist ein Wirbel von Kräften, die sich in bestimmter Richtung und auf bestimmte Weise drehen. Diese Weisen und Modi hören indessen auf, Weisen oder Modi zu sein, sobald sie zum wesentlichen Inhalt des universalen Bewusstseins werden.
Das Universum ist daher ein Zustand des unermesslichen Bewusstseins, in welchem das Bewusstsein die Bedingungen oder die Umgebung findet, welche genau den Potentialitäten der erfahrenden Spannungsfelder in ihm, bezeichnet als Individuum, entsprechen. Auf diese Weise ergibt sich eine Erfahrung der objektiven Form und ebenso eine Erfahrung der subjektiven Reaktionen des Universums - aufgebaut auf dem absoluten Bewusstsein - sowie eine Erfahrung jenes Universums, welches auf dem individuellen Bewusstsein aufgebaut ist, als einem Ableger oder einem sekundären begrenzten und widergespiegelten Zweig des ersteren. Der Stoff des Universums ist das Absolute.

Das Universum ist ein Bündel von Bedingungen, Zuständen oder Ausdrucksweisen des Absoluten. Das Universum und das Absolute sind nicht zwei unterschiedliche Prinzipien. Zu jeder gegebenen Zeit, in jedem Stadium, ist das Universum ein relativer, in sich zusammenhängender Zustand, eine kosmische Situation, und jeder Teil davon repräsentiert den ganzen Hintergrund des Absoluten.
Das Universum, in dem wir leben, ist nicht materieller Art; es ist grenzenloses Bewusstsein im Zustand von Disharmonie und Störung, welches durch seine universal verbreiteten Teile um Ordnung und Anpassung ringt, um sein Gleichgewicht wieder zu erlangen. Die physikalische und die psychische Welt sind die Stadien seines Ausdrucks und seiner Entwicklung, welche jedoch für sein wesentliches Sein nur nebensächlich und dazu bestimmt sind, nach und nach im fortschreitenden Evolutionsplan in Richtung auf das Selbstgewahrsein des Absoluten hinweggefegt zu werden. Das Universum ist letzten Endes nicht aus Partikeln, Molekülen, Atomen, elektrischen Ladungen, aus Protoplasma und aus Zellen aufgebaut, sondern durch einen Bewusstseinsprozess gebildet, der, sobald er sich in die Objektivität erstreckt, unter Begriffe wie Raum, Zeit, Bewegung, Substanz, Energie, Welle, Partikel und dergleichen fällt.

Das ganze Universum ist ein einziger kontinuierlicher, in sich verbundener logischer, systematischer, zweckhafter Prozess, der in jedem seiner Teile, zu jeder Zeit und in jedem Stadium das Absolute, von dem er voll und ganz abhängig ist, widerspiegelt, ein Prozess von unendlicher Vielfalt qualitativer und quantitativer Spannungen, in welchem jede Spannung, jeder Aspekt und jeder Teil zugleich Ursache und Wirkung ist, wo jegliches das andere determiniert, ja selbst ist: ein wundervoll ausgearbeiteter Plan der Ganzheit in jedem Fleck und Bereich und Winkel, ein Prozess, in dem jeder Teil Ausdruck des Ganzen ist, ein einzigartiges und einheitlich abgeschlossenes Werk an Vollständigkeit und Vollendung, das höchste Beispiel unvergleichlicher künstlerischer und wissenschaftlicher Darbietung - ein Prozess der Selbstverwirklichung des Absoluten.

In diesem Universum ist alles organisch voneinander abhängig und miteinander verbunden. Alles und jedes ist ebenso auch alles andere, und alles und jedes ist, weil auch das Ganze ist. Das Individuum und seine Umgebung sind dasselbe; das eine ist nicht ausserhalb des anderen. Kein Ereignis ist von den anderen abgetrennt, für sich allein. Jedes Fallen einer Stecknadel, jedes leise Flüstern, jeder Gedanke und jedes Gefühl ist ein Donner, der in allem was existiert einen Widerhall erzeugt, es in Schwingung versetzt und auf sein Gleichgewicht mit jener Intensität einwirkt, die proportional zur jeweiligen Ursache ist. Nirgends besteht ein Ort, wo wir im Geheimen reden könnten. Es gibt keine Möglichkeit, unsere eigenen privaten Gedanken zu denken. Alles ist augenblicklich kund, ein Eigentum des Universums, und die private Handlung findet sofortige Beurteilung und Belohnung im höchsten Gericht des Universalganzen. Jeder Teil spiegelt die Lage des Ganzen wider, und wir können das Ganze durch einen Teil erreichen, vorausgesetzt, dass wir die innerste Essenz des Teiles erkennen. Aus der Gegenwart kann Vergangenheit und Zukunft erkannt werden, denn die Gegenwart ist der Punkt, wo Vergangenheit und Zukunft aufeinandertreffen. Die Gegenwart trägt die Wirkungen der Vergangenheit und die Potentialitäten der Zukunft in sich. Jeder Schritt nach vorn ist die Aktualisierung einer neuen Möglichkeit, ein zusätzlicher Ausdruck der Bewegungstendenz in Richtung auf das Absolute. Das Universum besteht, genau betrachtet, nicht aus Teilen, sondern aus Phasen. Es besteht keine scharfe Abgrenzung im Universum. Alle Erfahrungen bilden einen kontinuierlichen Prozess. Die Existenz ist ein Gleichgewicht, das fortbesteht und sich selbst aufrechtzuerhalten vermag. Die Ursache jeglichen Ereignisses im Universum liegt nicht in irgendeinem anderen Ding oder Ereignis, sondern im Ganzen, das allein für irgendein Ereignis verantwortlich ist, selbst für die Bewegung eines Blattes in der Luft. Derart ist die Grossartigkeit des Universums und derart die Majestät des Absoluten.

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Gott, das Universum und das Individuum

Diese Betrachtungen führen uns zu dem Problem der Beziehung zwischen Gott, dem Universum und dem einzelnen Menschen. Alle Vorgänge im Vernunftbereich gehen von der Erfahrung aus, und zwar von der Erfahrung des individuellen Selbst. "Ich bin" - diese Erfahrung bedarf keines anderen Beweises als den der unmittelbaren Erfahrung. Sie ist aus sich selbst heraus klar. Alle Beweise sind die Folgen dieser unbezweifelbaren Tatsache. Das Bewusstsein meiner Existenz als Individuum bringt sofort die Existenz anderer Individuen in einem ausserhalb meiner selbst bestehenden Universum meinem Denken nahe. "Ich bin" bedeutet "Du bist ebenfalls", d.h. die Welt ist ebenfalls. Das Sein der Welt ist ebenfalls. Das Sein der Welt ist das Korrelat zum Vorhandensein meiner Individualität. Es kann kein Subjekt geben ohne ein Objekt der Erfahrung. Die Welt ist die notwendige Ergänzung zum Individuum. Doch die Position von Individuum und Welt, wie sie uns bekannt ist, genügt nicht zur Erklärung alles dessen, was aus dieser Position hervorgeht. In denkenden Wesen mit der Fähigkeit zur Reflexion macht sich das dringende Bedürfnis bemerkbar, die Beziehung zwischen Welt und Individuum zu erkennen. Was ist die Ursache der Welt? Auf welche Weise bin ich mit den übrigen Dingen dieser Welt verbunden? Was ist hier meine Pflicht? Fragen dieser Art drängen sich dem Geiste verschiedener Menschen auf. Sie lassen sich nicht durch irgendeinen Inhalt der Sinneserfahrung beantworten. Doch ruft das Bedürfnis nach Klärung der Schwierigkeiten, die sich aus der Erscheinung der Welt und des Menschen ergeben, dringend nach einer Lösung. Diese Lösung kann durch eine Synthese auf höherer Ebene erreicht werden, durch das tiefere Bewusstsein, das der gewöhnlichen Erfahrung zugrundeliegt, und das solch höheren Kontemplationen zum direkten und unmittelbaren Erfahrenden wird. Das Zwischenglied zwischen Welt und Individuum sollte entweder vom Wesen des Objektes oder von demjenigen des Subjektes sein. Das objektive Universum wird als materiell erlebt, und nimmt man diese Materialität als das Wesen der Beziehung zwischen Welt und Individuum an, dann würde diese Situation hinsichtlich der Beziehung nur ein einziger Teil unter den zahllosen Teilen, die das Universum zusammensetzen, sein. Materialität wäre ein Teil des Universums, oder mit anderen Worten, es gäbe überhaupt nichts derartiges wie eine Beziehung. Irgendwie drängt es uns, diese Beziehung als eine bewusste anzunehmen und dennoch kann sie nicht identisch sein mit dem subjektiven Bewusstsein. Die Beziehung zwischen zwei Dingen kann nicht zugleich eines dieser beiden Dinge sein. Andernfalls wäre keine Wahrnehmung des Unterschiedes vorhanden. Unterscheidung ist eine dritte Kategorie, und doch ist keine Erkenntnis dieses Unterschieds ohne eine zugrundeliegende Einheit zwischen dem Erkennenden und dem Erkannten möglich. Dinge, die absolut keine Beziehung zueinander haben, können gegenseitig nicht in Wechselbeziehung treten. Die höhere Synthese, die im Bewusstsein stattfindet, sollte daher die empirische Unterscheidung zwischen Subjekt und Objekt transzendieren. Die Welt und das Individuum sollten in dieses höhere Bewusstsein einbezogen werden, während dennoch keines von ihnen den ihm eigenen besonderen Wert verlieren sollte.

Sind wir fähig, diese universale bewusste Beziehung zwischen der Welt und dem Menschen als gesichert darzulegen, dann haben wir die Existenz Gottes festgestellt. Gott ist das notwendige Postulat, das allein die wahre Natur der verschiedenen Phänomene des Universums erklären kann. Die Ordnung, Systematik, Regelmässigkeit und Harmonie des Universums kann - ohne Voraussetzung dieses alles umfassenden Seins, das wir Gott nennen - keine angemessene Erklärung finden. Es spielt keine Rolle, mit welchem Namen wir auf dieses Sein Bezug nehmen, doch muss dieses angenommen werden, damit wir in unserer Erklärung der Konsistenz, die wir im Universum vorfinden, konsequent sein können.

Am Hintergrund dieser beiden sich dauernd bewegenden und verändernden Faktoren - Mensch und Natur - berühren wir die Wirklichkeit eines sich immer gleichbleibenden, unveränderlichen Seins, welches deren ewige Grundlage und Quelle bildet. Dieses göttliche Sein ist die höchste Wahrheit, die letzte transzendente Realität, die eine unteilbare absolute Existenz, Erkenntnis und Glückseligkeit.
Die ganze Schöpfung ist ein Prozess des Werdens, in welche das Eine zum Vielen wird, ein Prozess der Offenbarung des Transzendenten. Alle Phänomene entspringen diesem unteilbaren, unendlichen Ozean reinen Bewusstseins, existieren darin und kehren wieder zu ihrem Ursprung zurück, vergleichbar einem Ein- und Ausatmen des höchsten Seins.
Wie unzählige kleine Wellen sich entwickeln, tanzen und in der Tiefe des Ozeans wieder zur Auflösung gelangen, so strömen am Beginn einer Manifestation unendlich viele Wesen aus diesem Einen und entwickeln sich in die zahllosen Formen des Lebens, die wir in diesem Universum erfahren. Von hier beginnt die stetig aufwärtsführende Prozession der einzelnen Seelen und mündet auf dem Weg der Evolution wieder in ihre ursprüngliche Quelle. Dies ist der Zyklus von Emanation, Involution und Evolution, der kosmische Plan gemäss des göttlichen Willens.

Da die menschliche Seele ein Teil der unendlichen Existenz ist, ist sie in ihrer wesentlichen Natur identisch mit dieser transzendentalen Wirklichkeit. In den Wirbel des Zyklus dieses Weltprozesses hineingeboren, unwissend in bezug auf seine Göttlichkeit und sein Bewusstsein, stark begrenzt durch die verhüllende Decke der Materie, fühlt das individuelle Selbst diese Trennung und Begrenzung und versucht, diese Unvollkommenheit zu beendigen. Durch wiederholte Inkarnationen wird sein Leben zu einem beständigen Aufwärtsstreben in die ursprüngliche Heimat unendlicher, unsterblicher, glückseliger Existenz. Solange dieser Zustand nicht erreicht ist, wird jedes Zentrum des individualisierten Ego-Bewusstseins diese rastlose Suche auf dem aufwärtsführenden Pfad der Evolution fortsetzen. Ununterbrochen und unabänderlich wird die Menschheit aufwärtsgezogen zu diesem idealen Zustand vollkommener Existenz.

Unsere tiefste Wirklichkeit ist ein unwiderlegliches Bewusstsein, und dieses bestätigt sich selbst in unserem ganzen Streben und Mühen, Rechenschaft über unsere Erfahrung, subjektiv und objektiv, abzulegen. Ohne Bewusstsein gibt es weder ein Universum noch ein Individuum. Nichts kann ohne Bewusstsein vorhanden sein. Aller Wert und alle Existenz werden null und nichtig, wenn das Bewusstsein aus dem Gebiet der Erfahrung verbannt wird. Die höchste Intelligenz oder das höchste Bewusstsein muss dem Höchsten des Alls, Gott, gleichgesetzt werden.

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Die Wahrheit

Es gibt ein gemeinsames Bewusstsein, das alle Kreaturen durchdringt. Das ist die Wahrheit. Das ist die höchste Wirklichkeit, die aller Mannigfaltigkeit der Namen und Formen zugrundeliegt. Es ist die Leinwand, auf der dieses ewig sich verändernde Universum gemalt und abgeändert, verschönert und wieder ausgelöscht wird.
Einheit ist die Wahrheit. Die Vielfalt ist blosse Erscheinung. Jede Einzelheit dieser Mannigfaltigkeit ist nicht nur Teil der grossen Einheit, sondern sie ist auch identisch mit dieser Einheit. Die Hülle des Ego - geheimnisvoll geschaffen, um jedes Individuum zu umschliessen - muss irgendwann einmal zerbrochen werden, damit diese kosmische Einheit verwirklicht werden kann.

Die Verwirklichung dieser Einheit ist das Ziel allen menschlichen Strebens, denn in ihr allein liegt immerwährender Friede und ewige Glückseligkeit. Niemand kann lange Frieden und Glück geniessen, so lange er sich mit den immer wieder wechselnden Namen und Formen identifiziert. Die Verwirklichung dieser Einheit ist nicht eine Sache, die beliebig auf die lange Bank geschoben werden kann. Sie ist die allerdringlichste Forderung jeder Stunde unseres Lebens. Tatsächlich wacht das kosmische Leben über jeder Handlung eines jeden menschlichen Wesens, um zu sehen, wie weit es fähig ist, sich der Verwirklichung der kosmischen Einheit zu nähern. In dem Ausmass, in dem ein Mensch diese dringliche Aufgabe vernachlässigt, verfehlt er sein Leben. Der aufrichtig Strebende indessen macht jeden Augenblick seines Lebens als menschliches Wesen zu einem Glied in der Kette unaufhörlicher Bemühungen, die ihn näher und näher zum Ziele hinzieht, zum Erwachen im kosmischen Bewusstsein.

Indem wir die Schale unseres eigenen Ego fortwährend mit der Axt der Wahrheit bearbeiten, erweitert sich von Augenblick zu Augenblick unsere Schau der kosmischen Einheit und dehnt unser Herz immer mehr aus, bis es nach und nach all die unzähligen Wesen der Schöpfung mit warmer Liebe umfasst. Wenn die Schale einmal zerbrochen ist, verschwinden alle trennenden Tendenzen, und der Mensch ist nicht länger von anderen abgesondert, sondern erlebt sich als das kosmische Wesen, das eins mit allem, ewig, unsterblich und von unendlicher Glückseligkeit erfüllt ist.

Gott oder die Wahrheit ist reines Bewusstsein und kann daher über jenes Bewusstsein, welches von jedem Eingefangensein in körperliche und geistig-seelische Erfahrungen befreit ist, erreicht werden. Die Wahrheit muss in der Wahrheit und durch die Wahrheit selbst erfahren werden.

Der einsichtige Mensch sollte bewusste Anstrengungen machen, um diese Verwirklichung zu erlangen. Dies ist das höchste Prinzip, das alle Tätigkeiten des Menschen auf Erden regiert. Diese glorreiche Wahrheit sollte man durch den Rundfunk in der ganzen Welt verbreiten. Die Schulkinder wie die Universitätsstudenten und die Mitglieder aller Kirchen und anderer Institutionen sollten fortwährend an diese Wahrheit erinnert werden.

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Materie und Geist

Unsere Gedanken sind für all unsere Vollkommenheiten wie auch für all unsere Unvollkommenheiten verantwortlich. "Was wir denken, das sind wir." Nicht Gott, sondern unser eigenes Denken, Wollen und Handeln, unsere Einstellung rufen alle Unvollkommenheiten, Schwierigkeiten, Prüfungen, Probleme, Leiden und Übel hervor. Wenn wir auf Schwierigkeiten stossen, wenn uns der Friede entflieht, dann nur unserer Gedanken wegen. Sobald wir unserem inneren Denken und Erkennen nach von der unendlichen Vollkommenheit Gottes losgetrennt sind, erfahren wir das Unvollkommene.

Geblendet von den bequemen Illusionen, die von den leichten Siegen über die äussere physikalische Natur herrühren, findet es der Mensch des 20. Jahrhunderts unmöglich, der Realität des nicht Mess- und Wägbaren und des unfassbaren innersten Wesens gewahr zu werden, dessen Anblick und dessen Einwirkung allein seinen Durst nach fortdauernder Freude stillen, sein Verlangen nach innerem Frieden und Gleichgewicht befriedigen und ihn wieder in einen Zustand echter Glückseligkeit zurückbringen kann.

Unsere Zeit braucht die Synthese materieller und geistiger Werte; sie hat es nötig, dass ihr praktisches Tun von der Sicht des Idealen her bestimmt und ein Zusammenklang von philosophischen Theorien und praktischem Tun erreicht wird. Sie legt es dem Menschen nahe, sein Leben so zu führen, dass der lastende Druck der Materie immer weniger sein Realitätsgefühl beeinflusst und der Geist sich seinem Bewusstsein immer stärker als Wirklichkeit kundtut.

Die Beziehung zwischen philosophischen Theorien und den praktischen Dingen des Lebens steht als die Frage von allergrösster Dringlichkeit vor uns. Sie hat durch alle Zeitalter hindurch die besten Köpfe beschäftigt und viele Arten von Idealisten hervorgebracht, Vertreter sowohl des subjektiven als auch des objektiven Idealismus. Einige haben behauptet, dass nur der Geist Wirklichkeit besitze und die Welt ein blosses Trugbild sei. Andere haben die gegenteilige Ansicht vertreten.

Wie sollen wir nun diese Frage von Geist und Materie angehen? Selbst in einer Anwandlung philosophischer Spekulation wäre es müssig, die Wirklichkeit der Materie gänzlich zu leugnen und den Geist als einzige Realität zu preisen. Auf der anderen Seite neigt die Überbetonung der Materie durch den Materialismus dazu, das Erreichen seiner selbstgesetzten Ziele unmöglich zu machen: alle Anstrengungen, den Frieden zu erhalten, enden in Kriegen; alle Bemühungen, die Wohlfahrt zu fördern, führen zum Zusammenbruch; alle Aktivitäten, die das Glück des Menschen sichern sollen, bewirken, dass er unglücklich wird. Weise voll göttlicher Erkenntnis haben die Philosophie aus dieser Zwickmühle dadurch befreit, dass sie eine zweifache Realität annahmen. Die Wirklichkeit wird von zwei Gesichtspunkten aus betrachtet. Vom absoluten Standpunkt aus ist Gott, das Selbst oder der Geist allein wirklich; die Welt ist nur eine flüchtige, wechselnde, endliche Erscheinung. Doch zu gleicher Zeit wird zugegeben, dass es einen weiteren Gesichtswinkel gibt, von dem aus diese Frage gesehen werden kann und auch gesehen werden sollte. Vom relativen, empirischen Standpunkt aus gesehen existiert die Welt. Und es lässt sich dazu bemerken, dass ihre Realität an Dichte und Bedrohlichkeit zunimmt, je weniger geistige Erleuchtung das Individuum besitzt.

Diese beiden - Geist und Materie - sind nicht zwei verschiedene Dinge an sich; sie sind zwei Stellungnahmen derselben Sache gegenüber. Deshalb muss die Möglichkeit eruiert werden, die beiden in eine einzige überzeugende Philosophie zu verschmelzen. Sie findet sich, wenn uns klar wird, dass die flüchtigen Phänomene der Erscheinung "Welt" in der absoluten Realität als ihrem Substratum verwurzelt sind. Hier ist eine Grundlage für die praktische Anwendung der Wirklichkeit auf das tägliche Leben. Praktische Belange sollten nicht vernachlässigt werden. Aber die relativen Werte von Geist und Materie müssen richtig abgeschätzt werden. Das Leben muss in einer Weise gelebt werden, dass die Materie immer weniger dicht und der Geist in seiner Realität immer dichter für das Bewusstsein des Menschen wird. Eine solche Verschmelzung von Geist und Materie ergibt den wertvollen Vorteil einer Veredelung und geistigen Bereicherung des Menschen, wodurch auch seine niederen Instinkte und Gefühle eine Umwandlung erfahren und kosmische Liebe von ihm Besitz ergreift.

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Die Welt als Struktur des göttlichen Bewusstseins

Philosophen wie Hegel führen die ganze Welt auf Vernunft zurück. Unsere Sinne wollen uns davon überzeugen, dass alles Materie sei. Die Wissenschaft legt uns dar, dass alles aus Energie bestehe. Doch der Mystiker weiss: "Alles ist göttliches Bewusstsein."

Diese unsere Welt, von der die äusseren Sinne uns berichten, ist ein sogenanntes materielles Universum, das von Philosophen als Idee und von der Wissenschaft als Energiestruktur begriffen wird, während es der Mystiker als eine Bildung aus dem göttlichen Bewusstsein erkennt. Doch was ist sie nun in Wahrheit? Gehen wir dieser Frage auf den Grund.

Während ein Mensch schläft und träumt, ist das, was er im Traum erlebt, ganz und gar wirklich. Die hohen Berge, die blauen Seen, die Felsen, die Städte mit ihren unzähligen Menschen, mit allen möglichen grossen und kleinen Wesen, sind Gestaltungen des Traumbewusstseins, aus der Substanz des Bewusstseins im Traumzustand geformt. Für den Träumenden ist all dies eine Wirklichkeit, der materiellen Welt vergleichbar; während es für den Beobachter von aussen als ein blosses Bewusstseinsgebilde erkennbar wird, und man kann sagen, dass all diese Bildungen des träumenden Bewusstseins letztlich das Bewusstsein des Träumers selbst seien.

In gleicher Weise erschauen jene, die auf Grund ihrer ungewöhnlichen Weisheit und inneren Reinheit geistig erwacht sind, unser stoffliches Universum als ein herrliches Gebilde göttlichen Bewusstseins, als ein psychisches Universum, das die höhere zeitlose, allwunderbare allwissende Wirklichkeit in ihrer ganzen Fülle in sich verkörpert.
Woraus bestanden die Berge, Felsen, Seen, Städte und Menschen in dieser Traumerfahrung? Sie sind wesentlich psychischer Natur, ähnlich den Gedanken. Man könnte also von einer psychischen Welt mit gedanklichen Gebilden sprechen. Denn woraus besteht dort alles? Welches Prinzip ermöglicht uns Gedanken und Erfahrungen in bezug auf die Aussenwelt? Es ist das die eigentliche Wirklichkeit, während alles, was wir erfahren und sehen, einer sekundären Wirklichkeit der Namen und Formen zugehört, die man als psychische Welt, als Welt der Gedanken, als Welt der Dualität bezeichnen kann - als eine Welt, in der Dinge und Menschen erfahren werden und Gegensätze herrschen, in der Schmerz und Freude, Gut und Böse erlebt wird.

Diese psychische Welt, diese Welt der Dualität, wird erst durch die Gegenwart des inneren, unberührten, alles beobachtenden Prinzips möglich, das ein einziges ist, so wie das Bewusstsein des Träumenden ein einziges ist, während er in seinen Träumen eine Vielzahl von Welten erfahren kann. Die Wissenschaft kennt ja auch den Begriff der Energie als solchen, auch wenn diese in einer Vielzahl von Formen, als mechanische Energie, als elektrische Energie und als andere Arten von Energie, in Erscheinung tritt. So zeigt sich auch im Traum die eine Energie des Bewusstseins in der Vielfalt der Gestalten, als Traum-Berge, Traum-Menschen, Traum-Gedanken, Traum-Gefühle und vieles mehr. Für den Philosophen ist es der eine Gedanke, die Ur-Vernunft, die sich in der Gestalt des offenbar gewordenen äusseren Universums mit all seinen Gegenständen und Erfahrungen zum Ausdruck bringt.

So wie alles, was im Traum erlebt wird - Berge, Seen, Menschen, Städte - für den Aussenstehenden eine Struktur des träumenden menschlichen Bewusstseins ist, so ist für die Erfahrung der Grossen des Geistes und des Herzens unsere Welt eine Struktur des göttlichen Bewusstseins.
Nehmen wir ein weiteres Beispiel, um die Wahrheit zu entdecken, dass sich alles im Göttlichen befindet, dass das Göttliche hier und jetzt zugegen ist. Dieser unser Kosmos befindet sich im Göttlichen, ist voll des Göttlichen, birgt die Merkmale des Göttlichen in sich, so wie der Eisberg, der sich im Ozean befindet, die Merkmale des Ozeans in sich trägt und vom Ozean erfüllt ist.

Die Kohlenatome in einer bestimmten Anordnung werden als Kohle bezeichnet. In einer anderen Form der Anordnung werden die gleichen Kohlenatome Diamant genannt. Die Atome des Göttlichen, die Atome der göttlichen Gegenwart, des göttlichen Bewusstseins und Lebens werden, wenn sie die Organisationsform dieses Kosmos und des menschlichen Wesens tragen, als begrenzt und mit Fehlern behaftet, als brüchig - als der Kohle vergleichbar - erlebt. Die gleichen Atome bilden in einer anderen Weise der Anordnung das Reich Gottes. Die Atome des göttlichen Bewusstseins in ihrer brüchigen Organisation bilden diesen ganzen Kosmos mit seinen Begrenzungen, die Menschenwelt mit ihren Einengungen und ihren Tränen, jene, die Liebe, Weisheit, Güte und Hingabe ans Göttliche besitzen, sich gutem Tun ergeben, nur gute Gefühle hegen, erwerben langsam die Fähigkeit, in dieser Kohle des Kosmos den Diamanten des göttlichen Königreichs zu erblicken. Ihre innere göttliche Schau, ihr geläutertes Herz, ihre Güte, ihre Gebete, ihre Meditationen, ihr Dienen, ihr hohes geistiges Bewusstsein und Denken, all das befähigt sie, die Atome des Kosmos auf eine Weise anzuordnen, dass überall das Reich des Göttlichen sichtbar wird.

Erwirb die neue Schau und siehe den Kosmos als eine andere Art der Anordnung seiner atomaren Strukturen, so dass Du das Himmelreich überall findest. Versuche diese höhere Einstellung zu entwickeln, welche die Dinge richtig zu sehen vermag. Dann besitzt Du den Schlüssel zum Universum, den Schlüssel zu den Problemen Deines Lebens.

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Der Mensch

Der Mensch, nicht nur Naturgeschaffenes,
sondern höchst potenziertes Bewusstsein

Der Naturalismus als Weltanschauung betrachtet den Weltprozess als allein aus den Elementen der physikalischen Welt erklärbar. Für ihn ist jede Realität auf die Bewegung von Atomen zurückzuführen, und die Welt lebendiger Organismen wird einem System von Kausalgesetzen gleichgesetzt. Das menschliche Bewusstsein sieht er als ein Erzeugnis des Gehirns, eine beiläufige Begleiterscheinung, und die menschliche Vernunft als ein blosses Naturprodukt. Die menschliche Seele betrachtet er als einen verfeinerten Zustand der materiellen Substanz; Willensfreiheit, Zweck und transzendentale Bestimmung als unwirkliche Belanglosigkeit. Wille, Wahlfreiheit und moralisches Urteilsvermögen sind für ihn unwirkliche und belanglose Auswüchse der sich entfaltenden und zum Ausdruck bringenden Materie. Ziele, Werte und Endursachen sind im Interesse der Einheitlichkeit der naturalistischen Sicht beiseitezustellen. Das Geistige ist ein blosses Fluoreszenzphänomen, eine regelmässig auftretende Begleiterscheinung bei gewissen komplizierten körperlichen Vorgängen. Er behauptet, dass die Natur aus sich selbst hergeleitet und durch ihr eigenes Wesen bestimmt sei, weshalb ihr Vorhandensein nicht von irgend einem nicht-materiellen Faktor oder Wesen abhänge. Infolgedessen weise sie auch kein Prinzip auf, welches philosophische Einsicht verlangen würde. Das bedeutet, dass sie keine verborgenen Kräfte birgt, welche die Übung menschlicher Fassungskraft und deren Anwendung fordert, und auch keine tieferen und sublimen Ursachen, welche der suchenden und forschenden Intelligenz des Menschen eine besondere Anstrengung auferlegt, um sie wahrnehmen und erkennen zu können. Indem er sich weigert, irgendetwas jenseits unserer unmittelbaren Erfahrung Liegendes in Betracht zu ziehen, behauptet der Naturalismus, dass an keinem Punkt des Evolutionsprozesses die wirkende Gegenwart eines transempirischen oder irgendeines teleologischen Prinzips einbezogen sein könne. Er degradiert die Vernunft zu einem Naturprodukt und beraubt sie völlig ihrer Spontaneität und schöpferischen Funktion. Er gestattet keine Annahme von irgend etwas Geistigem und reagiert intolerant auf jede Ansicht über Welt, Mensch, Natur, Gesellschaft und menschliches Wirken, die nicht mit der streng materialistischen übereinstimmt. Er betrachtet das menschliche Verhalten als eine Funktion von Umgebung und Umständen und als etwas, das bis in die letzten Ursprünge auf Physikalisches rückführbar ist.

Ein weiterer Angriff auf Würde, Wert und Grösse des Menschen kommt aus dem Bereich der behaviouristischen Psychologie sowie der Tiefenpsychologie. Die Einmaligkeit des menschlichen Geistes wird in der materialistischen, mechanistischen Darstellungsweise entwertet und ins Lächerliche gezogen, die Freiheit des Menschen zur Illusion gestempelt und seine Ethik als Rationalisierung unethischer Impulse abgetan.

Das Menschenbild, das sich von der heutigen Naturwissenschaft und der Psychologie inspirieren lässt, ist tatsächlich bedrückend, und das Ergebnis zeichnet sich im Antlitz der Menschheit ab. Der Sinn für Bedeutung und Ziel des menschlichen Daseins ist verlorengegangen. Selbst die technischen Errungenschaften in unserer Umwelt scheinen den Menschen noch mehr in seinem Wert zu schmälern, indem sie ihn gerade in jenen Fähigkeiten überflügeln, die er für seine höchsten hält - wenn wir etwa an die modernen Computeranlagen, die sogenannten Elektronengehirne denken.

Wie also sollen wir den Begriff "Mensch" festlegen, wenn eine Definition verlangt wird? Gibt man die Definition des Biologen, des Soziologen, des Psychologen, des Politikwissenschaftlers wieder, dann greift man daneben, weil ihre Beschreibung nur für die äussere Struktur zutrifft.
Teilansichten des Menschen, wie sie von Fachwissenschaftlern abgegeben werden, mögen an und für sich zutreffend sein, doch verleiten sie leicht zu einem Leben, das der zentralen Wirklichkeit im Menschen und einem umfassenden Menschenbild nicht gerecht wird. Die Feststellung, der Mensch sei ein biologischer Organismus, ist durchaus wahr, doch ist dies eine begrenzte Tatsache, bei der viele Faktoren unerfasst bleiben. Der Mensch ist in der Tat nicht nur ein biologischer Organismus unter anderen, er ist bei weitem mehr als sein Körper und seine Intelligenz. Er trägt ein reiches Bewusstsein voll verschiedenartigster Fähigkeiten in sich. Er ist auch eine psychologische Einheit. Wollte man ihn hingegen lediglich als ein psychologisches Wesen oder als eine psycho-physische Einheit definieren, wäre die Beschreibung wiederum nur bruchstückhaft und - angesichts der höheren Wirklichkeiten, die sich in ihm vorfinden - unzutreffend. Der Mensch ist mehr als ein biologischer Organismus, mehr als eine psycho-physische Einheit, mehr als ein Objekt unter Objekten, mehr als ein Vernunftwesen, mehr als eine soziale Einheit, mehr als eine Materiestruktur, weil sich das "Bildnis Gottes" in ihm befindet und die unwandelbare Wahrheit in diesem veränderlichen Körper, Herzen und Denken zugegen ist. Diese unwandelbare Wahrheit sollten wir kennenlernen. Sie ist das Bildnis des Ewigen in uns.

Dieses Bildnis des Göttlichen in uns ist höchst potenziertes Bewusstsein, es ist voll unendlichen geistigen Gewahrseins, voll Licht, unwandelbar und ewig.

Dieses grössere Sein ist Licht, das sich allen menschlichen Begriffen entzieht. Es ist Verstandeslicht, das Licht der höchsten Intelligenz, des höchsten Bewusstseins, welches das Leben des geistig Strebenden durch innere Leuchtkraft und Intelligenz auszeichnet.
Es ist das Licht in unserer Intelligenz, in unserer Liebe, in unserem Glauben, in unserer Weisheit. Durch seine Weisheit sehen wir den falschen und den richtigen Weg. Es sagt uns, was richtig und was nicht richtig ist. Es ist die Schatzkammer allen Friedens und aller Schönheit. Keine Nacht ist in diesem Licht, kein Licht kann dort scheinen. Es ist die Quelle aller Künste, aller Wissenschaften, aller Erkenntnis. Es ist unbeschreiblich strahlend. Es ist ewig und immer das Gleiche. Kein Schatten ist in ihm. Keine Zeit ist in ihm. Es ist unendliche Vollkommenheit. Aus ihm kommt der allmächtige, allgegenwärtige, allwissende Gott.

Nichts existierte vor diesem allerhöchsten göttlichen Licht. Gott ist die Offenbarung dieses göttlichen Lichts, eine Manifestation, welche die Universen hervorbringt, erhält und wieder auflöst. Dieses Grösste in uns ist unendliche göttliche Erkenntnis, die mit ihrer unvergleichlichen Lichtfülle auch die höchste menschliche Genialität übertrifft. So lange wir die Welt durch unsere Sinne und unsere begrenzten geistigen Fähigkeiten erfahren, werden wir wahre Freiheit nicht finden. Wir müssen die Welt mit den Augen der Wahrheit - mit dem höchsten Sein in uns - betrachten, um jene Freiheit zu erleben. Innere geistige Erfahrung lässt uns erkennen, dass dieses Grössere in uns unser eigentliches inneres Sein ist.

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Persönlichkeit und Individualität

Vielfältig sind die Auffassungen von "Persönlichkeit". Wenige nur vermögen die feinen Unterscheidungen, welche zwischen den Ausdrücken Persönlichkeit und Individualität bestehen, zu erfassen und verständlich zu machen. Öfters als man denkt, werden diese Begriffe selbst von hervorragenden Denkern verwechselt. Was mit "Persönlichkeit" bezeichnet wird, steht nicht für das Individuum im Menschen; es ist eher eine maskenartige Verhüllung des Individuums, als das Individuum selbst. Die Persönlichkeit wird durch die äusseren, mentalen, moralischen und materiellen Ausdrucksformen des Individuums geformt, während mit Individualität der Status und das Vorhandensein als Individuum selbst bezeichnet wird.

Die Gesamtheit der mentalen Züge sowie die moralischen, künstlerischen und körperlichen Merkmale, die das Individuum maskenartig umkleiden, konstituieren die Persönlichkeit. Diese betrifft Benehmen, Wesensart und Erscheinung eines Menschen. Die Persönlichkeit kann dual bzw. doppelt sein, während die Individualität stets eine einzige ist. Mit Individuum bezeichnen wir das Einzelwesen, das als unteilbare Einheit besteht. Die Persönlichkeit, nicht aber die Individualität, kann gespalten sein.

In jedem Menschen herrscht ein doppeltes Element: einmal die innere und geistige Identität, wenn man vom Individuum spricht, und andererseits das äussere, dem Wechsel unterworfene Phänomen, Persönlichkeit genannt. Sie ist eine äussere Form der Individualität, ein Gebilde an der Oberfläche des Individuums.

Die Individualität ist nicht etwas, das man entwickeln kann, sie bezeichnet die Tatsache der Existenz. Die Persönlichkeit wird in der Gesellschaft hoch bewertet und ist für den Lebenserfolg von Belang. Auf allen Gebieten menschlicher Beziehungen ist sie von grosser Bedeutung.

Der Ausdruck "Persönlichkeit" kommt aus dem lateinischen "persona", was zunächst die Maske bezeichnet, die ein Mensch anlegt. Persönlichkeit ist jenes besondere Bewusstsein, das sich auf den physischen Körper oder den persönlichen seelischen Aufbau des Menschen bezieht. Der Tod bringt die Persönlichkeit zur Auflösung; doch kann er die Individualität nicht auslöschen. Letztere bezeichnet eine bestimmte, gesonderte Einzelexistenz. Sie ist etwas jenseits unseres physischen und jenseits unseres intellektuellen Selbst. Sie hat keinen Bezug zur Persönlichkeit eines Menschen. Das "Ich" in einem Menschen ist das Individuum, und sein oder ihr äusseres Ich bildet die Persönlichkeit. Individualität ist das Empfinden des Ich. Es ist ein beständiges Weiterströmen, eine Weiterführung des einen Gedankens vom "Ich". Alle weiteren Gedanken gruppieren sich um dieses "Ich". Die Persönlichkeit ändert sich, doch die Individualität, das Gefühl, ein "Ich" zu sein, wechselt nie. Das Ich-Empfinden bleibt bestehen, unter welcher Maske wir uns auch befinden mögen. Selbst im Traum verliert man nicht den Halt an dem Gefühl, ein "Ich" zu sein.

Auch im tiefen Schlaf sind wir uns des "Ich" bewusst. Würde dieser Ich-Sinn fehlen, wären wir nicht imstande, festzustellen, dass wir einen gesunden Schlaf hinter uns haben.

Die gegenwärtige Phase der Bewusstwerdung verlangt von uns eine Transzendierung des Persönlichen im Bewusstsein, eine neue Allverbundenheit, die Universalisierung unserer Persönlichkeit. Diese geht dabei keineswegs verloren, erst in diesem Zustand der Universalisierung findet sie ihre höchsten Möglichkeiten.
Wenn der menschliche Geist durch fortgesetzte geistige Disziplin erleuchtet wird, dann taucht die Individualität in die Universalität ein und man erlebt die wahre Natur des eigenen göttlichen Seins, des unendlichen Selbst.

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Das unwandelbar Prinzip im Menschen

Man sagt nicht umsonst, dass der Mensch das Mass aller Dinge sei. Der Mensch ist ein vielschichtiges Wesen, das von verschiedenen Hüllen, die sein eigentliches Inneres verbergen, umgeben ist. Er kann sich sowohl mit seinem grobstofflichen Körper identifizieren und in der Sorge um dessen Wohl und Wehe aufgehen, wie es das Tier tut, er kann sich mit seinem selbstbewussten Verstand gleichsetzen, kann aber auch sein Einssein mit dem wahren Selbst fühlen, das der "ewige Zeuge" ist.

Die vitalen Ziele können - so wertvoll sie an ihrem Orte sein mögen - auf die Dauer nicht den Vorrang gegenüber dem geistigen Wesen einnehmen, ohne dass dies eine völlige Unordnung innerhalb der Gesamtpersönlichkeit hervorrufen würde. Im modernen Menschen nimmt der selbstbewusste Intellekt mit all seinen natürlichen Begrenzungen die oberste Stelle ein. Die Folge davon ist selbstzerstörerischer Skeptizismus.

Der Intellekt kann sich nur in einem Circulus vitiosus begrenzter Möglichkeiten bewegen. Er bewegt sich an der Oberfläche des Objekts, ohne je tiefer vordringen zu können. Er vermag nicht einzudringen, um eins mit ihm zu werden, aber: ohne vollkommene Identität ist Erkenntnis unmöglich.

Die Wahrnehmung der Sinne und die Resultate von Schlussfolgerungen sieht der Intellekt als gültig an, er weist jedoch die tiefsten subjektiven Intuitionen als blossen Schein zurück.

Tiefe Einsicht enthüllt uns, dass im Menschen noch mehr ist, als sein normales Bewusstsein offenbar werden lässt, etwas, das der Urgrund aller Gedanken und Gefühle ist: eine feingeistige Gegenwart, die uns ewig unbefriedigt lässt, so lange wir nur irdischen Belangen nachgehen.
Jeder, der um vertiefte Einsicht in die fundamentale Wirklichkeit in der inneren Konstitution des Menschen bemüht ist, wird schliesslich zu der Feststellung gelangen, dass der Mensch die unvergängliche Essenz in einer vergänglichen Form darstellt. Es dürfte ihm kaum entgehen, dass es sich beim Menschen um das Unwandelbare in seinem sich ständig wandelnden Bereich handelt, um eine Formulierung des ewigen und unendlichen göttlichen Bewusstseins - eines Bewusstseins voller Freude, Schönheit, Güte und Vollkommenheit - das von einer sich entwickelnden Psyche umhüllt ist und sich in einem Leben der Begrenzungen befindet, einem Leben der Freuden und Schmerzen, des Guten und Bösen.

Der Mensch ist der selbstbeobachtende und allbeobachtende Erfahrende im weiten Bereich kosmischer Manifestation. Er ist das erfahrende Subjekt, und alles im Kosmos Offenbargewordene ist sein Erfahrungsbereich. Die Geheimnisse der Schöpfung haben in seiner inneren Konstitution ihren Sitz. Mehr noch: der Schlüssel zum Rätsel von Dasein und Wesen des unendlichen Schöpfers, oder Gottes, liegt im inneren Sein des Menschen. Er ist nicht nur der Mikrokosmos im Makrokosmos; er trägt vielmehr die ganze noumenale Wirklichkeit in sich. Natur und Gott befinden sich in ihm. Er ist die Antwort auf alle Fragen, die sich auf die Natur und auf Gott, als den Schöpfer der Natur, beziehen.

Soll die Schöpfung als Ganzes voranschreiten, sich höherentwickeln und zur wahren Erfahrung ihres inneren Gehaltes gelangen - d.h. zu der zugrundeliegenden Unendlichkeit - dann hat dies durch den Menschen zu geschehen, der nicht nur der bewusst und selbstbewusst Handelnde in einem unbewussten und einem unbelebten Naturreich ist, sondern in welchem Mensch und Gott - oder das Individuelle und das Absolute - beisammen wohnen und zusammengehören. Somit wird die unendliche Wirklichkeit des Göttlichen nicht anders verständlich als über den Menschen und durch den Menschen. Die Schöpfung gelangt nur über den Menschen zur vollen Erfüllung des ihr innewohnenden Strebens nach Höherentwicklung, des Strebens, über sich hinauszuwachsen und die eigene innere Essenz zu erkennen.

Dem Menschen, als einem sich selbst, wie alles andere, wesensmässig Transzendierenden, wohnt ein ontologisches Streben inne. So ist er nicht nur in der Lage, sich von seinen persönlichen Umwelterfahrungen zu distanzieren und die Welt um sich her auf eine Weise zu beobachten, aus welcher sich eine Vielzahl von Spezialwissenschaften ergibt, sondern er kann über den Erfahrungsbereich der äusseren Welt überhaupt hinausgelangen, neue Horizonte erreichen und das innere Wesen erkennen. Es ist ihm also nicht möglich, die äussere Welt zu erforschen, sondern auch seine eigene subjektive psychologische Innenwelt kennenzulernen. Doch sind seine Möglichkeiten damit noch nicht erschöpft. Er kann über den Bereich der psychologischen Selbsterforschung hinaus auch das Wesen seines dahinterliegenden psychischen Seins in den Griff bekommen, und selbst von diesem psychischen Sein kann er sich erkennend distanzieren und dessen Funktionen beobachten. Er kann bis zum zentralen Beobachter/im Buch Beobachtenden vorstossen, so dass sowohl die objektive, als auch die subjektive Welt sich seiner forschenden Aufmerksamkeit als Beobachtungsbereich erschliesst, während er sich selbst auf den Standpunkt des inneren Wahrnehmenden zurückzieht. In dieser innersten Beobachtung bzw. Erfahrung sind die Dimensionen ontologisch. Hier befindet sich die ontologische Wirklichkeit, das unvergängliche Sein, das unendliche Subjekt. Hier, wo es sich um die Essenz des Menschen, um die zentrale Wirklichkeit im Menschen handelt, ist keine Objektivierung mehr möglich. In diesem eigentlichen Genius, diesem Göttlichen im Menschen, lassen sich keine Dimensionen mehr finden, und doch sind alle Dimensionen darin enthalten, ebensosehr wie alle Raum-Zeit-Ordnungen. So wie der leere Raum alles in sich enthält, so befindet sich auch alles in dieser zentralen Wirklichkeit, mit welcher der Mensch seiner inneren Struktur nach organisch verbunden ist. Vom empirisch-psychologischen Standpunkt aus betrachtet lässt sich sagen, dass das Bewusstwerden dieser ontologischen Wirklichkeit dem Menschen ein Gefühl grosser Stärke verleiht. Aus der tieferen Erkenntnis dieser inneren Realität entsteht dann der Sinn für das Unsterbliche im Menschen, ferner das Gefühl, im Besitz grenzenlosen Friedens zu sein, an einem unbegrenzten Glück teilzuhaben, über Zeit und Raum zu stehen und schliesslich das deutliche Empfinden, im Göttlichen verwurzelt zu sein und an Seinem Wesen teilzuhaben.

Je mehr wir von dieser unwandelbaren Wirklichkeit erkennen, um so mehr offenbart uns das Leben seine Bedeutung, um so mehr auch seinen hohen Wert und seine wahre, unvergängliche und unangreifbare Würde. Was Gott ist, ist im Grunde auch der Mensch, und alle menschlichen Probleme entspringen letztlich der Tatsache, dass wir weit grösser sind, als wir zu erkennen vermögen. Unsere Grösse ist die Ursache aller Probleme, und so lange wir nicht bewusst dynamische Kenntnis davon haben und in bewusstem Kontakt mit dieser Grösse unseres Inneren stehen, findet keines der Probleme im Äusseren seine endgültige Lösung.

Das Bild, das der Mensch von sich selbst hat, muss einerseits der Wahrheit - und zwar einer bleibenden Wahrheit - entsprechen und andererseits aufwärts führen. Er muss sich seine eigene Wirklichkeit klarmachen, das transzendente Prinzip in sich entdecken, erkennen lernen, dass er Mittelpunkt eines unendlichen göttlichen Bewusstseins ist.

Die ewige Wahrheit zu verwirklichen und sie durch die vervollkommneten Instrumente des menschlichen Geistes und des menschlichen Körpers zum Ausdruck zu bringen, ist das Prinzip und der ganze Sinn und Zweck des geistigen Lebens, das einzige Ideal, das der denkenden Menschheit dauernde Befriedigung und Frieden geben kann.

Die Lehre, dass der gewöhnliche Zustand des Menschen nicht sein Endstadium darstellt, dass er ein höheres Selbst, einen unsterblichen Geist, ein unauslöschliches Licht besitzt, hat zu allen Zeiten die Aufmerksamkeit der besten Geister der ganzen Menschheit auf sich gezogen. Sämtliche grossen Denker in aller Welt erheben einstimmig die Forderung, dieses Selbst kennenzulernen. Während im Aufbau unseres Körpers ein ständiger Wechsel herrscht und unsere Gedanken sich wie die Wolken am Himmel zusammenballen und wieder verflüchtigen, geht das wahre Selbst niemals verloren. Es ist alldurchdringend und dennoch von allem verschieden. Es ist die Quelle des Identitätsempfindens durch zahlreiche Verwandlungen hindurch. Es bleibt sich gleich, obwohl es alle Dinge sieht. Es ist das eine Unveränderliche, das in all den vielfältigen Vorgängen im Universum keiner Veränderung unterliegt. Unsere begrenzte Persönlichkeit ist sich nur dann und wann bewusst. Dazwischen liegen ausgedehnte Bewusstseinslücken. Doch stirbt der innere Seher nicht, auch wenn der Tod den Menschen ereilt. Nichts von seiten der Objektivität vermag an das subjektive innere Sein heranzukommen.

Dieses ewig fortbestehende Selbst als das ewige Subjekt kann nicht bewiesen werden. Auch bedarf es keines Beweises. Es ist sein eigener Beweis. Es ist das, was jedem Erkenntnisvorgang zugrundeliegt und jedem Organ und jeder Fähigkeit erst Leben verleiht. Unreinheiten unseres menschlichen Geistes sind schuld, dass dieses universale Selbst mit dem empirischen Selbst verwechselt wird. Wenn wir den Dunstkreis um das Selbst durchbrechen und es von seinen Hüllen befreien, gelangen wir hier und jetzt im physischen Körper zum Ziel unserer Bestimmung.

Das innere göttliche Selbst, das "Ich", ist das unwandelbare Prinzip im Menschen. Es ist von unendlicher Einfachheit und bildet eine Dreiheit von transzendenter Wirklichkeit, transzendentem Gewahrsein und transzendenter Freiheit.

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Auf welchen Wegen erfahre ich
die wahre Natur von Mensch und Universum?

Durch allumfassende Liebe -
zum kosmischen Bewusstsein

Die höheren Kräfte des Bewusstseins gelangen zum Selbstausdruck, wenn die innere Natur immer reiner und reiner und gänzlich umgewandelt wird. Die Reinheit und der innere Umwandlungsprozess können unser Inneres so zubereiten, dass die Gottheit, die Realität, die Wahrheit, das unendliche Bewusstsein, das in all den Formen des Universums, in der Natur, in der Welt, in allen Wesen verborgen liegt, uns plötzlich offenbar wird.

Das kosmische Bewusstsein stellt eine der Stufen göttlicher Erfahrung dar. Jenseits von ihm, über ihm liegt das transzendentale Bewusstsein. Auf der Stufe des transzendentalen Bewusstseins werden wir in das Herz und Sein der höchsten Gottheit zurückgenommen. Wir erlangen die Einheit mit der Gottheit. Auf der Ebene des kosmischen Bewusstseins sind wir uns des göttlichen Seins in aller Schöpfung, im ganzen Kosmos bewusst. Wir gehen auf in der Erfahrung der Gottheit in Natur und Universum, in allen Dingen. Das Bewusstsein als solches - in seiner Unendlichkeit - ist Gott.

Um die Begrenztheit der Körper sowie der mentalen Sinne und der emotionalen Kräfte zu durchbrechen, müssen wir allmählich jede dieser Eigenschaften dahin bringen, dass sie weitere, höhere und umfangreichere Erfahrungen ermöglichen. Der menschliche Geist, der gewohnt ist, nur das zu sehen, was ihm durch Erziehung, Kultur und Gesellschaft als Tatsache oder als Wahrheit vorgesetzt wurde, muss langsam einsehen lernen, dass es Hunderte, ja Tausende von Wahrheiten gibt, von denen die körperlichen Sinne keine Kenntnis vermitteln können. Er muss allmählich zur Einsicht kommen, dass ein gemeinsames Leben in allen Dingen, ein gemeinsames Bewusstsein in allem Erschaffenen wohnt, dass ein universales göttliches Licht und Leben in allen existierenden Formen vorhanden ist, handle es sich um Materielles oder um Nichtmaterielles. Daraufhin muss er lernen, sich in seiner Beziehung zum Unendlichen, zum Absoluten, zum Unbedingten, zur höchsten Gottheit zu sehen.

Alles, was sich in diesem leeren Raum auf uns bezieht, ist eine unsichtbare Gottheit. Die Tische, Stühle, alles, was sichtbar ist, sind letzten Endes in ihrer Zusammensetzung, in all ihren Atomen, die Offenbarung des ewigen Lichts. Überall erfahren wir die alles sehende Intelligenz, sie ist der Hintergrund aller Offenbarungen. Sie ist die geheimnisvolle Wirklichkeit, welche die Grundlage allen Lebens bildet, die Ursache und Quelle aller Manifestation, welche wir mit den physischen Augen wahrnehmen. Wo immer wir hinblicken, überall da wo wir unsere Gefühle erweitern und wo unser Bewusstsein sich ausdehnt, überall da erleben wir die unendliche Schönheit und Freude des höchsten Wesens. Es handelt sich hier nicht um ein blosses Gerede, sondern um eine direkte lebendige Erfahrung. Tausende von grossen Menschen sind durch die Jahrhunderte hindurch zu diesem göttlichen Bewusstsein gelangt. Sie haben erfahren, dass die ganze Welt nur eine Offenbarung dessen ist, was sie im eigenen Herzen tragen.

Wir besitzen oder gewinnen ein Ding nur, indem wir es überwinden. Nur dann besitzen und nützen wir unsere Welt völlig, wenn wir uns in erster Linie mit dem grösseren Königreich in uns verbinden. Berühre die Wahrheit, die Weisheit des Göttlichen. Erkenne die höchsten Dimensionen des göttlichen Bewusstseins in Deinem Inneren und komme in Kontakt mit ihnen - und Du hast die Lösung zu den tiefsten Fragen.

Doch wie soll das geschehen? Indem wir zuerst das Göttliche suchen. Wie gelangen wir über diese Welt hinaus? Wie soll sie überwunden werden? Nicht durch äussere Machtentfaltung oder durch Eroberung, sondern durch zunehmendes Verstehen, durch die Entfaltung einer Liebe, die geistig allumfassend ist, durch den unmittelbaren Kontakt mit dem geistigen Sein und Wesen, Gott genannt.

Die äussere Welt muss im Geiste überwunden werden, bevor man sich ihrer wahrhaft erfreuen kann. Sie wird all ihre Begrenzungen und Fehler ablegen, wenn wir sie mit den Eigenschaften des Lichts, der Geistesklarheit, der Liebe des schöpferischen Bewusstseins und des geistigen Wesens überfluten.

Diese Erfahrung wird uns nicht zuteil, so lange wir auf unsere Sinne beschränkt bleiben, welche uns das Universum auf ihre Art darstellen. Doch werden wir überall nur dem Angesicht des Unendlichen begegnen, sobald wir unser Bewusstsein von der Begrenzung der körperlichen Sinne frei machen, wenn wir unsere Liebe von den körperlichen Begrenzungen lösen, um das Göttliche erleben zu können. Die Begrenzungen, die wir noch heute im Leben erfahren, sind nicht unvermeidlich, sie können durchbrochen werden. Dann wird die Erfahrung des Göttlichen uns sofort zuteil, und alle die Wunder, welche die Ursache der Wunder des Weltalls und der Befreiung von Zeit und Raum sind, werden in unseren Händen sein. Wir werden damit arbeiten können, und es wird uns möglich werden, mit unendlicher Kraft und Energie zu leben, aber was wesentlich ist: Wir müssen aufgeben, ein normales Leben in der normalen Art und Weise zu leben. Wir müssen auf unsere kleinen, kleinlichen Erfahrungen verzichten. Wir müssen bereit sein, eine grosse Vision unser eigen zu nennen und zu einer grossen Liebe bereit sein, einer Liebe, die alle Wesen als Ausdruck der Gottheit umfasst.

Je grösser, erhabener unser Denken, je göttlicher unsere Gefühle sind, je weniger wir unser persönliches Ich in den Dingen dieser Erde verlieren, um so mehr werden wir der wahren Wirklichkeit bewusst, um so mehr gewinnen wir ein unfehlbares Bewusstsein des Unendlichen. Unser Bewusstsein wird sich erweitern, unsere Art zu leben wird sich verändern, und auf diese Weise werden wir dann etwas von dem göttlichen Bewusstsein erleben, das in uns allen ist. Und wenn wir anfangen, Erfahrungen zu machen, sie zu fühlen und zu verwirklichen, wenn wir dieses unendliche Bewusstsein in der ganzen Natur, in der ganzen Menschheit, in allen Wesen, zu allen Zeiten und in allen Lebensumständen erlangen, dann wird die Möglichkeit der Erwerbung des kosmischen Bewusstseins immer näher rücken. Das kosmische Bewusstsein ist unser normaler Zustand.

Die körperlichen Begrenzungen dauern nicht lange, doch so lange wir darin eingesperrt sind, besteht die Erfahrung des Unglücklichseins, des Irrtums, des Verlorenseins. Je mehr wir uns aber von den Begrenzungen dieses menschlichen Bewusstseins befreien, je mehr wir unsere Gefühle erhöhen, je mehr wir unsere kleinlichen Wünsche in eine grosse, allumfassende Liebe weiten, je mehr wir fähig werden, unsere kleinmenschliche Einstellung zu einer hohen Vision auszuweiten, um so mehr besteht die Möglichkeit, zu dem kosmischen Bewusstsein zu gelangen, das sich in unserem inneren Wesen bereits vorfindet.

Das normale Individuum erfährt die Welt mittels seiner Sinne durch seinen Geist, mit dem Resultat, dass die Erfahrung mehr Schmerz einbringt als Freude, dass Unwissenheit herrscht statt Erkenntnis. Durch das Verstricktsein in die Sinneswahrnehmung ist auch die Erfahrung des Übels und des Bösen gegeben, all der geringeren Wirklichkeiten, wie die des Leidens und des Todes. Deshalb ist dieses eingeengte Bewusstsein nicht unser natürliches. So lange wir darin verstrickt sind, werden wir hilflos und unglücklich sein, und je schneller wir uns aus dieser Umklammerung befreien, umso besser für uns. Und die Möglichkeit dazu besteht, sich aus Schwächen und Unvermögen zu lösen, ja in unserem täglichen Leben zum kosmischen Bewusstsein durchzudringen. Wenn das geschieht, werden wir dieses unendliche Bewusstsein als die einzige Realität unseres Lebens empfinden. Alles, was wir dann sehen und erleben, ist Auswirkung des unendlichen göttlichen Lichts und seiner Macht.

Die Entfaltung der inneren Stille und Ruhe ist wesentlich für inneres geistiges Wachstum. "Seid stille und erkennet, dass ich Gott bin." Unser inneres Wissen muss in Ruhe und Stille wurzeln. Wir können aber niemals die wahre Stille und Ruhe in uns verspüren, so lange wir nicht das dynamische Empfinden der allvollkommenen göttlichen Gegenwart haben, so lange sich unser Herz nicht in Liebe öffnet und unser Wesen im Glauben erstrahlt, in völliger Auslieferung an jene Macht, die als das Leben unseres Lebens uns beschirmt, uns erhebt und innerlich reich macht.

Je mehr wir in diesem Zustand der Verwirklichung des ewigen Seins leben, desto mehr wird unser innerer Zustand ein glücklicher und friedvoller sein, immer vollkommener werden, und wenn wir uns weiter in dieser Richtung entfalten und unser Denken und Leben von diesem kosmischen Sein bestimmt sein lassen, werden wir auch imstande sein, die Kräfte des Universums zu handhaben und die Geheimnisse des Geistes zu erfassen, die Weisheit einer unendlichen Liebe zu erleben, die hier und dort und überall am Werke ist. Unter allen Umständen und Bedingungen des Lebens werden wir dann die unbegrenzte Freude und Liebe des inneren Wesens erfahren. Das ist unsere Bestimmung.
Liebe, Glauben und Selbstübergabe an Gott und die grundlegenden geistigen Werte und Wahrheiten, sie allein tragen zur Lösung der eigentlichen grossen Lebensfragen bei und sollten in ihrer vorrangigen Bedeutung erkannt und anerkannt werden.

Was wir durch die Errungenschaften unserer technisch-wissenschaftlichen Zivilisation an Wundern hervorgebracht haben, kann nur bewahrt und fruchtbar genutzt werden, wenn wir gleichzeitig auch jene Liebe in uns entfalten, die vom Gefühl der göttlichen Gegenwart und der Berührung mit dem alles ernährenden, erhaltenden und beschützenden Gott getragen wird.

Dahin müssen wir kommen, ja es ist uns sogar zur Pflicht gemacht, und es gibt hundert Wege und Methoden, um dahin zu gelangen. Man kann es in einem Jahr so weit bringen oder auch in sechs Monaten, bei manchen genügt ein Tag. Es hat sogar aussergewöhnliche Persönlichkeiten gegeben, die diesen Zustand in drei Stunden oder in drei Minuten erreichten. Alles hängt davon ab, wie weit wir dafür vorbereitet sind, wie gross unsere Herzensreinheit schon ist, wie wir unser Denken und Fühlen schon verfeinert, unsere Wünsche sublimiert haben, wie gross unsere Sehnsucht nach der Erfahrung einer unendlichen Macht in uns, um uns und über uns ist.

Welche Schritte haben wir schon unternommen, um die Versklavung durch unsere Sinne zu brechen? Wie sehr lassen wir uns innerlich davon anrühren, wenn wir die Sonne aufgehen sehen oder den Vogelflug beobachten? Wie ist unsere Einstellung zu Menschen und Dingen, wie ist unsere Art, sie zu sehen? Solche Faktoren sind ausschlaggebend dafür, wie weit schon die Möglichkeit für uns besteht, das Göttliche in Erfahrung zu bringen. Wenn alles in uns geläutert, veredelt und strahlend ist und wir uns der Gnade der allsehenden Gottheit öffnen, gelangen die inneren Gaben der Intuition und Inspiration, der Erleuchtung in uns zur Auswirkung, so dass wir im Licht des Göttlichen wandeln, wohin wir auch gehen. Wir gehen dann mit der Weisheit im Herzen, die unendlich ist, wir bringen die Liebe zum Ausdruck, die keine Grenzen kennt, die alles umfasst und nichts ausschliesst. Dann wird unser Leben zum Spielplatz des göttlichen Bewusstseins, wohin wir auch blicken, werden wir des Unendlichen gewahr, unser wahres Wesen, unser eigentliches Sein, die ganze Wahrheit unseres inneren Lebens ist dann unendliche Freude, ist Friede und Vollkommenheit Gottes.

Je mehr wir unseres eigentlichen Wesens bewusst sind und sich unsere Gedanken und Gefühle in dieser Richtung bewegen, um so mehr werden wir aus der unerschöpflichen Quelle gespeist und die Dinge des äusseren Lebens meistern. Je kraftvoller unsere Bemühungen in dieser Richtung sind, um so grössere Chancen haben wir, schon hier auf Erden im Reiche Gottes zu leben.

Damit gelangen wir dahin, auch im täglichen Leben unser kosmisch weites Bewusstsein zum Ausdruck zu bringen. Was soll das heissen? Kosmisches Bewusstsein ist nichts anderes als das Bewusstsein Gottes, das überall, in allem ist, in allen Dingen, in der Natur, in den Vögeln, einfach in allem. Es ist das wie ein intensives Bewusstwerden der göttlichen Gegenwart, die in allem Sichtbaren zum Ausdruck kommt. Dieses Etwas ist in der Natur, in der aufgehenden Sonne, im blauen Meer, in der ganzen Menschheit, in allen Dingen, die das äussere Universum ausmachen. Mit der Hilfe unserer irdischen Augen werden wir dann das kosmische Bewusstsein wahrnehmen, das überall gegenwärtig ist. Sind wir dahin gelangt, haben wir eine grandiose Sichtweise und hohe Weisheit in uns. Dann gibt es keine Erfahrung und kein Ereignis mehr, das uns im Leben Schaden zufügen könnte.

Schmerz und Freude haben keinen Einfluss mehr auf uns. Wir werden durch nichts abgestossen, fühlen uns von nichts mehr gestört. Das Böse hört auf, für uns zu bestehen. Unglücklichsein kommt nicht mehr in Frage, keinerlei Schwäche oder Schwachheit befällt uns mehr.

Das kosmische Bewusstsein zu erlangen ist das, wozu das Leben uns auffordert. Es geht um nichts anderes, als hier auf Erden in diesem Bewusstsein zu leben, dieses für uns wirklich werden zu lassen. Dann leben wir als übermenschliche Wesen hier auf Erden, und wir sind dann auch keine Versager in den Angelegenheiten dieser Erde, sondern werden dadurch bessere Schriftsteller, bessere Philosophen und wahre Künstler. Wir werden auch die Rolle des Vaters, der Mutter, des Staatsbürgers auf rechte und beste Art ausfüllen. Es gibt gar nichts Wichtigeres und Vordringlicheres, als dass wir dieses eigentliche Wesen, dieses Bewusstsein, das in allen Dingen und Wesen wie in uns selbst ist, kennenlernen. Die übliche Art zu denken und zu fühlen ändert sich dann, muss sich ändern. Die menschliche Mentalität gilt es abzulegen, damit das Bewusstsein Gottes die innere Geduld, Ausdauer und all die vielen göttlichen Fähigkeiten, die in uns liegen, aktivieren kann. Wir sollen ein Leben führen, das den inneren Kräften gestattet, uns zu durchströmen. Ein intensives Gewahrwerden des Unendlichen, das sich überall in uns und um uns kundgibt, wird es ermöglichen, dass diese kosmische Schau unser ganzes Leben regiert. Wir sollen in weiter, allumfassender Weise fühlen, so dass jeder Tag eine kosmische Anbetung wird.

Der göttliche Pfad ist ein Pfad der Liebe, der Weisheit und des Wachsens an geistiger Erkenntnis und Erfahrung. Ihn zu beschreiten ist dem Menschen möglich und natürlich. So lasse die grenzenlose Liebe Gottes sich in dein Herz ergiessen. Liebe, ohne Gegenliebe zu erwarten, liebe auch da, wo man dich hasst. Liebe selbst da, wo dir der andere Schwierigkeiten macht und dich vor Probleme stellt. Wenn du eine solche Liebe in deinem Herzen trägst, kannst du ganz Ungewöhnliches daraus entspringen sehen. Der Aufruf zur Gotterfahrung, zur Höherentwicklung, zum geistigen Übermenschentum ergeht nur an den, der dafür schon empfänglich und wach ist, der über genügend Herzensreinheit verfügt und sich ernstlich bemüht, den göttlichen Willen zu erfahren. An all jene ergeht der Aufruf, von denen erwartet werden kann, dass sie sich auf ihrem Lebensweg als Helden bewähren.

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Glaube, Kunst, Wissenschaft und Intuition

Es gibt hundert Dinge, die unser äusseres Auge nicht zu sehen vermag, und die auch unsere anderen Sinne nicht wahrnehmen können. Es gibt eine Schönheit, die noch keiner je erblickt hat. Weder Raffael noch Michelangelo sagen uns wirklich, was Schönheit ist, und dennoch lässt sie sich von Menschen gestalten und zum Ausdruck bringen, und unser Schönheitsempfinden nimmt sie wahr.

Welche Wissenschaft könnte je Aufschluss geben über die grundlegenden Probleme menschlicher Existenz? Die Wissenschaft sucht die äussere Erscheinung zu erklären, sie spricht von der Natur und ihren Elementen und landet zuletzt bei der Energie: doch über den Ursprung dieser Erscheinung "Energie" kann sie keine Auskunft geben. Kein noch so grosser Wissenschaftler kann das Wesen der Elektrizität genau erklären, dennoch sehen wir ihre Wirkung und Kraft und setzen sie hundert- und tausendfältig im täglichen Leben ein. Kein noch so hervorragendes Genie kann uns ein wahres Bild davon vermitteln, woraus das Leben eigentlich besteht - und doch besteht es, und wir spüren und sehen seine Gegenwart an tausend sicheren Zeichen, die es nach aussen sichtbar und erkennbar werden lässt. Die Luft ringsum ist äusserlich nicht sichtbar, und dennoch können wir ihr Dasein aus den Bewegungen ersehen, die sie an sichtbaren Gegenständen hervorruft, wie auch durch unseren Atemstrom. Oder hat je ein Psychologe, Analytiker oder Psychiater die Psyche zu sehen bekommen, die er behandelt? Keiner weiss um das eigentliche Wesen der Seele Bescheid, dennoch besteht ein solches Phänomen. So gibt es hundert Dinge, von denen wir keine direkte Erkenntnis haben und hundert weitere, die wir nicht sehen können und die dennoch da sind. Genau so verhält es sich mit dem Göttlichen: Es existiert, auch wenn das äussere Auge ES nicht sieht.

Menschen, deren Herz in universaler Liebe herangewachsen und deren Leben in Weisheit herangereift ist, die ihre höheren Fähigkeiten entfaltet und ihren Horizont geweitet haben, durchschauen diese Dinge, und ihr Glaube kann Berge versetzen. Solche Menschen gab es immer wieder, und es gibt sie auch heute. Doch leider bleiben diese Fähigkeiten den meisten gänzlich verborgen und gelangen nicht zu ihrem Selbstausdruck.

Jene, deren inneres Wesen geläutert, erhoben und umgewandelt ist, finden neue Erkenntnismöglichkeiten oberhalb des Wirkens menschlicher Vernunft. Ein Beethoven oder Raffael ist nicht durch logisches Verstandesdenken zustande- gekommen, vielmehr waren in den Zuständen höherer Inspiration die Kräfte des gewöhnlichen Verstands vorübergehend ausgeschaltet: in ihren besten Augenblicken haben die intuitiven Fähigkeiten des Sehens, Erkennens und Erlebens von ihnen Besitz ergriffen.

Was sagt uns eine solche Intuition oder eine noch höhere als diese Grossen sie erlebten? Die gleiche Intuition macht uns klar, dass ganz unmittelbare organische Beziehungen bestehen zwischen dem Menschen und dem unendlichen Bewusstsein. Das ist eine wissenschaftlich erkennbare Tatsache. Das lässt sich sicher wissen und erkennen, wenn wir die Kräfte des Verstandes entwickeln. Vertiefe dich also in die Quellen des Lebens durch Nachdenken und entfalte Liebe, eine Liebe, die alle Schöpfung umarmt, entfalte die Kraft des Glaubens, die du in dir hast. So gut du den Worten von Wissenschaftlern oder denen deines Arztes Glauben schenkst, wenn sie dir von Dingen sagen, und sei es in deinem eigenen Körper, die du niemals zu sehen bekommst oder nachprüfen kannst, so gut du hundert anderen Leuten aufs Wort glauben musst, was sie dir mitteilen, rein um des Überlebens willen, so könntest du doch wahrhaftig auch den Worten der Grossen vertrauen, die der Menschheit nichts als Wohltat und Segen spenden. Warum nicht den Worten der grossen Liebenden und Weisen vertrauen, warum nicht ihnen Glauben schenken, die während ihres Erdenlebens tiefer blicken, mehr erblicken konnten als Normalsterbliche? Sind doch ihre Erfahrungen nicht individuell und isoliert, nicht die Erfahrungen von Einzelnen nur, sondern universal und zeitlos. Schon lange ehe ein heiliger Franziskus geboren wurde, Jahrtausende schon vor ihm, hat es Heilige gegeben, und nach Jahrtausenden werden immer noch weitere erstehen. Es handelt sich da um ein universales Phänomen.

Die Fähigkeit zur Gotterfahrung ist, wie die musikalische Begabung oder die wissenschaftliche Intelligenz, alle künstlerischen und geistigen Befähigungen, eine universale Erscheinung, die immer wieder zutage tritt, und was universal, allgemein in jedem angelegt ist, kann auch wieder und wieder erreicht und verwirklicht werden. Das ist eine wissenschaftliche Tatsache, eine unwandelbare Wahrheit. Warum sollten wir diese Fähigkeit nicht pflegen oder wenigstens glauben, was die Grössten in der Menschheitsgeschichte uns immer wieder als unwandelbare Wahrheit vor Augen führen? Dieser Glaube ist in den Anfangsstadien durchaus notwendig. Später werden wir selbst eine direkte Erfahrung der Wahrheit erlangen, an die wir jetzt nur glauben. Ein Junge, auch wenn er einst ein noch so grosser Wissenschaftler zu werden verspricht, muss zunächst doch dem Lehrbuch glauben, dass viele dieser winzig kleinen Sterne, die am Himmel leuchten, grösser als unsere Sonne sind. Wenn er dann ein grosser Wissenschaftler geworden ist und selbst Experimente durchführt, kann er nachprüfen, was er zunächst nur glaubte. Unser Vorteil ist nicht unbeträchtlich, wenn wir solchen Wahrheiten Glauben schenken. Es wird uns dieser Glaube dann an die Erfahrung jener Wahrheiten heranführen.

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Sprich mit Gott

Jedes kurze Gespräch mit dem Göttlichen bringt uns mehr Frieden, Glück, Verständnis, Erleuchtung und Furchtlosigkeit; es vermittelt uns ein Gefühl von Unsterblichkeit und die Bereitschaft, schwierige Situationen ins Auge zu fassen und zu überwinden, grosse Aufgaben auf uns zu nehmen, um sie zu lösen, sowie im Leben Erfüllung und ein Abenteuer zu sehen, um schöpferische Freude und Schönheit zu finden. Hunderte von grossen Menschen haben im Verlauf der menschlichen Geistesgeschichte mit dem unsichtbaren Göttlichen gesprochen und sind zum intuitiven Bewusstsein vorgedrungen, das sie befähigte, das Göttliche zu allen Zeiten und in allen Lagen zu sehen.

Gott spricht zu uns, wenn das ganze innere Wesen still und ruhig ist, auch wenn wir äusserlich ein Auto steuern oder die Erde umgraben. Die beste Art und Weise, Gott zu veranlassen, zu uns zu sprechen, besteht darin, unser Herz ruhig, friedlich, lichtvoll und rein werden zu lassen. Ist das nicht ohne weiteres möglich, dann sprich mit Gott, so wie du manchmal zu dir selbst sprichst. Es gibt viele Menschen, die mit sich zu Rate gehen; fast alle sprechen dann und wann mit ihrem eigenen Inneren, und manche sprechen sogar laut mit sich selbst. Statt sich solchem Selbstgespräch hinzugeben, kann man auch mit Gott sprechen und seine Worte, Gedanken und Gefühle an Gott richten, der alles hört und sieht, der alldurchdringend zugegen und allmächtig ist.

In der menschlichen Konstitution ist Gott als die göttliche Intelligenz zugegen. Diese Kraft liegt latent im Menschen bereit und muss uns nur offenbar werden und zur Wirksamkeit gelangen. Mit jedem Anruf Gottes, mit jedem Gebet, mit jeder Meditation, mit jeder grossen, schönen, selbstlosen Arbeit wird etwas von dieser latenten Kraft in uns geweckt. Je grösser die Intensität ist, mit der wir uns auf Gott ausrichten, um so mehr kommt diese latente Kraft in uns zum Selbstausdruck.

Die Gottheit in ihrer unendlichen Intelligenz besitzt alle Fähigkeiten, so dass sie nicht nur deine gesprochenen Worte, sondern auch deine unausgesprochenen Gedanken hört. Am Hören fehlt es nicht, doch braucht es die grosse Seele eines weisen Menschen und ausserdem einen ausgesprochen praktischen Sinn, um von Minute zu Minute mit dem Göttlichen Umgang zu pflegen und im äusseren Leben die grossartigen Folgen solchen Umgangs zum Ausdruck zu bringen.
Das göttliche Sein, die unendliche Intelligenz, das unendliche, allsehende Auge ist bei jedem und hört auf jeden - jederzeit und unter allen Umständen. Darum gibt die auf alles reagierende Wirklichkeit in ihrer Allgegenwart, Allwissenheit und Allmacht oft schon Antwort, wenn auch nur der Wunsch im Herzen wach wird, mit diesem göttlichen Wesen in Kontakt zu kommen. Doch reagiert Gott nicht auf jene, die in ihrem Unglauben und ihrer Unaufrichtigkeit, in ihrer Ignoranz nicht hören wollen, ja wegen allzu vieler Unreinheiten nicht mehr hören können, taub geworden sind. Sollte jedoch einer von ihnen für das Göttliche empfänglich werden und versuchen, mehr Glauben, mehr Aufrichtigkeit, Güte und Hingabe zu mobilisieren, wird auch seine Fähigkeit, mit Gott zu sprechen, wieder zunehmen, und seine Worte werden nicht länger ohne Antwort bleiben.

Halte das Gespräch mit allem aufrecht, was das Höchste, das Edelste und Grösste in deinem inneren Wesen ist. Dieses innere Wesen in dir, das unendlich ist, ist zugleich das innere Wesen der gesamten Schöpfung. Es ist auch das innere Wesen des Zeit- und Raum-Universums. Dieses innere Wesen in dir zu berühren oder mit ihm Umgang zu pflegen heisst, es in allem und überall zu berühren und mit ihm in Kontakt zu bleiben. Es gibt nichts, was nutzbringender, wertvoller und wichtiger sein könnte als das. Darin liegt das Geheimnis der Grösse deines Lebens und dessen, was du zu erreichen imstande ist.

Das Wirkliche des Wirklichen, die Wahrheit aller Wahrheiten im ganzen Universum ist das Göttliche. Es ist subtiler als das Subtilste, es ist das supersensitive und alles beobachtende Sein. Sprich mit ihm und du erhältst augenblicklich Antwort. Doch wende dich an das Göttliche in dir und nicht an das kleine Ego, an das undisziplinierte, gebrechliche und noch nicht ins Geistige verwandelte Ich.

Es gibt Menschen, die mit sich selbst sprechen und aus einem solchen Selbstgespräch mit der fantastischen Behauptung zurückkehren, dass Gott mit ihnen gesprochen habe. Sie halten die Stimme ihres Irrtums, ihrer Begierden und Unvollkommenheiten für die Stimme Gottes. Solchen Täuschungen sollte man aus dem Wege gehen.

Bereite dich zu einer wirklichen Unterredung mit dem Göttlichen auf vielfachem Wege vor. Lasse die Natur vollkommen umgewandelt werden, indem du höheren Zielen, Idealen und Werten nachstrebst. Bis du zu einem Gespräch mit dem Göttlichen bereit bist, fahre beständig fort, deine Intelligenz und dein Herz zu reinigen und zu läutern, indem du mit all dem sprichst, was das Höchste, das Selbstloseste, das Reinste, das Grösste, Beste und Göttliche in dir ist. Mit ihm sollst du Gemeinschaft pflegen, diesem sollst du deine Fragen vorlegen. Wissenschaftler, Juristen, Direktoren, Künstler, Politiker, Denker - sie alle legen ihrer eigenen Intelligenz Fragen vor, und diese antwortet nicht in Form hörbarer Sprache, sondern in Form von neuen Ideen, neuen Wahrnehmungen, unausgesprochenen Worten. Menschen der Wahrheit, der Reinheit, der Liebe und der Weisheit legen ihre Fragen Jenem vor, das sich hinter der Intelligenz befindet - dem göttlichen Bewusstsein - und erhalten so tiefere Einsichten, höhere Schau und unsterbliche umwandelnde Gedanken und Einsichten, Wahrnehmungen und Intuitionen. Der Anruf an das Höchste und Edelste in unserem Inneren hat dem Gespräch mit dem, was der ewige Ursprung alles Höchsten ist, voranzugehen.

Der Beweis für dein Sprechen mit dem Göttlichen wird sichtbar in der völligen Umwandlung deines Herzens, in der Reinheit deines Wesens, in der Kraft deiner Persönlichkeit, in der göttlichen Natur, die in dein äusseres Leben hineinspielt. Du wirst dann niemals anderen erzählen, dass Gott mit dir gesprochen hat, sondern deine Furchtlosigkeit und Friedfertigkeit, deine erstaunliche innere Kraft, deine Unabhängigkeit, deine überfliessende Weisheit und beständige Freude wird für sich selbst sprechen und es offenbar machen. In der Grösse und in der eindrucksvollen Erhabenheit deines Lebens und Tuns wird die kleinste Handlung sichtbar. Fast buchstäblich weilt der Himmel bei dir. Sprich also mit dem Göttlichen. Gott hört. Er antwortet. Lass dein Leben zu einer grossartigen Ansprache des Göttlichen werden.

Wie die vierte Dimension des Raumes, die unsichtbar, doch rings um uns vorhanden ist und unser Tun bestimmt, so besteht die Wirklichkeit Gottes rings um uns als jene andere und höchste, allerhaltende Dimension dieser Welt. Die in ihrem Herzen Grossen nehmen sie wahr. Die in ihrem Herzen rein sind, sprechen mit ihr. Die Gott Hingegebenen erhalten Antwort auf ihre fromme Hingabe und ihre Gebete. Vom Gespräch mit dem, was lichtvoll in ihnen selbst ist, begeben sie sich weiter zum Dialog mit dem Göttlichen. Vom Dialog mit dem Göttlichen schreiten sie weiter zur inneren geistigen Einheit mit dem Göttlichen, das allerhöchste Stille und aus diesem Grund die Quelle aller Sprachen, aller Wissenschaften, aller Künste und aller Schöpfung ist. Dieses Stadium ist die abschliessende Entwicklung der inneren geistigen Evolution des Menschen.

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Du bist Schlüsselträger des Universums

Die höchste Intelligenz, die alles durchdringt und das Geschick der Universen lenkt, sie ist in dir. Ein unendliches Meer der Freude und Schönheit, der Macht und Gnade liegt in dir. Es besteht kein Faktor, keine Kraft, keine Macht oder Energie im höchsten göttlichen Bewusstsein, die nicht auch in dir wäre. Alles, was die göttliche Wirklichkeit in sich trägt, ist dir übergeben. Alle Schätze schöpferischen Denkens, die sich im Unendlichen befinden, sind in Deinem inneren Wesen enthalten. Dieses Innerste, das dein Wesentliches ausmacht, ist allvollkommen, ganz und gar schön, voll Schöpferkraft und Allmacht. Es ist der Mittelpunkt und die Quelle jeder Kraft, die in deinen Sinnesfunktionen und anderen Fähigkeiten zur Wirksamkeit gelangt.

Hundertfach bist du gesegnet unter Millionen Wesen, denn als Mensch allein bist du gegenwärtig in der Lage, den tiefsten Anliegen und Ansprüchen, die im Leben liegen, Antwort zu stehen. Zum gesegneten Umstand gerade deines Lebens unter Millionen Lebewesen auf Erden ist es geworden, dem ewigen Sein gegenüber empfänglich zu werden, dich nach höheren Geisteswerten auszustrecken und nach einer Vollkommenheit zu streben, die keine Grenzen mehr kennt.

Warum finden sich Menschen zusammen, um geistige Belehrung zu empfangen? Die Vollkommenheit des Gottesreichs in ihnen steht als wirkliches Motiv im Hintergrund. Darauf zielt letztlich ihr Verlangen ab. Die unmittelbare und persönliche Berührung des Göttlichen ist das Ziel, wenn wir uns bemühen, unsere Erkenntnis über das Göttliche und das Wissen um Wege und Methoden in dieser Richtung zu erweitern. Jede Bemühung in Richtung auf das Unendliche, jeder Schritt, mit dem wir der Erfahrung des Absoluten näher kommen, ist eine Handlung unseres inneren Wesens eine Handlung und ein Streben, das heldenhaften Menschen zukommt, jenen Kindern des Unendlichen, welche in ihrem inneren Erkennen wach geworden sind.

Ein berühmter britischer Wissenschaftler schrieb ein Buch über "Das geheimnisvolle Universum", das sich mit der Unermesslichkeit des Weltraums, mit seinen Milliarden Lichtjahre zählenden Dimensionen und den ungezählten Universen befasst, den Trillionen Sternen und all den Wundern, die uns ein Riesenteleskop zu erschliessen vermag. Doch das Universum, das du in deinem Inneren erforschen kannst, das Göttliche, das du zu berühren, zu fühlen, zu erfahren vermagst, dieses ganze innere Königreich ist weit wunderbarer, weit herrlicher, weit glanzvoller. Tatsächlich ist das äussere, so wunderbare Universum nur eine kleine Widerspiegelung des grossen, unbegrenzten, zeitlos-raumlosen Universums in unserem Inneren. Wenn dieses ganze Erdenrund, auf dem wir leben und uns bewegen, nur ein Staubkörnchen ist, verglichen mit den grossen Weltsystemen, diesen endlos-wunderbaren Universen, dann gleichen diese ganzen Universen ihrerseits wiederum nur einem Staubkörnchen in unserem Inneren gegenüber diesem unermesslichen Königreich. Was in uns selber ist, überragt bei weitem alles, was uns das äussere Sehvermögen je zu erschliessen vermag. Es gibt kein Wunder in der äusseren sichtbaren Welt, keine Schönheit und keine Energie, die nicht schon in uns wäre.
Die Geschichte, wie auch die grossen Schriften der Welt sprechen von millionenfacher Schöpfung. Woher kam sie? Die menschliche Vernunft sagt, dass dann auch Millionen Universen, Millionen Schöpfungszyklen folgen werden: Erschaffung, Erhaltung und Auflösung. Worin finden diese künftigen Weltenschöpfungen statt? In diesem grenzenlosen unendlichen Sein, diesem Bewusstsein, in dieser Macht und Schönheit. Die Geschichte jedes Blattes, jeder Blüte, jedes Wesens, jeglichen Schöpfungskreislaufs ist in ihm enthalten, und doch ist nichts in ihm. Es ist allreines Feuer, goldenes Licht, grenzenloses, unbegrenztes, allwunderbares Sein auf zahllosen Ebenen.

Wie uns die mystische Erfahrung lehrt, ist das Königreich in unserem Inneren tatsächlich und in Wahrheit der Ursprung aller sichtbaren Bereiche. Es gibt Wunder in uns, die sich nicht beschreiben lassen. Es sind ungewöhnliche Kräfte in uns, die zahllos und unendlich sind. Das Göttliche in uns ist allvollkommen und überall, ist zeitlos, raumlos und schliesst darum alle Universen in sich ein, ist Schlüsselträger von Zeit und Raum, von Ursache und Wirkung.

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Fähigkeiten im Menschen

Wenn der Mensch sein Bewusstsein völlig nach aussen kehrt, verliert er sich in die Begrenzungen des Verstandes und der Sinne und wird von den äusseren Erfahrungen in Beschlag genommen. Er ist dann in diesem Zustand tatsächlich funktionell von der inneren Realität losgelöst und von Gott abgeschnitten. Dieser Zustand kann als Sündhaftigkeit oder Unvollkommenheit oder auch als Unwissenheit bezeichnet werden. Die ganze menschliche Situation ist damit behaftet. Das ist der Grund für die Probleme und Rätsel des täglichen Lebens. Die Befreiung von den Begrenztheiten der menschlichen Lage besteht darin, unsere Schritte zum eigentlichen Wesen zurückzulenken, in Gott zu leben, Ihn zu erkennen und zu berühren, noch während wir auf dieser Welt und in unserer körperlichen Form leben.

Die Fähigkeiten, dem Eingefangensein in menschliche Begrenzungen und Schwächen zu entrinnen, sind im Menschen vorhanden. Da das Geschöpf - der Mensch - in sich selbst den Schöpfer - Gott - verbirgt, sind die Möglichkeiten des Schöpfers zugleich auch die Möglichkeiten des Menschen. Die Fähigkeit, körperliche Begrenzungen zu überschreiten, die Fähigkeit, Zeit und Raum zu durchstossen, die Fähigkeit, Abstand zu gewinnen vom menschlichen Geist und Gemüt und deren Funktionen, die Fähigkeit, über allem Zeitlichen und seinen Ereignissen zu stehen, ist dem Menschen angeboren. Die Vernunft ist nicht die höchste Fähigkeit, die dem Menschen verliehen ist. Es gibt noch weitere Fähigkeiten des Bewusstseins in unserem Inneren, die zur Wirksamkeit gelangen, wenn die Vernunftkraft diszipliniert, geläutert und von ihren Mängeln und Begrenzungen befreit ist.

Die Fähigkeit, Dinge zu erkennen, indem man selbst zum innersten Wesen des betreffenden Dinges wird, eine direkte, unmittelbare intuitive Erkenntnis aller Dinge, ist eine natürliche Kraft des göttlichen Bewusstseins in uns. Diese gelangt zur Wirksamkeit, wenn das Herz des Menschen rein und der Mensch unter der Disziplin der Liebe, der Hingabe an höhere Werte und Ideale durch Umwandlung seiner niedrigen Natur geläutert ist. Die höheren Bewusstseinsfähigkeiten erwachen dann ohne unser Zutun von selbst. Diese Möglichkeiten des Menschen, über sich selbst hinauszuwachsen, für die höheren Realitäten und Wahrheiten empfänglich und aufnahmefähig zu werden, gelangen zur Wirksamkeit, wenn der Mensch höhere Stufen innerer Entfaltung erklimmt. Dies erfordert allerdings vielseitige Disziplinierung.
In den Anfangsstadien ist es wesentlich, den menschlichen Geist beständig mit Wahrheiten und erlebten Wirklichkeiten, wie sie von den Grössten dieser Welt auf Grund von Erfahrungen ihres Herzens vermittelt werden, zu nähren, um die Sicht des Menschen auf Höheres auszurichten und tiefere Einsicht in die Kräfte und Strebungen des menschlichen Lebens zu gewinnen. Damit wir die vorbereitenden Stufen zur Vollkommenheit finden und beschreiten mögen, ist die Freude am Schönen, die Bewunderung alles Edlen, die Bereitschaft, alle Formen von Wissen in sich aufzunehmen, die Aufgeschlossenheit gegenüber der Wahrheit sowie der Wunsch, im täglichen Leben Frieden, Harmonie, Schönheit zu pflegen und Licht in uns aufzunehmen von nicht geringer Bedeutung. Die allmähliche Entwicklung der Kräfte unseres Herzens, der Willenskraft, der Kräfte von Geist und Seele ist wichtig. Die Möglichkeiten des höchsten göttlichen Bewusstseins können in unserem Leben nicht offenbar werden, so lange wir uns nicht auf diese Art und Weise vorbereiten. Die Entwicklung der Kräfte der Liebe, des Willens und des inneren Bewusstseins ist wesentlich, um den Grund nicht nur für die Manifestation, sondern auch für das bewusste Wirken des göttlichen Bewusstseins in uns vorzubereiten.

Die materielle Welt, wie auch die Welt der Gedanken, die Welt des inneren Bewusstseins sind voller Beweiskraft für die Gegenwart und das Dasein Gottes. Er mag für äussere Augen nicht zu sehen sein, doch ist Er den geistigen Fähigkeiten in uns sichtbar. Ein Glaube wohnt in uns, der Seine Gegenwart erspürt, und eine Intuition, die wirksam werden und uns direktes Gotterleben vermitteln kann. Ein Verstehen ist in uns, das selbst das Wesen der Gottheit zu erfassen fähig ist. Eine Vernunft ist in uns, die uns Gegenwart und Dasein Gottes als eine Notwendigkeit erschliesst. Ebenso ist unser Streben nach Schönheit, Vollkommenheit und Güte ein Beweis für die Gegenwart Gottes.

Jede Ordnung der Wirklichkeit erfordert jeweils die richtigen Instrumente zu ihrer Entdeckung und Erfahrung. Die Beschreibung der Wunderwelt von Universen jenseits unseres Weltsystems wäre unmöglich, wenn es nicht Observatorien mit starken Teleskopen gäbe. So brauchen wir auch zur Erfahrung Gottes besondere Fähigkeiten, gewissermassen Spezialinstrumente der Gotterfahrung. Eines dieser Instrumente ist die alles umfassende, weite und intensive Liebe. Wachsender Glaube und Vertrauen ist ein weiteres Mittel zur Erkenntnis Gottes. Sobald unser inneres Bewusstsein diszipliniert ist, treten einige der höheren Fähigkeiten zur unmittelbaren Gotterfahrung in Wirksamkeit.

Lasse Gott zur grössten Wirklichkeit deines Lebens werden, wirklicher als die Materie deiner Erfahrungswelt. Was ist wirklicher - die Augen oder das Sehvermögen? Die Fähigkeit zur Sichtwahrnehmung bleibt bestehen, auch wenn die Augen geschlossen sind. Das Sehvermögen ist eine allgemeine Fähigkeit. Es gibt Billionen Augen, doch es gibt nur das eine Sehvermögen, und dieses ist ein einziges, ohne Rücksicht auf die Besonderheiten der Menschen, die sehen können. Die Fähigkeit zu sehen ist eine und dieselbe in allen. Und diese Fähigkeit ist göttlichen Ursprungs. Sie ist nicht gut und nicht schlecht. Was du siehst, kann gut oder schlecht sein, doch ist die Fähigkeit des Sehens an sich weder gut noch schlecht. Es ist die eine universale zeitlose Gotteskraft. Du bist gut, wenn du Gutes siehst; du bist schlecht, wenn du Schlechtes siehst; die Fähigkeit aber zu sehen, ist weder gut noch schlecht, sondern einfach eine Eigenschaft der Seele, eine Funktion des Seelenhaften. Die Seele ist der Tempel Gottes, die Wohnstätte des Göttlichen. Versuche also über die Eigenschaften Gottes nachzudenken und lasse diese in dich hinein, dass sie deine Gefühle erwecken, deine Gedanken anregen, dein Herz wachrufen.

Wenn unser inneres Bewusstsein diszipliniert und in eine höhere Zustandsform erhoben ist, wenn einige der höheren Kräfte unseres inneren Bewusstseins wirksam werden, gewinnen wir direkte Erfahrung vom Göttlichen. Gott ist ein Bewusstseinszustand, den wir hier und jetzt erfahren können. Er ist die einzige Wirklichkeit überhaupt, eine Wirklichkeit voll Allmacht, unbegrenzt in seinem Wesen und Wissen. Sie erweist sich unserer Erfahrung und Verwirklichung zugänglich, und wir sind durch strukturelle Beziehungen mit Gott verbunden, wie die Wellen mit dem Meer, denn das innerste Bewusstsein in uns ist in seiner Unendlichkeit Gott selbst. In diesem Atem unseres Atems, in dieser Seele unserer Seele, in diesem unserem eigentlichen Wesen, in unserem wirklichen Selbst, in unserem göttlichen "Ich bin" wohnt das Göttliche. In diesem geistigen Selbst in uns haben wir unser eigentliches Leben; von Ihm werden wir erhalten. Seine Gegenwart ermöglicht das Denken. All unsere objektiven und subjektiven Erfahrungen beruhen auf der Gegenwart dieses Bewusstseins. Sie haben ihre Grundlage in diesem Göttlichen. Wenn wir in der Güte wachsen, wenn die Liebe zur Wahrheit stark genug in uns geworden und unser ganzes Wesen geläutert ist, d.h. wenn die Kräfte des Unterbewusstseins der Umwandlung unterworfen werden, wenn all die kleinen Taten der Güte, der Barmherzigkeit und Liebe in uns aufblühen und die Kräfte der inneren Seele sich entfalten, wenn die Dunkelheit in unserem Inneren sich langsam durch Gebet und Meditation aufgelöst hat und die materiebedingten Grenzen von Körper und Denken durch eine Anzahl geistiger Disziplinen überwunden sind, dann naht die Stunde der Erfahrung des Göttlichen in unserem Inneren. Wenn wir dann aufrichtig und ernst nach der göttlichen Vollkommenheit, dem göttlichen Licht in uns streben, werden sich aus dem Inneren heraus weitere Methoden erschliessen, um diese unendliche göttliche Vollkommenheit zu erlangen. Die Kräfte der Gottheit, die mit unseren Bemühungen zusammenwirken und unsere Evolution vorantreiben, führen zur Entfaltung des göttlichen Bewusstseins in uns.

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