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Inhaltsverzeichnis

Einleitung von Jürg Wunderli

1. Kapitel
Gott als Licht und Liebe in uns


2. Kapitel
Übungen Zur geistigen Entwicklung

3. Kapitel
Gottverwirklichung im täglichen Leben

4. Kapitel
Die Kunst als ein Weg zur Gotterfahrung

5. Kapitel
Die Wunder der Liebe

6. Kapitel
Das Leben und seine grossartige Erfüllung

7. Kapitel
Psychologie, Gedankenkultur und göttliche Vollkommenheit

8. Kapitel
Die Bedeutung und der Wert des Gebetes

9. Kapitel
Vernunft, Intuition und Offenbarung

10. Kapitel
Die Grundlagen des praktischen Christentums - I

11. Kapitel
Die Grundlagen des praktischen Christentums - II

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Einleitung

Im Frühling 1966 ist ein erster Band von Swami Omkarananda, "Ein Licht in unserer Zeit" -Gespräche und Reden, erschienen. Seither hat dieses Buch drei Auflagen erlebt, und Tausende von Menschen haben dadurch die ausserordentlich grosse geistige Kraft Swami Omkaranandas kennengelernt.

Swami Omkarananda leitet in Winterthur das von ihm gegründete Divine Light Zentrum, eine gemeinnützige, von allem Sektiererischen freie Organisation für den kulturellen, ethischen und geistigen Fortschritt der Menschheit. Wer mit ihm oder dem Divine Light Zentrum in Berührung kommt, erkennt bald, dass hier mit unvorstellbarer Konzentration auf das eine Ziel hin gearbeitet wird: Die Erfahrung und die Verwirklichung Gottes.

"Gott ist mein Leben, ohne Ihn bin ich nichts. Sein Bewusstsein ist mein Licht. Seine allerhaltende und allschöpferische Schönheit ist meine Freude. Das Gebet ist mein Atem, und die Meditation ist das Brot meines Lebens"1). So lautet das Bekenntnis Swami Omkaranandas.

Gottesdienst ist für ihn Dienst an der Menschheit. Er stellt sich Tag und Nacht im Divine Light Zentrum allen Menschen zur Verfügung, die seinen Rat suchen. Er hält Vorträge, leitet Meditationsgruppen und gibt in der eigenen Druckerei Monat für Monat zahlreiche Broschüren und kleinere Schriften heraus. In diesem Dienst verströmt er sich vollständig; denn "keine Kerze scheint für sich selber. Sie erhellt den Raum, damit andere ihr Licht benützen, mit deren Hilfe sie lesen, arbeiten und wachsen können. Die Kerze ist nicht weniger schön, weil andere davon Gebrauch machen. Sie ist nicht weniger strahlend, weil die Guten und die Bösen sie besitzen und sich daran erfreuen. Um zu leben und zu wirken ist sie von niemandem abhängig. Sie verbrennt sich selber. Ich wurde als Kerze geboren und werde eine Kerze bleiben" 2).

Swami Omkarananda ist ein Mystiker, ein "Gottesmann", wie ihn ein katholischer Theologieprofessor einmal nannte. Er betrachtet die ganze Menschheit als seine Familie. Es fällt ihm schwer, wie er selbst sagt, zwischen Heiligen und Sündern einen Unterschied zu machen.

Für ihn gibt es nur liebenswerte Kinder Gottes auf Erden, einige etwas näher, andere ein bisschen weiter von Gottes alläuternden und kräfteverströmenden Gegenwart entfernt.

Welches sind denn diese Erfahrungen, von denen Swami Omkarananda immer wieder spricht? Ich glaube, es ist notwendig, zuerst etwas vom Wesen der Mystik zu sprechen, um einen ersten Einblick in die Erfahrungen Omkaranandas zu erhalten.

Die griechischen Wörter (myein=blinzeln, schauen; mystikos =geheimnisvoll), von welchen der Ausdruck "Mystik" hergeleitet wird, führten zwar immer wieder zu falschen Interpretationen, etwa der Art, dass es sich um ein unklares, "blinzelndes" Spekulieren im luftleeren Raum handelt, welches an den empirischen Realitäten vorbeigeht. Dabei ist die Mystik schlicht und einfach das unmittelbare Erleben des "ganz anderen", die Erfahrung einer unmittelbaren Beziehung zum Göttlichen, das Schauen Gottes von Angesicht zu Angesicht.

Gewiss ist die Mystik ursprünglich von den geheimen Mysterien ausgegangen, wobei auserwählte Eingeweihte durch uralte Sakramente die Vereinigung mit dem Göttlichen erlangten. Gerade auch in der Zeit, da Christus lebte, gab es im hellenistischen Raume eine grosse Anzahl solcher Kulte, etwa die Mysterien in Eleusis oder der Mithraskult in Persien. Was Wunder, dass die Mystik immer wieder mit Geheimlehren und ekstatischen Erlebnissen zusammengebracht wird, in den letzten Jahrzehnten leider zunehmend auch mit parapsychologischen Erscheinungen wie Hellsehen und Telepathie. All dies gehört nicht oder jedenfalls nicht wesentlich zur Mystik.

Die Mystik entspringt der tiefen Sehnsucht der Seele nach Nahe-sein, nach Gemeinsamkeit, ja nach Vereinigung mit ihrem Ursprung, dem göttlichen Vater. Es ist die Ursehnsucht, alles zu erfassen was mehr ist als wir sind, eine Sehnsucht die ständig nach dem sich selber Übersteigen ruft.

Jesus Christus zeigt uns in ganz ausserordentlicher Weise dieses unmittelbare Erleben Gottes, und zwar in den schlichtesten Dingen und Vorgängen. Er hört die Stimme des Vaters in allem, was lebt; sein Bewusstsein ist erfüllt von einer Gottgegenwart, die alles durchdringt, die grenzenlos und ohne Anfang und Ende ist. Dieses einfache, von allen mystizistischen Geheimlehren freie, und eben in dieser Einfachheit mächtige unmittelbare Gotterleben, dieses Daheimsein dort, wo der ewige Vater wohnt, die Erfahrung Gottes als des ganz Nahen, der uns "entgegenstürmt" (Jer.31,20), ist der Wesenskern und die eigentliche Substanz der echten Mystik.

Die Erfahrungen, die Swami Omkarananda uns mitteilt, sind in ihrem Kern keineswegs verschieden von den universalen mystischen Grunderfahrungen. Auch er betrachtet die Loslösung, die Abstreifung der irdischen Umhüllungen, die intensive Liebe und vollkommene Hingabe an Gott als Grundbedingungen für die Evolution des menschlichen Bewusstseins in Richtung der Gotterfahrung im täglichen Leben.

Immer wieder verweist uns Omkarananda an die Bibel, an Christus, an Maria, an die christlichen Heiligen. Als Beispiel erwähne ich seine im Sonderdruck erschienene, wundervolle Bergpredigtauslegung, seine Monatsschrift "Die Weisheit der Bibel im täglichen Leben" und sehr viele Stellen in diesem Buche. Die spezifisch-konfessionellen Besonderheiten sind für ihn nie von zentraler Bedeutung, weil er die Unmittelbarkeit der Gottbegegnung auf eine unfassbar intensive Weise erfährt und darum im Reiche der Inspirationen lebt und nicht in der Welt der vernunftsmässigen Überlegungen und der dogmatischen Begrenzungen. Hier hat man wirklich den Eindruck, dass Gott zu uns durch einen besonders begnadeten Menschen spricht. Dabei ist ihm die Vorstellung, ein Führer zu sein, ganz fremd, weil er sich als "willigen Diener der Menschen" erkennt, welche nach Frieden, Kraft und Freude streben und ein heisses Verlangen nach dem allsegnenden Gott in sich tragen.

Nur am Rande will ich beifügen, dass nichts verkehrter wäre, als solches Schöpfen aus dem universalen, göttlichen Bewusstsein, welches jenseits aller menschlicher Begrenzungen ist, mit Synkretismus zu verwechseln.

Unter letzterem verstehen wir die Verschmelzung von Gedanken verschiedener Herkunft zu einem Ganzen, ohne dass eine wirkliche innere Einheit entstünde. Das Resultat des Synkretismus ist die Schein- Einheit voller Widersprüche; Swami Omkarananda lebt und lehrt jedoch die transzendentale und inspirative Einheit auf der Grundlage einer vollständigen Evolution des menschlichen Bewusstseins.

Swami Omkarananda gibt uns eine grosse Vielfalt von Methoden, die den so verschiedenen Typen geistigen Wesens angepasst sind und den verschiedenen Bedürfnissen und Voraussetzungen entsprechen, beispielsweise das unaufhörliche Gebet im Herzen, die Vergöttlichung der täglichen Arbeit durch selbstloses Dienen, die Meditation, die Sublimation des sinnlich-animalischen Wesens, die Entfaltung einer universalen Liebe zu allem Lebendigen usw.

Das Eindrücklichste aber, welches jede Begegnung mit Swami Omkarananda, zu einem unvergesslichen Erlebnis werden lässt, ist seine ganz unerhörte Radikalität der Theozentrizität. Hier steht wirklich Gott im Zentrum, im Mittelpunkt. Wie in einem allesverzehrenden Feuer ist jedes weltliche Denken und Handeln, alles Ichbezogene aus seinem Wesen verbannt. Swami Omkarananda denkt nur an Gott, sieht nur Gott, lebt nur für Gott, und dies in einer Intensität, welche für uns gewöhnlich Sterbliche manchmal fast erschreckend wirken kann.

Dieser geniale Mystiker ist als das zu betrachten was er ist: eine einzige lodernde Flamme für Gott und der lebendige Ausdruck des tiefsten mystischen Gotterlebens.

Dr. Jürg Wunderli

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1. Kapitel
Gott als Licht und Liebe in uns

Die Bibel und das Reich Gottes in uns

Frage: "Sagt das die Bibel so? Steht das, was Sie sagen, in der Bibel?"

Antwort: Ob es die Bibel sagt oder nicht, es ist Gott der es so sagt, und da die biblischen Offenbarungen von Gott ausgehen, sagt es auch die Bibel. Nachdem Gott mein Herz durch Seine überreiche Gnade gereinigt hatte, ist Er es, der jederzeit durch mein ganzes Wesen spricht. Niemals würde ich zu einem andern - als zu mir selbst - darüber sprechen, hätte nicht das Licht Gottes Umstände geschaffen, die mich mit zwingender Notwendigkeit dazu drängen, der ganzen Welt all das zu erklären, was ich in mir höre; all das, was ich mit grösserer Unmittelbarkeit, Deutlichkeit und in grösserer Wirklichkeit sehen und erkennen kann, als dies den Menschen in der Sinnenwelt möglich ist. Es gibt Tausende, die durch das, was ihnen verkündet wird, neues Licht, neue Freude, neuen Frieden, neue Kraft und neue Wege des Lebens und der intuitiven Erkenntnis finden.

In der äusseren Welt haben wir eine Sache zu beurteilen nach der spontanen Zustimmung, die das Herz der ganzen Menschheit ihr entgegenbringt, sowie nach den herrlichen Erfolgen, die daraus erwachsen. Grosse Persönlichkeiten mögen versucht sein, mit den Gedanken und Gefühlen der Menschheit zu spielen, aber niemand kann die tieferen Instinkte und untrüglichen Wahrnehmungen in der Seele des einfachen Menschen täuschen. Lasst uns jedoch feststellen, ob alles, was ich sage, in der Bibel zu finden ist.

"... da bildete Gott, der Herr, den Menschen aus Erde vom Ackerboden und hauchte ihm Lebensodem in die Nase; so ward der Mensch ein lebendes Wesen." - 1. Moses 2,7. Der sterbliche Teil des Menschen ist nur eine äussere Gegebenheit, die nicht zum unsterblichen Wesen gehört und mit ihm identifiziert werden kann. Dieser "Lebensodem" ist nicht ein sterbliches, vergängliches, biologisches, sondern ein unsterblich Leben; was Gott - der Unsterbliche - als Odem aushauchte, kann - in sich - nicht sterblich sein. Da Gott ewig und unendlich ist, hat Er auch in unser inneres Leben die Ewigkeit und die Unendlichkeit gelegt. Wir finden in der Weisheit Salomos folgende Worte: "Denn Gott hat den Menschen zur Unvergänglichkeit geschaffen und ihn zum Abbild seines eigensten Wesens gemacht."

Gott strömte in den Menschen Ewigkeit und unzerstörbare Essenz aus Seinem zeitlosen Sein. "Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen nach unserem Bilde , uns ähnlich, die sollen herrschen über die Erde." - Moses 1,26. Gott hat den Menschen nach Seinen Eigenschaften und Merkmalen geschaffen; Sein eigenes Bewusstsein bildet die innere Substanz des Menschen, deshalb können ihm diese Vorzüge zur Herrschaft über die Erde verhelfen. Wir beherrschen die Erde, d. h. Materie, Leben, Gemüt und Natur, Zeit, Raum und Lebensumstände nur, wenn wir das Ebenbild, nach dem Gott unser Wesen formte, mehr und mehr enthüllen. Um das wahre Königreich des Lebens, um Liebe und Vollkommenheit zu erlangen, müssen wir das Licht, das Wesen und das Bewusstsein, das Gott in den Tempel unseres inneren Seins gelegt hat, stärker zur Offenbarung bringen.

Durch die Ewigkeit überwinden wir, was sterblich und zeitbedingt ist. Wir triumphieren durch die Wahrheit, regieren durch die Liebe, leben durch die Gnade und siegen durch das Licht. Durch die göttliche Natur meistern wir alle physischen, materiellen, mentalen und psychischen Bereiche und Ebenen.

Nach welchem Bild, aus welcher Substanz und worin hat Gott den Menschen geschaffen? Er schuf uns nach dem Bild Seiner eigenen Ewigkeit, aus der Substanz Seines eigenen zeitlosen Seins und innerhalb Seiner selbst. Wir sind in Ihm, aus Ihm und können nicht von Ihm getrennt werden. "Denn in Ihm leben und weben und sind wir." - Aposteigeschichte 17,28."... in Ihm ist alles geschaffen im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare." - 1. Kolosser 16. "Wir sind also Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld, Gottes Gebäude." - 1. Korinther 3,9. "Alle Dinge sind durch dasselbe geworden, und ohne das Wort ist auch nicht eines geworden, das geworden ist." - Johannes 1,3.

Was bedeuten in diesem Zusammenhang unsere menschlichen Unvollkommenheiten? Sie werden durch unsere psychologischen Schwächen, mentalen Irrtümer und emotionellen Verstrickungen aufrecht erhalten; wenn wir über sie hinauswachsen, überwinden wir damit die menschlichen Unvollkommenheiten und bringen als bewusste Erfahrung das Bildnis Gottes zum Ausdruck, das Licht, die Liebe, den Frieden, die Schönheit, die unser unendliches und ewiges Wesen sind. Auf dieser Stufe bestätigt etwas tief in unserem Herzen die Weisheit des Apostels Paulus: "Der Geist selbst bezeugt es unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind." - Römer 8,16. "Ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen." - Epheser 4,6. Gott der in uns ist, ist zugleich transzendent. Er steht über allem und ist dennoch dasselbe Sein in Billionen Lebensformen.

"Jedem einzelnen unter uns aber ist die Gnade nach dem Mass der Gabe Christi verliehen worden." - Epheser 4,7. Was ist das Geschenk von Christus anderes als die göttliche Liebe, als Glaube, Güte und der Geist des Dienens und Opferns? Wir müssen zu Liebe und Licht werden. Das ist gemeint mit: "Wir sollen in allem zu Ihm hin wachsen, der das Haupt Christus ist."

Wenn wir diesen Punkt innerer Entwicklung und Vollendung erreichen, sagt Gott in jedem von uns: "Wer überwindet, wird dies ererben, ich will sein Gott sein, und er soll Mein Sohn sein." - Offenbarung 21,7. Und die Seligpreisungen sagten von ihnen: " ... Ihrer ist das Reich der Himmel." "... sie werden das Land besitzen." "... sie werden Gott schauen." "... sie werden Kinder Gottes heissen." Der Apostel Paulus erklärt-. "Wir sind Gottes Kinder. Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, Erben Gottes und Mitarbeiter Christi." - Römer 8,14,17.

Die Bibel ist ein Buch geistiger Wahrheiten, die nur im Lichte höherer Erfahrung zu verstehen sind. Es ist tiefes Nachdenken erforderlich, um die grossen geistigen Zusammenhänge von Stellen, wie die folgenden zu erfassen: "Wisset ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid, und dass der Geist Gottes in euch wohnet? - 1. Korinther 3,16. Der Geist Gottes ist Gott, und Gott wohnt in uns. Diese Tatsache macht unser Wesen zu einem Tempel für Ihn. Wir verehren Ihn am besten, wenn wir Seinem Licht erlauben, sich durch uns zum Ausdruck zu bringen. Im Galaterbrief 5,25, lesen wir: "Wenn wir den Geist Gottes wirklich empfangen haben, so lasst uns auch in diesem Geiste wandeln." Im Geist zu wandeln heisst, das äussere Leben unseres Denkens, Fühlens und Handelns und unsere Erfolge mit dem Licht des Geistes zu durchdringen.

" Der Herr aber ist der Geist, wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit." - 2. Korinther 3,17. Nur in Gott ist Freiheit. Er ist unendliche Freiheit, und durch die Tatsache, dass Er im Menschen wohnt, besitzt auch dieser unendliche Freiheit. Dieser innere Geist im Menschen ist grösser als alles, was ausserhalb von ihm ist. Johannes sagt: "... denn der in euch ist, ist grösser als der in der Welt." - 1. Joh. 4,4, Dieser Grössere, dieser Geist in uns, ist das Licht Gottes, die Geistseele Christi; Er ist Freiheit, Schönheit, Friede und Freude.

Alles, was in unserem äusseren Leben besonders wertvoll, edel, gross, göttlich, schön und zeitüberdauernd ist, kommt aus dem Geist - aus Gott in uns. Er ist es, der uns stark macht, der uns inspiriert und erleuchtet und uns mit unbegrenzter Freude und jenem Frieden beschenkt, der alles Verstehen übersteigt. Wir sind nicht die Urheber von irgend etwas Grossem, das wir entweder durch Vernunft, innere Wahrnehmung, Wissen oder durch Liebe und Glauben erschaffen. Alles kommt von Ihm, von Gott in uns. Nur das Gottgleiche kann Gottgleiches hervorbringen, denn: "... ihr seid es nicht, die reden, sondern eures Vaters Geist ist es, der in euch redet." - Matt. 10,20. Im Brief an die Philipper 2,13 heisst es: " Denn Gott ist es, der in euch sowohl das Wollen, als das Vollbringen wirkt, um Seines Wohlgefallens willen." "Der Geist erleuchtet die Menschen, und der Hauch des Allmächtigen macht sie verständig." - Hiob 32,8.

Die intuitive Erfahrung, die offenbarenden Zustände des inneren Bewusstseins und die höchsten mystischen Wahrnehmungen enthüllen uns die einzige Wirklichkeit der unendlichen göttlichen Existenz, welche die Unendlichkeit des Bewusstseins und der Seligkeit ist. Durch unsere innere Einheit mit dieser höchsten Realität, die überall gegenwärtig und sich der Unendlichkeit ihres Friedens, ihrer Schönheit und Vollkommenheit absolut bewusst ist, überschreiten wir vollständig die Erfahrung der ZeitRaum-Welt und sind gänzlich befreit von allen Einschränkungen der Endlichkeit und Individualität. Diese Einheit mit dem höchsten Urgrund allen Seins - mit der Gottheit - erreichen die Mystiker und leben schon im Königreich der Unsterblichkeit und Freude, während sie noch auf Erden verkörpert sind.

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Die Heiligen als Träger des Lichtes und der Liebe

Frage: Was ist ein Heiliger?

Antwort: Dienst im besten, Opfer im höchsten und Selbstlosigkeit im vollsten Sinne zeichnen ihr Leben aus. Gott findet stille Freude an ihnen, während die Natur in ihrer Gegenwart friedlich und gesegnet bleibt. Sie sind von Leidenschaft und Ehrgeiz frei und doch die wunderbarsten Dynamos seltenster Kraft, die unermüdlich für das Wohlergehen, das Glück, den Frieden, die Erleuchtung und die geistige Evolution der Menschheit wirken.

Ihre ärmliche Erscheinung verbirgt göttliche Macht und Licht. Ihre Weisheit beeindruckt uns. Ihre Liebe zieht uns an. Ihre Worte wirken verwandelnd. Sie befreien uns von uralten Bürden und erfüllen uns mit der Leichtigkeit des Geistes und der Tiefe der Freude, die nicht von dieser Welt sind. Sie besitzen Schätze, die unvergänglich sind, deshalb brauchen sie nichts von dieser Welt, während das, was die Welt von ihnen empfängt, unermesslich ist.

Was sie an Liebe und Dankbarkeit von uns erhalten, geben sie hundertfach an die Welt zurück. Ihr Hauptanliegen ist unser Glück und Wohlergehen. Für das Wohl der ganzen Menschheit legen sie ihr Leben hin im Namen Gottes, der sie beseelt, ihr ganzes Wesen ausfüllt und durch sie Seine Werke ausführt.

Ihre Reinheit blendet, ihre Unschuld entwaffnet. In ihrer Gegenwart verschwinden alle Zweifel, unsere Fragen beantworten sich von selbst, unsere Unvollkommenheiten verlieren ihre Bedeutung und werden kraftlos, unser Herz findet Stärkung und von Angesicht zu Angesicht stehen wir einer neuen Welt gegenüber, die uns davon überzeugt, dass die Gotterfahrung leicht ist und aus dem täglichen Leben einen wirklichen Himmel machen wird.

Sie schätzen und ehren jeden Menschen, ohne für sich selber Ehre zu suchen, doch werden sie von Gott geehrt und ihre Namen leben während Jahrhunderten in der Welt fort, um die Menschheit zu besänftigen, zu trösten, zu stärken, zu inspirieren und zu erleuchten. Alles, was wirklich edel, gut und göttlich im Menschenleben ist, findet sich in Vollkommenheit in ihrem inneren Bewusstsein. Wir verstehen sie nicht ganz und viele missverstehen sie; sie jedoch sind voller Verständnis für jeden Menschen.

Ihre Gebete bringen uns eine solche Erleichterung, während die Welt nichts Entsprechendes zu bieten vermag. Sie sprechen nicht mit beredten Worten, doch mit Zärtlichkeit, Hingabe und besänftigender und persönlicher Kraft. Sie nehmen das Kreuz der Leiden auf sich, um uns von unseren Leiden zu befreien. Sie gestalten ihr Leben, auf dass wir bewusst das reiche und ewige Leben ererben.

Den Heiligen charakterisieren die christusähnliche Liebe, Sein Verhalten, Sein Leben und Sein Wirken. Sein Gottbewusstsein erfüllt ihn mit universaler Liebe. Er ist eine lebendige Demonstration der zeitlosen Wahrheiten, wie sie Jesus Christus der Menschheit verkündigt hat. Er ist der unsterblichen Realität in den vergänglichen Dingen zugewandt, den Dingen, an die sich die Menschen in ihrer Unwissenheit wie an etwas richtig Wertvolles klammern. Er besitzt unbesiegbaren Willen, die Güte, in welcher Gott wohnt, die Liebe, die ihn dem Herzen der ganzen Schöpfung teuer macht; ihm gehört das Königreich wirklichen Friedens, das Reich der Freude, der Kraft, der Gnade und der Vollkommenheit.

Der Heilige empfindet Gott überall und erfährt Ihn in allen Wesen. Unterschiede, welche die Menschen trennen, Barrieren, die eine Religion von der anderen abgrenzen, Kämpfe und Gegensätze aller

Art werden in seiner Gegenwart wirkungslos. Er ist ein Mensch, der durch Gott erleuchtet, der durch eigene, geistige Selbstbeherrschungsübungen gereinigt auf dem Pfad der inneren Entwicklung vorwärts geführt worden ist durch die Kraft wirksamer Gebete, glühender Sehnsucht und durch unerschrockene Bestrebungen. Für ihn ist die ganze Menschheit eine einzige Familie. Er ist der lebendige Beweis von Gottes Barmherzigkeit für die Menschheit: ein Botschafter Gottes.

Der Einblick in sein Wesen gewährt uns bessere Vorstellungen von Gottes Wesen. Die Wirklichkeit seines Lebens ist für uns - in beredter Weise - die Wirklichkeit Gottes. Ihn verstehen, heisst: etwas von Gott verstehen. Wenn wir in seiner Gegenwart sind, umfängt uns eine Welt, die nicht die unsere ist, und wir erleben eine seltsame Freude, die nicht durch die Sinne bewirkt wird, einen völlig göttlichen Frieden und eine Kraft, die uns keine Macht der Erde gewähren kann. Mit ihm zusammen zu sein, bedeutet, in sein eigenes Wesen hineinzuwachsen, und uns so mit allem auszurüsten, was notwendig ist, um bewusst in Gott zu leben, zu weben und zu wirken. - Dies ist wahres Leben, volles Leben, das von Gott gebaute, aus dem Innern gewachsene und deshalb unvergängliche, ewige Leben.

Die Heiligen sind die wirklichen Kinder Gottes. Sie schaffen Frieden im wahrsten Sinne des Wortes, den bleibenden Frieden, der das Verstehen übersteigt, und deshalb den Rätseln des lntellektes und des Lebens sofortige Lösungen bringt. Sie allein, die in Jesus, dem Christus, leben, sind die wahren jünger der Weisheit, der Macht und der Autorität Gottes. Von keinem der christlichen Heiligen der vergangenen Jahrhunderte kann gesagt werden, dass er gestorben ist. Alle sind sie unsterblich. Durch ihre gesegnete Vermittlung überträgt Gott der Welt weiterhin Botschaften, Licht, Friede, Kraft und Freude.

Wenn die Wechselfälle des Lebens und die Schwankungen des Schicksals unsere forschende und fragende Intelligenz vor die tiefsten Sachverhalte stellt, bringt uns kein Hilfsmittel aus dem Bereich des modernen menschlichen Wissens, des Lebens oder der Erfahrung die ersehnte Rettung. Wir bleiben ohne Hoffnung; Zweifel mehren sich, unsere Fragen bleiben unbeantwortet und führen zu noch schwierigeren Fragen; Niedergeschlagenheit, Verzweiflung und gefährliche Ansichten machen uns zu ihren willenlosen Opfern, bis uns das erlösende Licht der allerleuchtenden Lehren der grossen Heiligen zuströmt, die von Barmherzigkeit und dem dynamischen Gottbewusstsein erfüllt sind. Das von ihnen dargebotene Licht löst die Probleme, die unseren Intellekt verwirren. Das Leben, das sie führen, gibt der eigenen - augenscheinlich sinn- und bedeutungslosen Existenz - einen neuen Sinn, einen neuen Zweck, ein neues Ziel.

Die Heiligen umkleiden unser Leben mit transzendentaler Würde und weisen ihm Aufgaben zu, die uns im Frieden, in der Kraft, in der Freude, der Liebe, der Gnade und der Güte übermenschlich machen. Das in ihren gesegneten Leben verkörperte Licht und die Liebe Gottes inspirieren, erheben und befreien uns. Durch das läuternde Feuer ihrer Weisheit wirken die Heiligen verwandelnd auf uns, sie lassen uns auferstehen in den Wassern ihrer göttlichen Liebe, und sie erschaffen uns von neuem nach dem Bilde Gottes, nach welchem Gott uns erschaffen hat.

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Ihr seid die Heiligen der Zukunft

Diejenigen sind Heilige, welche viele Gotterfahrungen gemacht haben. Ihr Leben ist rein, makellos und gekennzeichnet durch grosse Dienste, grosse Opfer, grosses Erbarmen und ununterbrochenes Gottbewusstsein. Ihre Herzen zerfliessen in der Liebe zu Gott. In ihrem Leben spielen Frömmigkeit, Gebet und Meditation eine vorherrschende Rolle. Die Heiligen stehen Hilflosen bei, trösten die Unglücklichen und inspirieren alle guten Werke in der Welt. Ihre Weisheit ist göttlich und löst deshalb alle menschlichen Probleme. Als Segen für sich selbst, sind sie zugleich ein Segen für die ganze Menschheit. Da diese Merkmale auch in euch allen in kleinem Masse vorhanden sind, kann gesagt werden, dass ihr alle auf dem Wege seid, Heilige zu werden.

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2. Kapitel
Übungen zur geistigen geistigen Entwirklung

Eine dynamische Erfahrung des allgegenwärtigen Gottes

Benütze alle Augenblicke, in denen dein Gemüt nicht mit andern Dingen beschäftigt ist, um über den dreifachen Aspekt Gottes nachzudenken: Seine Allgegenwart, Seine Allwissenheit und Seine Allmacht.

Blicke in den Raum. Er ist allgegenwärtig. Selbst der solideste Gegenstand wie eine Stange aus Stahl ist vom Raum durchdrungen. Die Wissenschaft lehrt uns, dass in dem Stahl grosse Zwischenräume von einem Teilchen der Materie zum andern sind. Gerade so ist Gott allgegenwärtig. Der Raum ist Seine in Ihm selber ruhende Manifestation. Ohne Ihn hat der Raum keine Daseinsmöglichkeit. Denke an die Träume, in denen das Gemüt zum Schöpfer der eigenen Zeit und Raum-Ordnung wird; beobachte, wie aus dem winzigen Punkt des Gemütes eine ungeheuer grosse Welt in ein Nichts hineinprojiziert wird. Genau so ist der physisch erfahrbare Raum eine Projektion im Gemüt Gottes. Es gibt für ihn keinen anderen tragenden Grund.

Ist der Raum in Amerika oder auf dem Planeten Mars oder zwischen den Sternen, die Billionen Lichtjahre von uns entfernt sind, anders, als der Raum hier in Europa? Nein. Es ist derselbe Raum. Er ist überall und alles ist in ihm enthalten. Darum weiss er alles, was sich in ihm selber an irgendeinem Punkt vollzieht oder was irgendeinem Menschen oder Ding zustösst, vorausgesetzt, dass er ein Bewusstsein in sich birgt, wie Gott selber ein Bewusstsein hat. Er weiss sofort alles. Jedes Geschehen, das irgendwo in den universalen Systemen, oder in der Welt abläuft oder alles, was einem Menschen oder einem Gegenstand zustösst, erfährt er in gleichzeitiger Unmittelbarkeit. Wenn jemand deinen Kopf berührt und dich zu gleicher Zeit ins Bein sticht, spürst du dann die Berührung oben sofort und den Nadelstich erst später? Nein. Genau so wird alles, was irgendwo im Universum geschieht, in spontaner Gleichzeitigkeit von Gott erfahren.

Es gibt keine Entfernungen im Raum und für den Raum als solchen; die Distanz besteht nur für zwei Gegenstände innerhalb desselben, aber nicht für den Raum selbst. Für Gott gibt es keine Entfernungen, sie existieren nur für den Menschen. Gott ist zu allen Zeiten überall gegenwärtig.

Was verstehen wir unter Allmacht? Sie kann alles Erdenkliche überwinden, ohne es auch nur zu berühren. Schliesse Deine Augen. Projiziere eine unermessliche Welt mit Menschen, die ihre wirtschaftlichen, sozialen und häuslichen, ihre politischen, rassischen und ideologischen Probleme haben. Du findest gute und schlechte Menschen in ihr. Das Böse ist ständig im Wachsen. Es gibt Kriege und viel Zerstörung. Du erblickst eine Welt voller Leiden und unlösbarer Probleme. Die Übel sind nicht zu besiegen. Was geschieht nun, sobald du die Augen öffnest? Nichts von dem allem ist mehr vorhanden. Du hast alles überwunden, ohne es nur anzurühren. Das ist Allmacht.

Jetzt stelle dir einen Traum vor, in dem du dich in einem schrecklichen, furchterregenden Wald befindest. Drüben siehst du eine Gruppe Kannibalen, die ihre menschlichen Opfer in Stücke reissen und sie bei lebendigem Leibe braten. Plötzlich erspähen sie dich und einer von ihnen schleudert dir eine Waffe entgegen, die dich direkt in die Brust trifft. Du blutest sehr und windest dich in Todesqualen. In dem Moment wirst du von deinem Bruder geweckt und die fürchterliche Lage deiner Todespein ist verschwunden. Das ist Allmacht.

Gott ist allmächtig. Er kann in der Kürze eines Augenblickes jede Situation, jede universale Manifestation auflösen. Er vermag alle Bedingungen und Lebensumstände, jede Sache und jeden Gegenstand, jede Kraft oder Wirklichkeit, wie gigantisch, böse oder gut sie auch sein mag, im Nu zunichte machen.

Du hast einen anderen Traum, in dem du einen schrecklichen Krieg siehst. Du findest jedes Dorf und jede Stadt deines Landes zerstört. Viele Nationen werden verwüstet. Der Feind selber hat grosse Verluste erlitten. Überall regiert das Böse. Du erlebst Leiden, Vernichtung und Unheil. Die Tragödie ist so tief und grausam, dass keine Tränen mehr fliessen. Der Feind fährt fort, Nuklearwaffen zu gebrauchen, um die noch verschont gebliebenen Länder zu vernichten. - Da wirst du plötzlich durch einen Telefonanruf geweckt. Der ganze Alpdruck dieser Nacht ist vorüber, ohne dass du ihn auch nur berührtest. Das ist Allmacht. So kann Gott alle Manifestationen, alle Universen oder alles Böse, jede Kraft, wo immer sie sich in der Welt oder im Universum zeigen, in Sekundenschnelle in sich zurückziehen, ohne irgend etwas anzurühren. Er ist allmächtig.

Dieses allgegenwärtige, allmächtige, allwissende Sein ist dein inneres Leben, dein inneres göttliches Bewusstsein, das Reich Gottes inwendig in dir. Gewinne von neuem die bewusste Beziehung zu Ihm zurück und werde im höchsten Sinne erleuchtet, glücklich und voll unerschöpflicher Kraft.

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Die Kunst und Wissenschaft, den unsichtbaren
Gott in allen sichtbaren Formen zu sehen

I.

Ein Psychologe durchdringt und versteht sowohl unsere unausgesprochenen Gedanken und unsichtbaren Motive, wie auch die Absichten und Tätigkeiten des Unterbewusstseins und Unbewussten durch blosse Beobachtung unseres äusseren Verhaltens und unserer Handlungen im täglichen Leben. Während er geduldig zuhört, was wir ihm alles erzählen, erkennt er auch jene Gedanken, die wir nicht aussprechen und geheimhalten wollen oder die wir nicht formulieren können.

In derselben Weise ist es möglich, in die verborgenen Realitäten einzudringen, die allen sichtbaren, hörbaren, und fühlbaren Dingen zugrundeliegen. Die äusseren Erscheinungsformen sind nicht das Ganze; sie verbergen ihre innewohnenden Energien, Kräfte und anderen Faktoren. Diese äusseren Formen lassen sich nur dann richtig erkennen, wenn wir in ihre innere Essenz eintauchen. Die Menschen sprechen nicht über die tiefste Sehnsucht und das zaghafte Herumtasten des inneren göttlichen Lichtes in ihrer Seele. Wir werden aber ihr Grundwesen erkennen, wenn wir lernen, richtig zu verstehen und zu analysieren, was sie an der Oberfläche ihres Lebens sind.

Erschaue das Unsichtbare im Sichtbaren, empfinde das Unberührbare in allem, was du berühren kannst. Die innere Welt in jedem von uns ist die eigentliche und dynamische Welt. In ihr, hinter ihr und über ihr ist der allbewusste Gott. Entdecke Ihn! Erfahre Ihn! Wir erlangen dadurch unbegrenztes Wissen, endlose Freude und Vollkommenheit.

II.

Der Arzt erkennt die unsichtbaren Ursachen einer Krankheit durch das Beobachten der äusseren Symptome. Genau so können wir die allem zugrundeliegende, unsichtbare Ursache - Gott - wahrnehmen, wenn wir die sichtbaren Symptome der Welt, der Natur und des Menschen aufmerksam beobachten. Wo immer wir Symptome der Bewegung in einem Körper erkennen, ist Leben tätig. Wo immer diese Kennzeichen des Lebens auftreten, ist Intelligenz in sich zu beobachten. Wo immer Intelligenz vorhanden ist, können wir in das allgegenwärtige, innere göttliche Bewusstsein eindringen. Wo immer dieses Bewusstsein ist, lässt sich die in ihm verborgene Gottheit wahrnehmen. Wann immer du einem Menschen begegnest, sinke tiefer in ihn ein als in sein Gut- oder SchlechtSein und entdecke die Gottheit in ihm, die jenseits seines angenehmen oder unangenehmen Wesens liegt. Erblicke das Unsichtbare durch das Sichtbare und in dem Sichtbaren. So wirst du, wo immer du einen Menschen triffst, die Gottgegenwart erfahren.

Das Symptom hat keine Existenz ohne die ihm zugrundeliegende Ursache, sowie der sichtbare Mensch keine Existenz hat ohne die ihm zugrundeliegende Ursache: das Unsichtbare.

III.

Ein Elektriker sieht die unsichtbare Elektrizität im Leitungsdraht mit Hilfe eines speziellen Strommessers. Ebenso musst du das unsichtbare Wesen Gottes in allen Menschen durch die Instrumente intuitiver Wahrnehmung, einer höheren Liebe und grosser, innerer, geistiger Empfindsamkeit erkennen.

Kann man rein äusserlich die Lebensart, die Intelligenz oder die Liebe eines andern Menschen feststellen? Nein. - Aber du fühlst, du empfindest sie, wenn der andere Mensch sich bewegt, etwas sagt oder irgend etwas Liebenswertes tut. Gerade so lässt sich das unendliche göttliche Bewusstsein, das in jedem und in allem gegenwärtig ist, empfinden, das du aber auf deiner jetzigen Entwicklungsstufe noch nicht sehen kannst.

Von den Wirkungen schliessen wir auf die Ursachen. Die Welt, das Leben, die Intelligenz und die Liebe sind die Wirkungen jener höchsten Ursache, die Gott ist.

IV.

Wenn wir bei Kälte und nach mühsamer Wanderung durch einen grossen Wald gehen und in der Ferne plötzlich Rauch aufsteigen sehen, sind wir darüber hoch erfreut. Vom Rauch, den wir sehen, schliessen wir auf das unsichtbare Feuer unter ihm. Aus den Wirkungen erkennen wir die nicht sichtbare Ursache. Gerade so sehen und erfahren wir die grosse Ursache - Gott -, die der Welt der Wirkungen zugrundeliegt, die uns die Sinne übermitteln. - Wenn jemand nach einer langen Reise in fremden Ländern bei hereinbrechender Nacht, müde und erschöpft, plötzlich einige Lichter sieht, fühlt er sich glücklich; denn die sichtbaren Lichter lassen ihn auf die unsichtbare Wohnstätte schliessen. - So können wir durch das sichtbare Universum die unsichtbare Realität erkennen.

Es ist äusserst einfach, die Erde zu betrachten und zu sagen, sie sei flach. Es erfordert geschulte wissenschaftliche Intelligenz, um festzustellen, dass die Erde nicht nur rund ist, sondern sich auch mit rasender Schnelligkeit dreht. Menschen und Dinge zu betrachten und sie nach ihrer blossen Erscheinung zu beurteilen, ist die leichteste Sache der Welt. Es braucht die Schulung und Intelligenz eines hochentwickelten und erleuchteten Menschen, um in allem die Wahrheit zu erkennen und zu erklären, dass Gott und Sein Königreich in jedem und überall ist. Suche dieses Reich zuerst und dann befasse dich furchtlos, ohne Bangen und Sorge mit der Erscheinungswelt, und sei dabei voll Liebe, Kraft und Mut und erfüllt von Freude und Frieden.

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Kleine praktische Winke auf
dem Wege zur Vollkommenheit

Wenn wir Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und all unseren Kräften, Tag und Nacht, Monate und Jahre, erreichen wir jene hohe Entwicklungsstufe, wo wir Gott jederzeit, überall, in allen Lebensverhältnissen und in jeder Umgebung erfahren.

I.

Jedesmal wenn du dein Haus, einen Laden, ein Restaurant oder ein Büro betrittst, jedesmal wenn du in ein Auto, einen Zug oder ein Flugzeug steigst, tue es mit dem Gedanken an Gott. Tritt mit einem Gottesgedanken ein und gehe mit einem Gottesgedanken hinaus. Dies gibt dir die verborgene, tragende Kraft, die du für ein reiches, glückliches Leben brauchst. Dieses ständige wechselseitige In-Einander- Strömen wird all dein Arbeiten mit gutem Erfolg und reicher Ernte krönen.

II.

Gehe einige Minuten hinaus ins Freie und atme tief durch die Nase ein und durch den Mund aus. Während du einatmest, fühle, dass du damit die Eigenschaften Gottes, Seine Natur und Seinen Frieden, Seine Freude, Seine Kraft und Seine Gnade in dein ganzes Wesen hineinziehst. Während du ausatmest, fühle, dass du dabei alles Störende und Negative, alles Schwache und Unglückliche abstossen kannst.

III.

Lege dich auf den Rücken und entspanne dich, lasse alle unruhigen Gedanken und aufregenden Gefühle abklingen. Werde ganz ruhig und spüre nun, dass du nicht dieser gequälte und müde Körper, sondern ein grosses Licht, eine Gegenwart und ein Bewusstsein bist. Empfinde in innig-wacher Wahrnehmung, dass dich die Unendlichkeit der Gottgegenwart, Seine Liebe und Gnade durchdringt.

IV.

Wenn du einen Ring besitzest, der dir ganz besonders lieb ist, trage ihn im Namen Gottes, damit du stets an Ihn erinnert wirst. Immer, wenn dein Blick auf diesen Ring fällt, lass dadurch Gottes unmittelbare, belebende und erleuchtende Gegenwart dein ganzes Wesen erfüllen. Du kannst in derselben Weise auch mit deiner Armbanduhr, die du trägst, die Assoziation zu Gott aufnehmen, und jedesmal, wenn du auf die Uhr schaust, lass es auch ein Blick sein in das Wesen des all-durchdringenden und all-liebenden Gottes.

Der Mensch ist so völlig unwissend, geistig ungeschult und verloren, dass es vielseitige Kenntnisse und Disziplin braucht, damit er Gott schauen kann. Aber dies ist der einzige Weg; eine andere Alternative gibt es nicht. Man muss fortfahren hart zu arbeiten, bis das Ziel erreicht wird.

In jedem Menschen liegt das ganze Königreich Gottes. Seine wirkliche Kraft, der Wert, der Friede, die Freude und sein Wohlergehen hängen davon ab, inwieweit er dies erkennen und danach leben kann. Möge Gottes Gnade die ganze Menschheit in das Reich der Liebe und des Lichtes und der göttlichen Einheit führen!

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Einige Übungen zur Erkenntnis Gottes

Identifiziere dich mit dem, was die Wahrheit aller Wahrheiten, die Macht aller Mächte und das Licht allen Lebens ist. Die meisten Menschen gehen so vollständig in ihrem Körper auf, dass sie bereits bei kühlem Wetter laut zu klagen beginnen und sich bei schöner Witterung übertriebenen Vergnügungen und sportlichen Leistungen hingeben. Der Körper beherrscht sie. Sie werden durch ihren physischen Zustand, durch wechselnde Ereignisse und flüchtige Erlebnisse bestimmt und bedrängt. Deshalb ist ihr Leben von physiologischen Abnormalitäten, materiellen Problemen und mit Unglück, Zwietracht, Kummer und Ärger erfüllt.

Psychologische Gesundheit, emotionales Gleichgewicht, innere Kraft und geistige Entwicklung bedingen, dass wir vom Körper Abstand nehmen, und ihn als dessen Meister gebrauchen. Werde eins mit dem Licht des Bewusstseins in dir, das hinter den gedanklichen Tätigkeiten und über dem Unbewussten liegt. Erwecke immer aufs neue das Gefühl in dir, dass du ein Atem von dem Bewusstsein Gottes, dass du das unzerstörbare und allbewusste Bildnis des Göttlichen, ein Licht und eine Kraft bist. Empfinde intensiv, dass du immerfort in Gottes allerhaltender Gnade lebst, und dass Er dich mit Seiner Liebe und Gegenwart stützt und erhält.

Zu viel Rücksicht und zu grosse Beschäftigung mit dem Körper als physischem Instrument sind des Menschen nicht würdig, der mit Vernunft, Willen und Wissen ausgestattet ist und mit einer Liebe, die über alles triumphiert. Sei das Höhere Selbst und nicht nur der Körper, sei das innere göttliche Bewusstsein, und nicht deine Nerven; das ist Kraft, das ist Reinheit und Göttlichkeit! Der Körper wurde geboren, der Körper wird vergehen, auch wenn es erst nach hundert Jahren geschehen sollte. Der Ewigkeit sind hundert Jahre nicht einmal ein Sekundensplitter. Erhalte deinen Körper kräftig, gesund und strahlend und betrachte ihn als das, was er ist: ein blosses Instrument, ein notwendiger Diener. Fühle fortwährend, dass du nicht der Körper und nicht das Gemüt bist. Körper und Gemüt mit ihren Tätigkeiten sind etwas Äusserliches von dir. Erkenne, dass nicht du es bist, der arbeitet, und schafft, sondern dass es die Energien Gottes sind, die durch Körper und Gemüt wirken. Stehe von ihnen zurück und erfreue dich der inneren Freiheit, der wirklichen Freiheit, die dich zum höchsten Meister des Lebens macht. Verwickle dich in nichts, sondern ordne alles, indem du dich darüber stellst. Löse dich innerlich von der ganzen Aussenwelt und werde Zeuge von allem. Lass dich in keiner Weise vom Körper, vom Gemüt und deren Tätigkeiten beeindrucken oder irgendwie dirigieren; lasse dich nur vom Eindruck der Gegenwart Gottes, Seiner Liebe und Seinem Bewusstsein beherrschen und mache dein Leben zum Himmelreich.

Indem du in dir selbst die ganze Kraft der Liebe bist, erfreue dich des Lebens. Indem du in dir selbst die ganze Kraft des göttlichen Bewusstseins bist, erwirke Glück und Wohlergehen für alle. Indem du in dir selbst das ganze Licht des GutSeins und der Erkenntnis bist, überwinde die Materie mit ihrer dunklen Tyrannis und sei eine Quelle der Kraft, der Freude und der Inspiration für Hunderte.

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Methoden zum Erlangen übernatürlicher Kräfte

Erste Übung

Erhöhe das Bewusstsein, von den niedrigeren zu den höheren Ebenen, aus der körperlichen Befangenheit hebe es heraus zu mentalen Beschäftigungen; dann lenke dein Bewusstsein hin zu fortwährenden Betrachtungen über die verschiedenen Eigenschaften des göttlichen Wesens, wie Schönheit, Liebe, Friede, Freude, Macht und Unsterblichkeit. Während nun diese Eigenschaften in dein ganzes Wesen und Bewusstsein, dein Nervensystem und in deinen Körper hineinsinken, wirst du in deinem Entwicklungsgang die in dir sich entfalteten neuen Kräfte, Fähigkeiten und Eigenschaften vorfinden, die dein irdisches Leben vertiefen, erhöhen, bereichern und zur Erfüllung bringen.

Zweite Übung

Verströme dich über die Welt als Lied der Liebe. Verstrahle dich über die Menschheit als Licht der Weisheit. Vereinige dich mit deinem ganzen inneren geistigen Bewusstsein, mit dem Göttlichen in der Seele der Menschheit.

Schliesse deine Augen und wünsche in Gedanken mit der ganzen konzentrierten Energie deines gesegneten Herzens allen atmenden Wesen Wohlergehen. Wünsche innig und intensiv der gesamten Menschheit Gesundheit, Frieden, Freude, Erfolg und Wohlstand. Löse dich selber im innern Herzen in einen gewaltigen guten Willen für alle Wesen auf. Schliesse die Augen und versuche, in Gedanken jede Art von materiellem Wohlergehen für jedes Glied der menschlichen Familie vom all-liebenden Gott zu erlangen.

Verehre Gott in den Kindern, in Frauen und Männern, verehre Gott in allen. Führe diese Übung Tag für Tag durch. Dein Leben wird sich dadurch mit den Kräften Gottes füllen, und Du wirst ein Wesen mit übernormalen Fähigkeiten und gewaltiger Seelenkraft sein.

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Neue Wege der Gottverehrung

Die Knospen verehren Gott durch die wunderbare Entfaltung ihrer Blüten. Die Bäume verehren Gott durch den Reichtum ihrer nährenden Früchte. Die Wolken verehren Gott durch den strömenden, die Erde befruchtenden Regen. Die Sonne verehrt Gott durch Erwärmen der ganzen Erde. Die Luft verehrt Gott durch Erhalten des Lebens an allen Ecken und Enden.

Lasst uns Gott verehren durch Offenbarungen des Guten, Grossen, Vortrefflichen und Höchsten in uns selbst. Lasst das Gemüt Gott verehren durch den Ausdruck unserer besten, bejahenden und göttlichen Gedanken. Lasst das Herz Gott verehren mit edlen und inspirierenden Gefühlen. Lasst unsere Hände Gott verehren durch aufbauende und freudeerfüllte Arbeit. Lasst unsere Seele Gott anbeten durch intensive Betrachtung der unmittelbaren Gegenwart und unendlichen Vollkommenheit.

Lasst uns Gott, die Quelle aller Schönheit, allen Friedens und aller Freude, die stützende und allschöpferische Essenz allen Lebens, die allgegenwärtige, allmächtige und allwissende Gottheit anbeten durch das Aufblühen unserer Intelligenz, durch die Entfaltung all unserer Geschicklichkeiten, Talente und Fähigkeiten, durch den täglichen Wohlklang unserer Liebesdienste, Opfer und guten Taten und durch das Erschliessen unseres inneren Bewusstseins.

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3. Kapitel
Gottverwirklichung im täglichen Leben

Was gewinnen wir, wenn wir an Gott denken?

Unsere scharfsinnige Intelligenz wird leuchtender durch das Wissen, dass sie ihre Quelle in der unendlichen Intelligenz Gottes hat und organisch mit ihr verbunden ist. Unsere Kraft für schwere Arbeiten wird unerschöpflich, wenn wir wissen und erfahren, dass sie ein Fluss ist, der aus dem unbegrenzten Ozean von Gottes Allmacht fliesst. Unsere Liebe für andere wird unfehlbar und allumfassend; sie bekommt heilende und wunderbare Kräfte durch unsere dynamische Erfahrung, dass unser Herz verwurzelt ist im Herzen der unendlichen Liebe Gottes und dass es gar nicht getrennt von ihm existieren kann.

Unser Reichtum und Besitz werden sichergestellt und vermehrt durch die innere Gewissheit, dass Gott die allwohltätige Kraft überall um uns und in uns ist und dass Er uns mit Tausenden Seiner Engel ständig bewacht. Unser Leben wird den Sinn der Unsterblichkeit erreichen, wenn wir wissen, dass es aus der unsterblichen Gottheit kommt und aufrechterhalten wird durch die all-erhaltende Ewige Realität, in deren Unendlichkeit von Frieden, Freude, Schönheit und Vollkommenheit wir wieder zurückkehren werden. Unser Wesen wird furchtlos, wenn wir erfahren, dass die Eine Wahrheit unserer Existenz, die Geliebte unseres Lebens, das Eine unbegrenzte Licht unserer Seele in allen und in allem vorhanden ist. Deshalb liegt kein Grund vor, etwas zu fürchten, zu hassen, nicht zu mögen oder in irgendeiner Opposition mit jemandem zu sein, sondern wir werden schweigend unsere mächtige Liebe über alles ausbreiten.

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Dynamische Übungen, um Gott zu erfahren

I.

Ziehe dich auf einen stillen Platz zurück. Schliesse die Augen. Lenke deine ganze Aufmerksamkeit bewusst nach innen. Konzentriere dich mit deinem ganzen Wesen auf das Wort "Gott", bis dieses eine Wort alles in deinem inneren Bewusstsein erleuchtet. Nun bete mit deinem Herzen in dieser Weise: "Oh, allgegenwärtiger Herr, deine mächtige und alles belebende Energie erfüllt mein ganzes Sein; deine allesbeseligende Liebe hüllt mich von jeder Seite ein und erfüllt jede Zelle meines Wesens. Durch deine Gnade werde ich überflutet von Freude, Frieden und Kraft. Schenke mir immer mehr von deiner Kraft. Gewähre mir immer mehr von deiner allgütigen Gnade, damit ich für allezeit in diesem Zustand deiner Vollkommenheit verharren kann."

II.

Gott ist Glück, Frieden und unvergänglicher Reichtum. Wenn wir dieses den anderen wünschen, drücken wir die Natur Gottes aus. Tun wir dies unaufhörlich Tag für Tag und Jahr für Jahr, so wird unsere Natur zur Natur Gottes, unser ganzes Herz wird Gottes Herz und unser ganzes Leben wird zum Leben Gottes.

Nur ein einziges Gebet kann uns weder zu einem Heiligen machen noch die Gotterfahrung bringen. Aber das ununterbrochene Gebet, das unaufhörliche Beten oder das nie endende Gebet macht uns zu grossen Heiligen. Nur ein einziger Wassertropfen macht keine See. Aber wenn Tropfen auf Tropfen in ununterbrochener Folge unaufhörlich niederfallen, bildet sich das Meer.

Möchtest du glücklich sein, dann wünsche den andern Glück zu jeder Zeit, in allen Verhältnissen und in jeder Beziehung. Möchtest du voll Frieden sein? Dann wünsche den andern Frieden zu jeder Zeit und unter allen Bedingungen. Möchtest du Reichtum und Erfolg haben? Dann wünsche allen Leuten Reichtum und Erfolg zu allen Zeiten und in allen Lebensumständen.

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Die Doppelbewegung auf dem Entwicklungspfad

1. Möge allen Menschen und allen Geschöpfen der Welt Glück, Friede und Wohlergehen beschieden sein!

Lass dieses Gebet und diesen Wunsch aus den Tiefen deines Herzens strömen. Mach es zum beherrschenden Prinzip deines äusseren Lebens.

2. Allerleuchtender, unendlicher Gott, führe mich von der Finsternis zum Licht, von der Unwissenheit zum Wissen, aus den zeitgebundenen menschlichen Begrenzungen zu Deiner zeitlosen göttlichen Vollkommenheit! Lass dieses Gebet das leuchtende Prinzip deines inneren Lebens sein.

Durch diesen doppelten Prozess wird dein äusseres und inneres Leben vergöttlicht. Äusserlich wirst du eins in Liebe und Licht mit der ganzen Menschheit und erlebst Gott in den Menschen; und innerlich wirst du in das Licht der göttlichen Wirklichkeit umgewandelt.

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Die drei Hauptdisziplinen für die Gotterfahrung

1. Selbsthingabe: Die Darbietung des ganzen Wesens an das Göttliche, völlige Selbstauslieferung, ist die erste Disziplin. Dies ermöglicht uns, den menschlichen Standpunkt aufzugeben und alle Dinge von der Gottheit aus zu sehen.

2. Innere Loslösung: Im Bewusstsein zurücktreten von den Tätigkeiten der Natur, unseres natürlichen Wesens, von den Reaktionen des Gemütes und des Körpers, fortwährendes Sichbeschäftigen mit dem all- leuchtenden, allreinen, allvollkommenen, transzendentalen, zeit- und raumlosen, absoluten Wesen Gottes, mit dem Sein Atem und Sein Bild in Dir ewig eins ist. Das Resultat ist die volle Verwirklichung des essentiellen Wesens Gottes innerhalb unseres inneren Seins.

3. Gott überall und in allen Dingen sehen:

Die innere Haltung, die nichts und keinen Menschen als etwas anderes ansieht als eine Offenbarung des göttlichen Herrn, ist die dritte Disziplin.

Führt diese Schulungsmethoden Tag um Tag, Stunde um Stunde durch, dann werdet ihr die Gotterfahrung in allen Verhältnissen machen und den Frieden, die Vollkommenheit und die Macht des Reiches Gottes erleben.

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Übungen für geistigen Fortschritt

I.

Erstens: Pflege und entwickle dein göttliches Wesen und bringe es immer mehr zum Ausdruck. Denke unaufhörlich über die Eigenschaften und Merkmale Gottes nach und meditiere darüber. Nimm sie in dein tägliches Verhalten hinein.

Zweitens: Lege alles Schwache, Verneinende und bloss Menschliche deines persönlichen Wesens ab und beseitige andauernd die treibenden Kräfte und charakteristischen Tendenzen der menschlichen Natur.

Dieser doppelte Vorgang in dir, auf der einen Seite die göttlichen Eigenschaften zu mehren und auf der anderen die disharmonische Tätigkeit der menschlichen Natur zu verringern, sichert dir rascheren geistigen Fortschritt.

II.

Erstens: Liebe das Unendliche! Nimm dessen Friede, dessen beseligende Freude, dessen Kraft und Licht in dich auf.

Zweitens: Nimm Abstand vom Endlichen und gebrauche es nur. Dadurch wirst du zu dessen Meister und bringst seine Erfüllung herbei. Dies gibt dir die Möglichkeit, das Endliche mit den Schätzen des Unendlichen zu überschütten.

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Voraussetzungen der Gotterfahrung

Halte die Feuer des geistigen Strebens, der Reinheit und der herrlichen Liebe zu Gott lebendig und glühend. Mögen grosse Dienste und Opfer dein Leben auszeichnen! Konzentriere deine Interessen auf Dinge, welche aus deiner Welt ein Reich Gottes machen.

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Grüss Gott - Ich grüsse Gott in dir!

Es kann keine bessere Art von Begrüssung des Menschen geben, als die, welche Jahrhunderte lang hier in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich gebräuchlich ist, nämlich: "Grüss Gott."

Aufgrund eures gegenwärtigen geistigen Verständnisses macht ihr jetzt die Erfahrung, dass jedesmal, wenn ihr jemandem begegnet und ihn auf diese Art grüsst, eure Gedanken und Gefühle sofort durch die Wahrnehmung Gottes aufgehellt werden. Es ist Gott, den ihr in jedem Menschen begrüsst. Ihr grüsst und erweist Ehrerbietung und Verehrung der Gottheit, dem Reiche Gottes, dem, der das höchste Licht, die Macht, der Friede, die Freude, die Gnade, die Wahrheit, die Liebe und das Sein in jenem Menschen ist. Diese Art, andere zu grüssen, ist das beste Mittel, euch jedesmal, wenn ihr jemanden seht, in Berührung mit Gottes lebendiger, wirkender Gegenwart zu bringen. Millionen Menschen, die jeden Tag diese Begrüssung füreinander gebrauchen, sind noch gar nicht wach geworden für den unendlichen Wert und die Segnung, die sie in sich birgt.

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Danke vielmals

jedesmal, wenn wir jemandem "Danke vielmals" sagen, sollten wir uns daran erinnern, dass wir Gott danken, dessen Vorsehung, dessen Fürsorge und Güte sich durch den Menschen äussert, an den wir unseren Dank richten. Dies ist wieder eine Art, die uns hilft, während der geschäftigen Stunden des Alltags Herz und Seele in Gott zu bewahren.

jedesmal, wenn wir jemandem danken, haben wir eine Gelegenheit, Gottes Liebe, Gnade, Barmherzigkeit, Fürsorge und Güte für uns wieder zu erkennen. Und jedesmal, wenn wir dies tun, werden wir uns des unendlichen Wesens, der allsehenden, all-liebenden Gottheit bewusst, die unser wirklicher Reichtum und Wohlstand ist.

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Lasst uns trinken auf die Gesundheit
der ganzen Menschheit

Im Westen besteht der Brauch, einander Gesundheit zuzutrinken. Warum wollen wir dies nicht auch - wenn immer wir etwas trinken - zum Wohle aller Wesen tun? Dies ist der Weg, eine kosmische Persönlichkeit zu werden, ein universales Wesen voller Liebe und Licht. Diese Gewohnheit kann unsere innere Grösse und Freiheit wirklich verstärken und unser Herz und Bewusstsein in einer Art erweitern, dass sie wie erleuchtet sind. Es bereitet uns Freude, einige wenige Menschen zu lieben und ihnen zu dienen. Es bringt uns grössere Freude, mehrere Menschen zu lieben und vielen zu dienen; aber die allergrösste Freude ist es, Gott überall zu lieben und allen kleinen und grossen Geschöpfen zu dienen. Wie reich unser Herz ist, hängt davon ab, wie sehr wir alle Wesen lieben, und wie sehr wir für ihr Wohlergehen besorgt sind. Deine Beziehung zu den Menschen sollte immer bestimmt werden durch die inneren Beziehungen zu Gott in ihnen.

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Praktische Prinzipien des göttlichen Lebens

1. Wenn wir unser Haus betreten, tun wir es mit dem Namen Gottes auf den Lippen und mit der Empfindung, dass es eine Kirche ist, ein Ort, wo Gott wohnt, eine Stätte, wo der allheilende, allsegnende Gott des Friedens gegenwärtig ist.

2. Lasst uns, bevor wir etwas essen, es zuerst gedanklich Gott anbieten, und es wie eine Medizin einnehmen, als Sein spezielles Stärkungsmittel.

3. Wenn wir irgendwo eine schöne Blume sehen, sollten wir sie sofort in Gedanken der Gottheit übergeben. Auf diese Art und noch in anderer Weise wollen wir eine fortwährende, ununterbrochene Anbetung des Göttlichen durchführen, und so Gottes reiche Gnade, Seine Gegenwart, Seinen Frieden und Seine Kraft empfangen. Unser Leben wird umso erfüllter, je mehr wir in Verbindung mit der allgegenwärtigen Gottheit stehen.

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Weisst du, dass du viel Zeit für grosse
Dinge und für die Gotterfahrung hast?

Wenn du mit dem Zug oder im Flugzeug reisest, bleibt dir viel Zeit zum Lesen oder Nachdenken über inspirierende oder erhebende Gedanken aus irgendeinem kleinen wertvollen Buch.

Wenn du im Auto an einen bestimmten Ort fährst, hast du viel Zeit - den ganzen Weg - um ein göttliches, heiliges Wort, wie zum Beispiel die machtvolle, mystische Silbe "Om", zu wiederholen und dadurch höchste geistige Schwingungen zu wecken, die dem Herzen Freude und dem Körper Gesundheit bringen, die dich vor Unglücksfällen bewahren und die deine Verbindung mit der allerhaltenden Gottgegenwart aufrechterhalten.

Wenn du mit der Hand arbeitest, bleibt dir viel Zeit, um Herz und Gemüt mit Gefühlen und Gedanken universeller Liebe zu füllen. Dein inneres Wesen sollte die ganze Zeit Frieden für die ganze Schöpfung ausatmen. Dein Herz kann sagen: "Mögen alle glücklich sein: möge niemand leiden."

Wenn du beim Friseur bist, findest du viel Zeit, während dein Haar gewaschen und frisiert wird. Dann kannst du innerlich von Herzen beten oder im Gefühl der unmittelbaren, lebendigen Gottgegenwart ringsum aufgehen. Denke und empfinde, dass die Hände des Friseurs die all-liebenden Hände Gottes sind, die dich bedienen. Während der ganzen Zeit, wo der Friseur sich um dich bemüht, kannst du in die Stille des Herzens eindringen und eine tiefe Erfahrung von Gottes Frieden und Freude erleben.

Wenn du im Restaurant Tee trinkst, findest du viel Zeit für den Versuch, den inneren Sinn der Offenbarungen zu ergründen, die uns die Mystiker dargelegt haben, Zeit, um dich mit den Lehren Jesu Christi und mit den in den biblischen Psalmen zum Ausdruck kommenden göttlichen Aspirationen zu beschäftigen oder die Worte eines Plato oder anderer bedeutender Menschen zu überdenken.

Während kurzer Spaziergänge hast du reichlich Zeit zu innerer Entspannung und Hingabe an tiefe Empfindungen und grosse Gedanken. Hinter der Schönheit und Stille der Natur kannst du zur allschöpferischen Schönheit und Stille Gottes durchdringen. Du kannst empfinden, wie Gott mit dir geht und dich von allen Seiten beschützt.

Wenn du dich hinsetzest, um etwas zu essen oder zu trinken, hast du Zeit für zwei Momente, an Gott zu denken. Du kannst alles, was du gerade isst oder trinkst, gedanklich Gott anbieten und es als Seine spezielle Kräftigung und als Nahrungsmittel für dich einnehmen. Alles hängt von der Einstellung, der inneren Einsicht, der Stimmung, dem Gefühl ab.

Tagsüber hast du viele kurze Gelegenheiten, wo du mit inspirierenden, erleuchtenden Gedanken und Gottes Gegenwart und Frieden Kontakt machen kannst. Sogar der tätigste Geschäftsmann hat, wenn er dies wirklich begehrt, viele "Zwei-Minuten-Intervalle" für grosse Dinge und die Gotterfahrung.

Das Leben - das von menschlichen Begrenzungen befreite Leben - und Gott sind ein und dasselbe. Gott ist im Leben und durch das Leben zu erfahren. Die Kraft und die Fülle des Lebens liegen in der bewussten Beziehung zu dem, was unendlich ist an Macht, Sein, Wissen , Freude und Frieden.

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Alle eure Werke sind göttlich

Unsere Arbeit wird interessant und wunderbar in der Freude, sie so vollkommen wie nur möglich auszuführen, oder wenn wir sie für einen Menschen verrichten, den wir sehr liebhaben. Wir alle werden Gott dann am meisten lieben, wenn wir erkennen, dass er die Quelle des allvollkommenen, unendlichen Reichtums, der Fülle, der Macht und Gnade, des Lichtes, des Lebens und des schöpferischen Bewusstseins ist. Er ist allreagierend, all-wahrnehmend und alldurchdringend.

Alle Arbeit ist gleicherweise göttlich. Die Verrichtungen der Hausfrau, oder die Arbeit irgendeines Handwerkers sind nicht weniger wertvoll, weniger edel, weniger göttlich, als die Leistung des Arztes, der viele Menschenleben rettet, oder die Arbeit des Wissenschaftlers, der nützliche Dinge erfindet, oder als das Werk eines Künstlers, der unsterbliche Schönheit erschafft. Es liegt an der Genialität des arbeitenden Menschen, die Göttlichkeit der Arbeit zu entdecken und wiederzugewinnen. Es ist die Art und Weise des Denkens, des Bewusstseins, des Ausblicks, der Gesinnung hinter der Arbeit, welche deren Charakter bestimmt. Wenn unser Gemüt göttlich ist, wird dies auch unsere Arbeit sein. Eine göttliche Einstellung macht alle Werke göttlich.

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Möge all' deine Arbeit dem
Gottbewusstsein entspringen

Sobald du eine Arbeit unternimmst, übergib Gott die dahinterliegenden Motive, deren ausführende Kräfte und deren erwartete und unerwartete Resultate. So kannst du lauter und rein bleiben, unbekümmert von allem Missgeschick, das vielleicht geschieht und frei von Stolz und unverdorben durch die wunderbaren Erfolge, die deine Arbeit vielleicht haben.

Wenn du dank eines grossen Werkes sogar unsterblichen Ruhm erntest, biete dessen Resultate sofort Gott dar und lebe als einfaches, unberührtes, von Versuchung freies Kind Gottes, des Gottes, der unendliches Bewusstsein ist. Bevor du irgendeine Arbeit beginnst, versenke dich ins Gottbewusstsein; während du sie ausführst, sollte etwas ganz tief in dir ständig in diesem Gottbewusstsein bleiben und verharre darin auch nach Beendigung der Arbeit. Nach einigen Jahren solcher Übung wirst du vollständig göttlich sein: ein Licht, eine Macht und eine Gnade Gottes.

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Der einzige Weg

Der einzige Weg, sich vom Schatten zu befreien, ist, in die Sonne zu blicken.

Der einzige Weg, die Begrenzungen des menschlichen Wesens zu übersteigen, ist, Gott zu erfahren.

Der einzige Weg, zeitliche Dinge zu bewahren, ist, ewige Dinge zu lieben.

Der einzige Weg, den Körper zu erobern, ist, das Bewusstsein in ihm zu bereichern, zu kräftigen und zu erleuchten. Der einzige Weg, die Dunkelheit aufzulösen, ist, Licht hineinzubringen.

Der einzige Weg, den bitteren Feind zu lieben, ist, ihn zumindest nicht zu hassen. Der einzige Weg, ihn auch nicht im geringsten zu hassen, ist, klar zu erkennen, was immer Gutes in ihm sein mag, und in ihm das zu erblicken, ohne das er keinen Augenblick leben kann, - Gott.

Dieser einzige Weg ist der Weg des Friedens, der Freude und der Vollkommenheit.

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4. Kapitel
Die Kunst als ein Weg zur Gotterfahrung

Künstlerische und spirituelle Disziplinen
im Vergleich miteinander

Als Leonardo da Vinci den Auftrag angenommen hatte, das Gemälde "Das Abendmahl" zu schaffen, sass er tagelang bewegungslos - so wird erzählt - vor der leeren Leinwand und erzürnte damit ernstlich den Abt, der dieses Werk bei ihm bestellt hatte. Welcher sensitive Kunstkritiker und Gelehrte weiss nicht, dass diese vorbereitende Zeitspanne des Stillsitzens, des Nicht-Tuns eine wirkliche Notwendigkeit ist, in der es darum geht, das Bewusstsein aus der Umwelt zurückzuziehen, die Wahrnehmung von Zeit und Raum zu verlieren und die körperliche Existenz in grosse Ruhe und scheinbare Untätigkeit zu bringen. Gerade diese Disziplin, die jenen ein Ärgernis ist, die das Phänomen der schöpferischen Tätigkeit nicht kennen, beherrscht das innere Leben des geistigen Suchers nach göttlicher Wahrheit, die zugleich absolute Schönheit und Seligkeit ist.

Ob man still und bewegungslos vor einer leeren Leinwand oder vor der Herrlichkeit der Natur steht, vor etwas, das ein gläubiges Herz wahrnimmt oder vor dem, was man als Gott erkennt; ob der Künstler vor dem noch nicht behauenen Stein, der Architekt vor dem noch nicht entworfenen Gebäude oder vor dem nicht verarbeiteten Möbelstück innehält, es ist immer dieselbe Disziplin, die jene tiefe Ruhe des Bewusstseins in sich schliesst, die die kontemplative Konzentration und den Empfang schöpferischer Ideen und Visionen ermöglicht.

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Die Wirkungsmöglichkeiten der
Kunst für die Gotterfahrung

Wenn sich im Künstler in den Augenblicken kontemplativer Ruhe und Intensität der schöpferische Drang zu voller Tätigkeit erhebt und ihm freie Wirkungsmöglichkeit gegeben ist, aktiviert er die intuitiven Kräfte und macht Disziplinen notwendig, die in ihrer Heftigkeit jenen vergleichbar sind, die sich Mystiker, Weise und Menschen mit Gottbewusstsein auferlegten. Unter diesen Bedingungen bringt der schöpferische Drang eine Erfahrung, die in ihrer Natur geistig und in ihrer Wirkung ästhetisch ist. Er berührt solche Bilder der Schönheit, die Vorbilder sind und bestimmbare Aspekte der unbestimmbaren Unendlichkeit des Ur- Schönen. Er gestaltet Strukturen oder Kunstformen in Stein oder Tönen, in Linien oder Farben, im Wort oder im Leben, welche sich endgültig der alles auslöschenden Hand der Zeit entziehenÜber viele Generationen hinweg hinterlassen solche Kunstformen mannigfaltige, inspirierende, kulturelle Eindrücke.

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Der geistige Gebrauch der
künstlerischschöpferischen Fähigkeit

Das geistige Ziel der künstlerischen Tätigkeit umfasst und erfüllt alle anderen Lebenszwecke. Wir können uns der Kunst mit diesem dreifachen Ziel nähern:

1. um der dynamischen geistigen Disziplinen willen, die jedem künstlerischen Streben und jedem

Kunstschaffen zugrundeliegen, die unsere vielseitigen, höheren Fähigkeiten entwickeln, reinigen,

erleuchten und empfindsam machen: 2. um der Fülle geistiger Erfahrung willen, die sie uns anbieten;

3. wegen des Ausdrucks jener Erfahrung und ihrer zahlreichen Ergebnisse.

Die konzentrierte Anstrengung und andere Disziplinen des Bewusstseins, wie das Malen eines Bildes, das Formen einer Skulptur, das Schreiben eines Meisterwerkes, sind ihrem Wesen nach eine besondere Art geistiger Tätigkeit. Zahlreich sind die Beispiele grosser Künstler, die durch eine solche Tätigkeit die Gotterfahrung gesucht haben. Deshalb kann die Kunst als wertvolles und sehr wirksames Mittel zur Verbreitung geistiger Schau, hoher Ideale und Wahrheiten nicht genug geschätzt werden.

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Quellen künstlerischer Aktivität

Jede schöpferische Tätigkeit entspringt hoher Inspiration und Zuständen innerer Erhebung. Sie wird angeregt durch feurige Vernunft oder glühende Emotion, durch leuchtende Gedanken oder lichterhelle Visionen. Überwältigende Erlebnisse bringen sie ebenso zur Entfaltung wie alles andere, was unser Bewusstsein tief beeindruckt und an den Urgrund unseres Wesens rührt. Wenn den Künstlern mit durchschnittlichen Talenten diese essentiellen Voraussetzungen fehlen, die ihr Wesen in den Zustand innerer Begeisterung und erhöhter Wahrnehmungsfähigkeit versetzen oder wenn ihrem Bewusstsein die feurige Kraft ermangelt, nehmen sie im allgemeinen Zuflucht zu allen möglichen Arten falscher Stimulantien. Sie rauchen oder trinken, suchen Betäubungsmittel oder verlangen nach sinnlicher Erregung. Auf diese Weise gelangen sie in abnormale mentale Zustände und verwechseln diese mit den Momenten echter Inspiration.

Wie dem auch sei, es gab und gibt und wird immer Künstler geben, die ihre Zustände schöpferischen Bewusstseins der Reinheit, Heiterkeit oder Ruhe ihres inneren Wesens verdanken. Sie brauchen keine äusseren Anregungsmittel. Da sie eine höhere Entwicklungsstufe erreicht haben, ist für sie die Inspiration ein normaler Zustand ihres Gemütes. Grosse Erleuchtungen kommen auf so natürliche Weise über sie, wie anderen Menschen die Gedanken kommen. Sie bleiben ebenso mühelos auf der intuitiven Ebene des Bewusstseins, wie der gewöhnliche Mensch im Bereich seiner instinktiven Erfahrungen bleibt.

Moralische Reinheit, einfältige Hingabe an grosse Wahrheiten und Werte und die Liebe zu Gott sind immer die natürlichsten und reichsten Quellen für die künstlerische, ästhetische, schöpferische und geistige Tätigkeit gewesen. Nichts hat zur bleibenden und klassischen Kunst der Welt so viel beigetragen wie religiöse Wahrnehmung und geistige Erfahrung.

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Das Ziel der Kunst

Auf dem Gebiet der Kunst gab es alle Jahrhunderte hindurch immer Strömungen und Gegenströmungen von Meinungen und Ansichten; immer gab es Fortschritt und Rückbildung ihres Niveaus. Einige wählten als Beweggrund der Kunst das Vergnügen. Andere übertrugen ihr als Ziel, der Schönheit Ausdruck zu verleihen. Es gab manche, die an sie besondere Aufgaben stellten. Einige Gruppen betrachteten die Kunst als Erziehungsmittel, andere befürworteten die Kunst um der Kunst willen.

Wir kennen die Anwendung der Kunst als wirkungsvolles Medium zum schöpferischen Selbstausdruck des menschlihen. Bewusstseins. Aristoteles und viele nach ihm erwarteten von der Kunst die Läuterung der eigenen Natur, eine Reinigung unseres Wesens. - Die Kunst als Mittel und Weg zur Gotterfahrung hat innerhalb der Weltkultur den Genius Indiens entscheidend beeinflusst.

Eine unabhängige und kritische Prüfung der Ziele in der Kunst und das tiefere Erfassen ihrer ganzen Sinngebung und Phänomene für die Gotterfahrung wird uns enthüllen, dass die Kunst alle ihre Ziele und Ideale erfüllen und sogar überschreiten kann, wenn sie beabsichtigt, die vielen, verschiedenen, wunderbaren Eigenschaften des göttlichen Bewusstseins zu entfalten, um dem Menschen die Erfahrung des Urgrundes aller Existenz, der Schönheit, der Güte, der Vollkommenheit und der Seligkeit zu vermitteln. Wenn wir durch die Kunst anstreben, unser geistiges Bewusstsein zu entwickeln, umfasst und übersteigt sie alle bisher erwähnten Zwecke, wie die Kunst als Vergnügen, als Erziehungsmittel, als Läuterung, als Kunst um ihrer selbstwillen, als Darstellung der Schönheit, als schöpferischer Selbstausdruck oder was es sonst noch für Erklärungen über sie gibt.

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Der Wert der klassischen europäischen
Kunst für die Gotterfahrung

In jedem von uns ruht latent etwas von einem Michelangelo und Raffael, von einem Bach und Beethoven, von einem Plato und Aristoteles, von einem Kopernikus und Kolumbus; etwas von den Heiligen und Mystikern und etwas von dem Genius grosser Forscher. Aus dieser Tatsache erklärt sich unsere natürliche, spontane Liebe in unseren Herzen, die wir diesen grossen Genien entgegenbringen und auch unsere innere Fähigkeit, ihre aussergewöhnlichen Leistungen anzuerkennen und zu würdigen. Etwas in unserer Seele fühlt sich mit ihnen verwandt. Wir vereinigen uns mit den grossen Künstlern vor der Schönheit, die sie schöpferisch darstellen und die wir beglückt bewundern.

Als Kinder der allwissenden Gottheit lebt in uns - durch eben diese Verwandtschaft mit Gott - die Sehnsucht nach Wissen und der unwiderstehliche Drang, immer mehr zu erfahren. Wie im sterbenden Goethe ruft etwas in uns nach Licht, nach mehr Licht und nach Wissen, nach immer grösserem Wissen.

Da in den inneren Tiefen unseres Wesens Gottes Allmacht verborgen liegt, besitzen wir die Fähigkeit zu unermüdlicher Anstrengung und den Willen, der im ruhelosen Ringen nach Licht und Vollkommenheit nicht zu beugen ist und der mit unnachgiebiger Entschlusskraft die hässlichen Unvollkommenheiten zu meistern versucht, welche die Materie in ihrer Trägheit und entstellenden Schwere auf