INHALTSVERZEICHNIS

Vorwort.

Einleitung

1. Kapitel: Die ewige Quelle des Lebens

2. Kapitel: Gott in der heutigen Welt

3. Kapitel: Gott im Menschen

4. Kapitel: Die Erfahrung des Göttlichen

5. Kapitel: Von der menschlichen zur göttlichen Erfahrung

6. Kapitel: Freiheit und Furchtlosigkeit

7. Kapitel: Weisheit im täglichen Leben

8. Kapitel: Glück und Freude in der Alltagserfahrung

9. Kapitel: Entfalte Deine Grösse

10. Kapitel: Licht auf dem Weg zur Vollkommenheit

11. Kapitel: Gott als die Vollendung menschlichen Lebens

12. Kapitel: Liebe ist alles

 

 

Vorwort

Von einem Buch mit dem Titel "Leben im göttlichen Licht" erwartet man viel. Wenn unser Leben so oft ein Leben der Finsternis und der Dunkelheit ist, wenn in unserem Leben so oft bedrängende Schatten das Helle verscheuchen, dann müsste ein Buch, das von einem Leben im göttlichen Licht spricht, selber zu einem Helfer auf dem Weg zum Licht werden. Hält das vorliegende Buch das, was es mit seinem Titel zu versprechen scheint?

Ich bin davon überzeugt. Das Buch ist praktisch, lebensnah und spricht doch von den höchsten Dingen. Es kann ein sehr dynamischer Führer werden zu einem Leben, das mehr als Sorgen, Resignation und Unglücklichsein ist, zu einem Leben, das nicht nur die Niederungen der Täler kennt, sondern die Höhen der Berge zu ahnen beginnt. Das Buch spricht kompromisslos nur vom göttlichen Licht, und dieses eine Thema wird in zahlreichen Variationen imme neu dargestellt. Es könnte der Gedanke kommen, ob ein derartiges Buch überhaupt Platz hat in einer Welt, wo verzweifelte Gier nach Lust, Berauschtheit, Karriere und materiellem Besitz ihre Orgien feiert. Ich glaube, dass gerade Bücher, die kompromisslos von den ewigen, unvergänglichen Werten sprechen und messerscharf Wesentliches vom Unwesentlichen trennen, heute dringend notwndig sind. Unsere eigene unglaubliche Trägheit braucht derartig kompromisslose, eindringliche Aufrufe, wie sie Swami Omkarananda an uns richtet. Es stellt sich nun die Frage, wer denn dieser "Rufer in der Wüste" ist.

Swami Omkarananda wurden schon im frühen Alter entscheidende Erfahrungen der Allgegenwart Gottes zuteil. Sechzehnjährig verliess er seine Grossstadtheimat und begab sich in die Himalayas, wo einer der grössten Weisen unserer Zeit die ungewöhnliche Reinheit dieses Menschen erkannte und ihn in den höchsten Mönchsorden aufnahm. Viele Jahre widmete er sich intensiven Studien aller Wissenschaften, schrieb zahlreiche Bücher, die internationale Anerkennung fanden, und wuchs immer mehr zu einem erleuchteten Heiligen heran. 1965 kam er erstmals in die Schweiz. Sofort war die erhebende Wirkung sehr gross. Eines der wichtigsten äusseren Ergebnisse stellt sein erstes deutschsprachiges Buch "Ein Licht in unserer Zeit" dar. Dort habe ich in der Einleitung ausführlicher über die Persönlichkeit Swami Omkaranandas gesprochen und darf wohl an dieser Stelle darauf verweisen. Das genannte Buch erlebte innerhalb von drei Jahren vier Auflagen - ein deutliches Zeichen der weitherum wahrnehmbaren geistigen Strahlkraft, die von den Schriften Swami Omkaranandas ausgeht.

1966 gründete er das Divine Light Zentrum in Winterthur, eine gemeinnützige Organisation, die jenseits aller Religions- und Konfessionsgrenzen dem kulturellen, ethischen und geistigen Fortschritt der Menschheit dient.

Wir haben bereits davon gesprochen, dass Swami Omkarananda kompromisslos das Wesentliche vom Unwesentlichen trennt und sich in einer unvorstellbaren Radikalität dem Göttlichen - und einzig und allein ihm - zuwendet. Wer das nicht begreift, wird die Gedankengänge und die Philosophie Swami Omkaranandas nicht verstehen. Ich bin in meinem Leben noch keinem Menschen begegnet, dessen Denken und Handeln derart eindrücklich auf das Absolute, auf Gott, bezogen war. Wenn wir aber aufmerksam die Bibel lesen oder Leben und Werk grosser Mystiker und Heiliger studieren, stossen wir durchwegs auf dasselbe Phänomen. Christus war durch und durch göttliches Feuer, und Er ist gekommen, dieses Feuer auf die Erde zu werfen, ja Er sehnte sich danach, dass es schon in uns brenne (Lukasevangelium 12,49). In Swami Omkarananda erleben wir in unserer nächsten Nähe, in unserer Gegenwart, eine Flamme, die nur für Gott brennt. Ich betrachte es als eine glückliche Fügung, dass wir diese Flamme nicht nur in der Literatur der Vergangenheit suchen müssen. Flammen aber brennen nicht, um uns ein ergötzliches Schauspiel zu bieten, sondern um uns selber anzuzünden.

J.W.

 

Einleitung

In unserem turbulenten und säkularen Zeitalter der Automatisation, der Atomkraft und des "Apollo 11", in dem auf der ganzen Welt die Religion als Bündel überholter Vorstellungen abgetan wird und sich die Menschen gierig nach Ersatz umsehen, um lediglich festzustellen, dass sie dadurch eher der Verzweiflung als dem Glück in die Arme getrieben werden, schenkt uns das vorliegende Buch etwas, das die fragende Vernunft des modernen Menschen befriedigt und anspornt, in dem das nach Liebe verlangende Herz Nahrung und Wachstum, das bedrängte Leben Befreiung und Stärke und der umgetriebene Geist Frieden und Sicherheit finden. Und was noch mehr ist als das: Der geistig Suchende gelangt bei eingehender Lektüre auf jenen hohen Weg, der einen Hiob sagen lässt, dass die Hand Gottes ihn berührt habe (Hiob 19, 21) und der Apostel Johannes erklären konnte: "Nun aber sind wir Söhne Gottes."

Das Licht unseres eigenen begrenzten und auf sich selbst gestellten Fassungsvermögens ist doch nicht ausreichend, um unser Leben zu einer stets aus sich selbst neu hervorquellenden Freude, Kraft und Erfüllung werden zu lassen. Es braucht die Unterstützung jenes anderen Lichtes, des Lichtes des göttlichen Bewusstseins, der Liebe und der Wahrheit in uns, über uns und rund um uns her, das mit grösserer Sicherheit als wir selbst besteht und ohne das unsere ganze nüchterne Sachlichkeit nur Illusion ist.

Das Licht der zeitlosen göttlichen Wirklichkeit wahrzunehmen und des von dieser Allmacht ausgehenden Schutzes sicher zu sein und aus Seiner grenzenlosen Gnade und Liebe in jeglicher Notlage schöpfen zu können, gibt mehr Kraft als jedes andere Mittel; es gibt dem Psychologen ein grösseres Wissen über die menschliche Natur, dem Arzt grössere Fähigkeiten zum Heilen, dem Wissenschaftler eine grössere Durchdringungskraft der Intelligenz, der Hausfrau und Mutter bessere Möglichkeiten, Harmonie und Glück um sich zu verbreiten. Swami Omkarananda stellt uns nicht einen Gott vor Augen, der weit entfernt von uns wäre, sondern der unmittelbar bereitsteht, uns weiterzuhelfen, unser Hoffen und Erkennen zu beleben und zu vertiefen und aus unserem Leben ein fortschrittgeladenes und erfolgreiches Epos zu gestalten.

Die Literatur Swami Omkaranandas zeichnet sich bekanntlich dadurch aus, dass sie dem Leser sehr viele einfache Methoden darlegt, um zur bewussten Erfahrung jener Beziehungen mit dem göttlichen Licht in Familie und Umwelt, in Beruf und Öffentlichkeit zu gelangen. Sie bringt uns in Berührung mit dem Göttlichen und bietet uns die Mittel dar, durch die wir in den Besitz von Frieden, Licht und Gottes Gnade gelangen. Kein Wunder also, dass seine Schriften allein in Europa, vor allem in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich nicht weniger als vierhunderttausend begeisterte Leser erreicht haben und der Leserkreis ständig im Wachsen begriffen ist.

Einer der auffallendsten und kennzeichnendsten Faktoren in der Philosophie Swami Omkaranandas ist deren Theozentrik. Sein ganzes Denken, sein ganzer Selbstausdruck, seine ganze Lebensschau ist im höchst machtvollen Bewusstsein der Wahrheit aller Wahrheiten, in Gott, tief verwurzelt. Sein gesamtes Leben und Denken ist Ausfluss dieser Verwurzelung in Gott. Diese Tatsache blieb denn auch nicht unvermerkt.

Wir können in dieser starken, ausgeprägten Theozentrik nicht eine persönliche Vorliebe oder Eigenheit erblicken oder sie als übertrieben und einseitig betrachten. Man schaue doch nur auf die grossen Schriften der Weltliteratur: Die bedeutendsten unter ihnen - was sind sie anderes als Bücher, die ganz und gar in Gott gegründet, Ausfluss der inneren Begegnung mit Gott und der Erfahrung Gottes sind. Ganz unbestreitbar erscheint für jene Grossen, die innige und direkte Gotterfahrung hatten, eine kräftige Theozentrik in all ihren Selbstäusserungen - sei es durch das gesprochene oder das geschriebene Wort oder durch ihr Leben selbst - als ein ganz und gar natürlicher und spontaner Selbstausdruck. Eine Theozentrik, wie wir sie für die Schriften, die Philosophie und das Leben von Swami Omkarananda so bezeichnend finden, wird ganz allgemein von allen grossen Schriften der Weltliteratur, wie auch von den Heiligen, Weisen und Mystikern in aller Welt geteilt.

Um die letzte Jahrhundertwende dürfte auf geistigem Gebiet der Höhepunkt der Materiebesessenheit, des Intellektualismus und der Geistentfremdung erreicht worden sein. Inzwischen haben die Ergebnisse der Naturwissenschaft selbst dazu beigetragen, diese Finsternis wieder ein wenig aufzuhellen. Doch so wie der Winter seine volle Macht erst entfaltet, nachdem der sonnenärmste Tag längst vorbei ist, so dringt auch die Kälte der geistigen Lichtarmut erst jetzt in voller Stärke ins Leben der Menschen ein. Der materialistische Denk- und Lebensstil kommt erst jetzt voll zur Auswirkung und ergreift alle Bereiche der modernen Gesellschaft, während unterdessen das Licht geistiger Erkenntnis bereits im Zunehmen begriffen ist.

Heute wird verschiedentlich festgestellt, dass die Wissenschaft auf einem toten Punkt angekommen ist, weil sie ihre Verbindung mit dem höheren philosophischen Denken verloren hat, während die Philosophie ihrerseits zwar das Ideal der Synthese aufrechterhielt, darüber jedoch an Wirklichkeitsnähe einbüsste.

Diese Tatsache wurde schon von einem Wissenschaftler wie P. Teilhard de Chardin vermerkt, wie auch von anderen prominenten Wissenschaftlern und Denkern, die schon vor Jahrzehnten Anregung zu einem einheitlichen Gedankengebäude auf naturwissenschaftlicher Grundlage gaben, das die Gesamtheit der Erscheinung Mensch miteinschliessen sollte. P. Teilhard de Chardin forderte eine naturwissenschaftliche Anthropologie, die das ganze Phänomen erfasst und nicht nur jenen Teil davon, der den gegenwärtig bestehenden Methoden zugänglich ist. Darüberhinaus stellte er die Forderung, das Phänomen als solches zu überschreiten, da der Mensch sich auf etwas hin entwickle, das jenseits des gegenwärtigen Phänomens liegt.

In der Philosophie Swami Omkaranandas ist die Forderung nach Überschreitung des Phänomens ganz und gar erfüllt, während jedoch bei Pater Teilhard de Chardin ein Entweder-Oder zwischen Philosophie und Naturwissenschaft gegeben zu sein scheint, besteht im Denken Swami Omkaranandas ein vielschichtiges Neben- und Übereinander verschiedener Erkenntnisbereiche und Erkenntniskräfte des Menschen, die sich auf höherer Ebene zur Synthese einen.

Dass die Theozentrik im System eines neuzeitlichen Denkers überhaupt so weitschweifiger Erklärungen bedarf, liegt in der Konvention der Wissenschaft und vieler philosophischer Strömungen begründet, jeden Terminus, der die Wirklichkeit "Gott" kennzeichnet, zu vermeiden. Da die Wissenschaft einen so grossen Einfluss auf unser gesamtes Leben und Denken ausübt, hat sich diese Konvention über weite Kreise der heutigen Gesellschaft ausgebreitet. Konventionen haben zuweilen die Funktion, irgendwelche Entwicklungsnotwendigkeiten zu schützen; doch gehört es zu ihrem Wesen, früher oder später zu erstarren und zum Hemmnis zu werden. Genauso wie im Leben des einzelnen, gibt es auch im Leben einer Gruppe oder der ganzen Menschheit ein Trägheitsmoment, das ein bequemes Verharren in eingefahrener Routine der geistigen Anstrengung neuen Voranschreitens vorziehen lässt. Swami Omkarananda indessen macht nie Umschweife oder auch nur den Versuch, die Wirklichkeit "Gott" sprachlich irgendwie zu umgehen, höchstens dass er verschiedenartigen Menschen gegenüber unterschiedliche Bezeichnungen gebraucht. Er ist sich dieser Wirklichkeit viel zu stark bewusst, um sie nicht hinter allen Gegebenheiten des äusseren Lebens zu erkennen und sich auf Schritt und Tritt auf sie zu beziehen. Sie ist im Grund die einzige Wirklichkeit, mit der er beständig umgeht, in der er lebt und aus der er lebt.

Der Gedanke der Höherentwicklung nimmt in seiner dynamischen Philosophie einen hervorragenden Platz ein. Doch ist für ihn nicht die Materie, sondern die individuelle Seele die vorgängige Tatsache: die aus Gott hervorgegangene Seele, die das Göttliche, das Ebenbild in sich trägt, der verlorene Sohn aus dem biblischen Gleichnis. Diese individuelle Seele durchläuft einen Prozess der Höherentwicklung, heraus aus dem Zustand der Unkenntnis über das ihr innewohnende geistige Selbst und hin zu einem Zustand geistiger Selbsterkenntnis; aus einem Stadium, in dem das göttliche Leben mit seiner Kraft, seinem Frieden und seiner Erkenntnis und Vollkommenheit nur latent vorhanden ist, auf einen Zustand hin, wo die Fülle des göttlichen Lebens offenbar wird, wo sich das göttliche Bewusstsein im Menschen seiner selbst voll und ganz bewusst ist und sich selbst als eins mit dem einen höchsten Sein erfährt.

Für Swami Omkarananda sind die vergänglichen Phänomene nicht von erstrangiger Bedeutung und Wichtigkeit. Ihnen eine zu hohe Bedeutung beizulegen würde den zentral wichtigen Fortschritt und das Ziel der Evolution aus dem Auge verlieren lassen. Es wäre, wie wenn man dem Kleid des Menschen in übertriebener Weise Beachtung schenkte, so dass der Mensch selbst darüber fast vergessen würde, während man den äusseren Hüllen alle Aufmerksamkeit zuwendet. Das Einzige in der Materie, was für Swami Omkarananda zählt, ist das göttliche Bewusstsein im Inneren, das im Menschen zu seinem Selbstgewahrsein erwachen kann, da hier die entsprechend entwickelten Gehirnstrukturen vorhanden sind. Dieses Bewusstsein ist für ihn alles, und er sieht es in allem und in allen. Es ist das allem zugrundeliegende Göttliche.

Für Swami Omkarananda wird dieses in aller Materie und im Menschen schlummernde Göttliche als eine höchst dynamisch-reale Gegenwart erlebbar, eine nahe und unmittelbare Gegenwart, eine überaus liebevolle Gegenwart, die nicht nur unpersönlich und abstrakt, sondern als Grundlage jeglicher Persönlichkeit zugleich auch Persönlichkeit in höchster Potenz ist. Der Gottesbegriff Swami Omkaranandas ist nicht darauf zugeschnitten, Philosophen und Theologen zufriedenzustellen, sondern darauf, den Menschen seinem höchsten Ziele, der Vergöttlichung, entgegenzuführen.

Das Gottesbild Swami Omkaranandas, wie persönlich und praktisch und menschennah es auch sein mag, hält jedoch den Menschen keineswegs in alten überholten Denkweisen und Auffassungen von Welt und Leben fest. Seine Konzeption des Göttlichen ist durch und durch empirisch, philosophisch und selbst wissenschaftlich unanfechtbar und zukunftsweisend. Sie vermittelt dem Menschen einen Lebensstil, der ihm in seiner Ganzheit mehr angemessen ist als irgendeiner der gegenwärtig gebräuchlichen. Gott ist für Swami Omkarananda keine Idee menschlichen Denkens, kein Produkt menschlichen Geistes und noch viel weniger eine wissenschaftliche Hilfshypothese zur Auffüllung menschlicher Erkenntnislücken. Im Gegenteil betont Swami Omkarananda die Wichtigkeit, die Leuchtkraft des Geistes - auch des Intellektes - aufs höchste zu steigern und die Grenzen der Erkenntnis so sehr auszuweiten, wie es die jeweiligen Erkenntnismittel erlauben. Um über die Auflösungskraft des Intellektes hinauszugelangen, ist die Entwicklung höherer Geisteskräfte nötig, was durch beständiges Nachsinnen über Hohes und Höchstes erreicht wird. Dadurch gelangt der Mensch in eine Geistesverfassung, wo die Realität Gottes niemals mehr dem Blick entschwindet, sondern diese höchste Wirklichkeit durch alle anderen Gegebenheiten hindurchleuchtet, wo Gott eine ungleich höhere Realität gewinnt als alles, was durch die Werkzeuge von Sinnesorganen und Verstand hindurch wahrgenommen wird. Gott wird dann in allem erschaut als das eine Sein, als der zur Höherentwicklung Antreibende in allen Wesen, als die unendliche Liebe, als das unendliche Licht, als unendliche Erkenntnis, Kraft und Vollkommenheit.

Gott allein ist der Friede, und die Suche nach diesem Frieden steht hinter allen Bemühungen um den Frieden, die heute so weitverbreitet und so erfolglos sind.

Die intellektuellen und sozialen Strömungen und Konventionen sind Phänomene, die kommen und gehen und einen so stark auf die Wirklichkeit hinter den Phänomenen bezogenen Geist wie Swami Omkarananda nicht beeindrucken können. Es liegt seiner inneren Berufung fern, sich in Tageskämpfe zu mischen. Seine Aufgabe ist es, uns die zeitlose Wahrheit in Erinnerung zu rufen, dass der Mensch kein vergängliches Geschöpf ist, sondern ein unendliches und unsterbliches Bewusstsein aus Gott in sich trägt, das zu erfahren höchstes, unvergängliches Glück und ewiges Leben bedeutet.

Der vielseitige Wert der Schriften Swami Omkaranandas ist geradezu auf diese Theozentrik zurückzuführen und geht aus dieser unmittelbaren, unmissverständlichen Begegnung mit den vielen Dimensionen der Einen Wahrheit zurück. In einer Welt der begrenzten, relativen und bruchstückhaften Wissenschaften und Erkenntnissysteme kann allein Gott Bauplan und Substanz der Wissenschaft aller Wissenschaften, der Erkenntnis aller Erkenntnisse, der Kunst aller Künste, des Lebens allen Lebens bilden, und keine Wissenschaft, keine Erkenntnis, keine Kunst, kein Leben kann auf die Dauer Bestand haben ohne die Berührung mit dieser kraftspendenden, emporhebenden und tragenden Wahrheit, und kann auch nicht von Ängsten und Problemen befreien noch eine Quelle des Friedens, des Glücks und des Lichtes sein. Das vorliegende Buch geht auf ein Leben im Licht des Göttlichen zurück. Wenn wir eine solche dargereichte Hilfe und die daraus fliessende Anregung, innere Freiheit und Kraft auf den verschiedenen Stufen und in den jeweiligen Berufungen unseres Lebens nicht ergreifen, dann entbehren wir etwas sehr Kostbares, ja etwas Unerlässliches.

Helli Wagner-Glanzmann

 

 

1. Kapitel

Die ewige Quelle des Lebens

Die Grundlage aller Existenz

Gott ist kein Erzeugnis dichterischer Phantasie, kein Gegenstand visionärer Träume, kein Mythos menschlichen Bewusstseins, sondern die einzige Wirklichkeit, ohne die das Leben keine erhaltende Kraft, die Zeit keine Existenz, die Bewegung keinen Antrieb, der Geist keine Intelligenz, die Materie keine Substanz, die Seele keine Seinswirklichkeit und das Bewusstsein kein Bewusstsein seiner selbst hat. Nichts Erschaffenes hat tragenden Grund oder verwirklichende Wahrheit in sich.

Das Greifbare, das Stoffliche der Materie mag die einzige Erfahrung für den körperbewussten Menschen sein; aber für den Weisen ist die Spiritualität der Materie eine lebendige Erfahrung, und obwohl für die suchende Intelligenz eines Philosophen Gott ein Ideal darstellt, ist Er für den erleuchteten Weisen eine Tatsache. Das Göttliche offenbart sich uns in der Vision, nicht in begrifflicher Weise. Diese Schau stellt sich als lebendige Wirklichkeit dar, als eine Realität unmittelbarer, fortgesetzter, konkreter Erfahrung.

 

Was ist Gott?

Das Allerhöchste in Dir ist Gott. Alles, was vortrefflich, erhaben, edel, wahr und wertvoll in Dir ist, das ist Gott. Gott ist das in Dir, was Dein Bewusstsein und dessen Eigenschaften, Dein Leben und dessen Ausdrucksweisen trägt und erhält und doch unendlich viel höher ist als diese. Jenes in Dir, aus dem Deine Liebe, aus dem Dein Sinn für das Edle und Schöne, Dein Wunsch nach Vollkommenheit entspringt, das ist Gott. Das in Dir, das Dein Gewissen zur Funktion bringt, aus dem Dein Glaube und Deine Fähigkeit, geistige Wahrheiten zu verstehen, hervorgeht - das ist Gott. Gott ist all das in Dir, ohne das Du nicht leben, nicht atmen, nicht wirken, nicht denken, nicht fühlen kannst, ohne das es nicht möglich wäre, Werten, Idealen und höheren Stufen der inneren Entwicklung nachzustreben.

Dein Körper ist nicht das Höchste oder Grösste. Er ist Begrenzungen unterworfen. Er altert und vergeht. Der menschliche Geist ist grösser; doch auch er ist nicht das Höchste in Dir, noch ist es Dein unbewusstes inneres Wesen. Erst das Überbewusstsein, das der Beobachter und Zeuge all Deiner mentalen Zustände und selbst noch des beobachtenden Bewusstseins in Dir ist, das ist Gott. Gott ist vollkommen. Bringe die Rastlosigkeit Deines Geistes zum Schweigen, und erkenne diese Gottheit in Stille und Liebe, im Licht göttlicher Weisheit.

 

Von Gott zu Gott geht unsere Reise

Aus Ihm, durch Ihn und zu Ihm hin ist alles.

Sein ist die Ehre in Ewigkeit! Röm. 11,36.

Wäre in jenem schlammigen Teich Gott nicht zugegen, könnte auch keine Lotosblüte daraus erblühen. Wie könnten aus der Menschheit Heilige hervorgehen, wenn Gott nicht im Menschen wohnen würde? Wäre nicht Gott in der Welt gegenwärtig, gäbe es weder Güte noch Freude, und niemand wollte auch nur eine Sekunde lang leben. Das Leben ist kostbar, weil Gott seine erhaltende Essenz und Freude ist. Wenn wir Gott bewusst erkennen, ist das Leben unendlich erfüllt, und wir erlangen grenzenlose Freude, Macht und Seligkeit.

Durch jeden individuellen Geist, jedes individuelle Leben wirkt das eine unendliche Sein und bringt sich selbst zum Ausdruck. Deshalb müssen letztlich alle Wesen zurückkehren in den einen wesentlichen, unbegrenzten Zustand und zur Vollkommenheit der einen höchsten Wirklichkeit. Die Wege, auf denen die Einheit mit jener einen Wahrheit, jenem einen Sein erreicht wird, sind entsprechend der Begabung und Veranlagung, den kulturellen und sonstigen Eigentümlichkeiten des einzelnen verschieden.

Ohne Gott könnten wir nicht leben, könnte überhaupt kein Leben bestehen und gäbe es kein bewusstes Wirken unserer Intelligenz. Keine Erfahrung - gleich welcher Art - wäre dann möglich. Leicht ist es, das Göttliche zu leugnen; doch ist das die Waffe jener, die gierig nach Sinnesfreuden Ausschau halten und ein Leben führen, das im Körper und seinen unmittelbaren Bedürfnissen aufgeht.

Wir leben in Gott, wir bewegen uns in Gott, und wir haben unser Sein in Gott. Welche Kraft bildete uns, und welche unvergängliche Essenz wohnt in uns? Gott. Wo sind wir? In Gott. Wohin gehen wir? Zu Gott. Was ist Ziel allen Lebens und aller Erfahrung? Wiederum Gott, die bewusste Erfahrung der unendlichen Schönheit, der Kraft, des Friedens und der Seligkeit Gottes.

Die Welt mag schon alt sein, doch ist Gott seit Beginn der Schöpfung vor Billionen mal Billionen Jahren keine Sekunde älter geworden. Die Zeit hat keinen Einfluss auf Ihn. Der Raum kann Ihn nicht umspannen. Er ist anfanglos und ohne Ende. Er ist zeitloses Sein der unendlichen Vollkommenheit. Er ist die Wahrheit, die war, ist und sein wird. Gott allein war. Er allein ist und wird immer sein: Gott als Licht, Gott als Liebe, Gott als Leben, Gott als Schönheit und Glückseligkeit.

 

Jenseits von Zeit und Raum

Die zeitlose Wirklichkeit ist die Seele aller Zeitprozesse. Die endlosen Zeitmomente sind in das Wesen der Zeitlosigkeit eingewoben. Wir könnten niemals den Zeitprozess verstehen, wenn wir nicht in uns den Sinn der Zeitlosigkeit hätten. Wir könnten die rote Farbe nicht unterscheiden, wenn wir die blaue Farbe nicht kennen würden. Wir verstehen und unterscheiden das weibliche Wesen durch seine Gegenüberstellung zum männlichen. Mit Hilfe des Zeitlosen und als Abhebung von diesem Hintergrund verstehen wir die Zeit. Der Sinn für die Zeit setzt die Wahrnehmung des Zeitlosen voraus und schliesst sie mit ein.

Das Raumlose ist die Substanz allen Raumes. Im Film wäre es ohne die weisse Leinwand nicht möglich, das Epos, den Handlungsverlauf zu projizieren und abrollen zu lassen. Durch die reine, weisse, unbewegte und sich gleichbleibende Leinwand wird es möglich, die vorübereilenden, niemals gleichen Bilder aufzufangen. Auf der unveränderlichen Bildfläche der raumlosen Wirklichkeit wird die wechselvolle Szenerie des räumlichen Universums zur Darstellung gebracht und festgehalten.

Die unvergängliche Essenz in den vergänglichen Dingen ist der Vater, die Ursache der ganzen Schöpfung. Deshalb geht nichts verloren, wenn vergängliche Dinge vergehen, denn immer neue vergängliche Dinge werden hervorgebracht von Dem, Das selbst unvergänglich ist. Gänzlich in der Erfahrung des Vergänglichen gefangen sein, heisst, menschlichen Bedingungen wie Unglück, Unreinheit, Schwäche, Hässlichkeit und Tod verhaftet zu sein. Sich des Unvergänglichen bewusst sein, während wir uns mit vergänglichen Dingen befassen, heisst, sich über die menschlichen Bedingungen erheben und Glück, Macht, Schönheit und unsterbliches Leben gewinnen.

 

Gott ist Schönheit

Schönheit ist Gott, und Gott ist Schönheit. Es ist nicht von Bedeutung, ob diese Schönheit ungeoffenbart und absolut in der transzendenten Wirklichkeit ruht oder ob sie durch literarische Formen, künstlerische Arbeit, wissenschaftliche Einsichten oder philosophische Begriffe, durch eine Landschaft oder durch die menschliche Gestalt, durch Denken, Fühlen, Handeln und Erleben des Menschen in Erscheinung tritt. Schönheit ist die wesentliche Natur des inneren göttlichen Bewusstseins in Dir.

Unwissenheit und ihre düsteren Selbstäusserungen sind die Verneinung jeglicher Schönheit. Der Hass und seine zerstörerischen Werke sind Hässlichkeiten der schlimmsten Art. Wo immer Niedergeschlagenheit, Verzagtheit, Missbehagen herrschen, da fehlt die Schönheit. Ein höher entwickelter Mensch ist schöner als ein weniger entwickelter. Ein gütiger, liebevoller, weiser Mensch ist schön, möge sein Äusseres noch so hässlich sein, denn Gott wohnt in der Güte, Liebe und Weisheit jenes Menschen. Und obwohl etwas vom Lichte Gottes dem Körper eines schönen Menschen innewohnt, so ist Gott doch nicht im Herzen eines solchen Menschen, wenn dieser in Gedanken und Gefühlen moralisch und spirituell gesehen schlecht ist.

Suche die Schönheit in all ihren Formen. Erkenntnis und ihr Wirken sind Schönheit. Liebe und ihre Taten sind Schönheit. Güte und ihr Ausdruck sind Schönheit. Freude und Frieden und ihre Erscheinungsweisen sind Schönheit. Mentale, moralische, geistige und sogar materielle Erleuchtung sind Schönheit. Schönheit ist Licht, Liebe, Freude, Frieden, Vollkommenheit und deshalb Gott.

 

Gott ist nicht nur das gestaltlose Unendliche, sondern auch eine all-liebende Persönlichkeit

Die Gottheit ist nicht nur ein unpersönliches und formloses Absolutes, sondern eine überaus liebenswerte, allschöne Persönlichkeit, eine sehr nahe allerfüllende Form von allbeschützender Macht. Sie ist nicht nur jene abstrakte und ferne Unendlichkeit von Existenz oder Bewusstsein, sondern auch unser vertrauter Freund, unsere geliebte Mutter, unser gütiger Vater. Wir können mit Gott eine innige Beziehung jeglicher Art eingehen, Ihn auf jegliche Weise erfahren, Seine Vollkommenheit tatsächlich und auf eine Weise wahrnehmen, dass sogar unser empirisches Bewusstsein erkennt, dass es keine Erfahrung gibt, die wirklicher, verlässlicher und vollständiger ist als Gott-Erfahrung.

Gott ist jetzt hier. Er ist in Dir als höchstes inneres göttliches Bewusstsein. Er ist rings um Dich her als lebendige, dynamische, allerhaltende Gegenwart. Verbinde Dich mit Ihm durch tiefe innere Betrachtung. Empfinde Ihn im Glauben. Erkenne Ihn durch göttliche Erkenntnis. Bete Ihn an im Geist. Erlange Einheit mit Ihm durch göttliche Liebe.

Gott ist eine absolut unentbehrliche Unmittelbarkeit des Bewusstseins, eines Bewusstseins, welches nicht nur die elementare Grundlage aller Zustände, Arten und Weisen der individuellen Wahrnehmung, sondern selbst das reine, einfache, absolute Bewusstsein ist, vollkommen verhüllt in seinem eigenen selbstleuchtenden Licht, und sich dennoch in Sport und Spiel und allem Geschehen als das aktive Kontinuum zum Ausdruck bringt, das in einer geheimnisvollen Unendlichkeit der Freude alles, was in der Erscheinungswelt besteht, erschafft und erhält.

Offenbare Seinen Frieden! Verbreite Sein Licht! Bringe Seine Vollkommenheit zum Ausdruck!

 

Das Eine und das Viele

Gott ist Eines, Seine Schöpfungen und Geschöpfe sind viele. Der menschliche Geist ist Eines, der Gedanken sind viele. Holz ist Eines, hölzerne Dinge gibt es viele. Der Himmel ist Eines, Wolken sind viele. Das Meer ist Eines, Wellen sind viele. Jener ist äusserst intelligent, wahrhaft weise und gesegnet, der das Eine im Vielen und im Vielen das Eine wahrnimmt, der weiss, dass das Eine mehr ist als das Viele, und der inmitten des Vielen, das vergeht, das eine Unvergängliche erfährt.

Die wahrhaft Grossen im Geiste erkennen Gott. Die reinen Herzen fühlen Ihn. Die von Heiligkeit durchdrungenen Seelen erfahren Ihn. Die verfeinerten Naturen empfangen Ihn als Antwort auf ihre dringend inständigen Gebete. Die Mystiker erkennen in ihrem Inneren ihre Identität mit Gott. In erhobenen Zuständen unseres inneren Bewusstseins, erstrahlt uns die Gegenwart Gottes in vollem Licht. Unser höheres Selbst gewahrt Ihn. Unsere Liebe zum Schönen erkennt Ihn als die Schönheit aller Schönheiten. Unsere Suche nach Wahrheit entdeckt Ihn als die Wahrheit aller Wahrheiten. Die höchsten Aufschwünge unseres kontemplativen Bewusstseins befähigen unser inneres Wesen, eine bewusste Verbindung mit Ihm zu erlangen.

 

Gott, das Gute und das Böse

Gott ist All-Liebe. Seine Barmherzigkeit ist ohne Grenzen. Er liebt jedes Wesen, das Er erschuf, als wäre es Sein einziges Kind. Die Guten umgibt Er wie ein Festungswall mit Seinem Schutz. Die Bösen werden nicht bestraft oder gar verdammt, vielmehr verursachen sie sich durch ihre falschen Gedanken, Gefühle und Handlungen selbst all die Schwierigkeiten und schmerzlichen Erfahrungen, damit sie auf diese Weise auf den rechten Weg kommen und ihr Anrecht auf Gottes liebevollen Schutz und Seinen unerschöpflichen Reichtum zurückerlangen.

Keine Mutter straft ihr Kind um der Strafe willen, sondern nur, um ihm den Weg zu körperlicher, geistiger, seelischer und moralischer Gesundheit zu erleichtern. Die Strafe einer Mutter ist von Liebe getragen, von Weisheit gelenkt und in der Absicht ausgeführt, dem Kind die Wohlfahrt, die Ehre und den Reichtum zu sichern, die seine Mutter ihm so sehr wünscht. Eine Mutter ist bereit, allerlei Schmerzen auf sich zu nehmen und für ihr Kind jedes Opfer zu bringen, um es glücklich zu machen. Wieviel mehr trifft das auf Gott zu, dessen Liebe jede Mutterliebe bei weitem übertrifft!

 

 

2. Kapitel

Gott in der heutigen Welt

Gott ist die ewige und unmittelbare Gegenwart im Universum und in menschlicher Erfahrung

In diesem Augenblick ist Gott bei jedem von uns mit gleicher Kraft ganz und gar zugegen, wie Er es bei den grossen Gründern der unsterblichen Weltreligionen war. Der Raum um uns und in uns ist ebenso vollkommen von leuchtendem Gotteslicht durchstrahlt wie der Raum, der die grössten Propheten, Heiligen, Weisen und Mystiker früherer Zeiten umgab und durchdrang. In diesem Raum, in dem wir uns gerade befinden, ist nicht weniger von Gottes Gegenwart, Macht und Gnade anwesend, als dies in dem Garten in Italien der Fall war, in dem der heilige Augustinus dem Göttlichen begegnete; auch nicht weniger als an den Ufern des Jordan, wo Jesus nach der Taufe durch Johannes aus dem Wasser emporstieg. Zu gar keiner Zeit menschlicher Geschichte, in keinem Abschnitt unseres Lebens und an keiner Stelle des Raumes ist Gott jemals weniger gegenwärtig. Seine Abwesenheit ist lediglich Folge unserer begrenzten Wahrnehmungsfähigkeit, als Auswirkung der Erbsünde oder uralten Unwissenheit über das Selbst und das alldurchdringende Sein im ganzen Universum.

Die Sonne scheint heute nicht weniger leuchtend als vor sechstausend Jahren; doch kann sie noch so hell scheinen, die Blinden sehen sie nicht. Sie leben im Dunkeln und stellen fest, dass es so etwas wie Sonnenschein und Licht nicht gibt. Die Sonne hört nicht auf zu scheinen, weil etliche sie aufgrund eines Mangels ihrer physischen Wahrnehmungsfähigkeit nicht sehen können. Gott ist in der Welt von heute nicht weniger strahlend zugegen oder fern von der Welt, nur weil Tausende Ihn nicht schauen und erkennen, wie ja auch in den ruhmvollen Anfangszeiten geistiger Überlieferung Tausende Ihn nicht sehen konnten.

Ein Mensch muss sich von allen Begrenzungen der Wahrnehmung befreit haben, um Gott jederzeit und überall wahrnehmen zu können. Solche freien Menschen voll Klarsicht sind Menschen der universalen Liebe, voll göttlicher Weisheit, von geläuterter Intelligenz. Zu jedem Zeitpunkt menschlicher Geschichte und an allen Orten können wir Gott erfahren. Gott ist jetzt hier und überall zugegen. Er ist bei uns und um uns und ringsumher mit all Seiner unendlichen Schönheit, Gnade, Liebe und Vollkommenheit.

 

Gott in der Welt von heute

Gott ist in der heutigen Welt nicht weniger zugegen als zu den Zeiten eines Abraham und eines Mose. Der menschliche Geist sollte sich nicht der Täuschung hingeben zu meinen, Gott sei heute weniger da, weil zu viele Kriege geführt werden und zu viel Unrecht in der Welt geschieht. Dem liegt verkehrtes Denken zugrunde. Zu keiner Zeit ist Gott von uns getrennt und fern der Welt. Haben die Rosen aufgehört zu duften, weil Krieg und Unrecht in der Welt ist? Genausowenig hat Gott aufgehört, Sein Licht und Seine Gnade in die Menschheit auszustrahlen. Nicht einen Tag lang ist die Sonne verschwunden und von uns getrennt, nicht einen Tag lang hat sie sich von der Welt zurückgezogen; es liegt vielmehr am Träumer, der auf einem Sandhügel liegt und träumt, er habe sich in einem schrecklich finsteren Wald verirrt. Nirgends ist der Sonnenschein abwesend - ausser funktionell gesehen für den Träumer. Ebensowenig ist Gott irgendwo in der Welt und im eigenen Leben abwesend - ausser funktionell für jenen Träumer, der in der blossen Erfahrung seiner Sinne befangen ist.

Die Himmel rühmen heute die Ehre Gottes nicht weniger als in biblischer Zeit. Das gestirnte Himmelszelt über uns lässt Gott für die heutige Menschheit nicht weniger sichtbar werden als zur Zeit eines Immanuel Kant. Gott ist uns näher als unser Atem oder als unser Pulsschlag, und Er kann durch jeden von uns zu jeder Zeit erfahren werden, wenn wir nur die Bedingungen erfüllen und die nötige Ausrüstung dazu erwerben.

Befänden sich ein Dutzend der grössten Weisen, Mystiker, Heiligen und Propheten unter uns - wo würden sie Gott wohl erfahren? Wo erlebten die grossen Söhne der Vergangenheit Gott? Da, wo sie sich gerade aufhielten, das heisst, irgendwo auf der weiten Welt - gleich, in welcher geschichtlichen Epoche sie lebten.

 

Das eigentlich Reale im Leben ist unsichtbar

Das Unsichtbare ist der Ursprung des Sichtbaren. Die Macht und Stärke des Sichtbaren beruht auf dessen innerem Kontakt mit dem Unsichtbaren. Das Ungesehene ist das eigentlich Wirkliche. Das Gesehene ist die Auswirkung des Ungesehenen und nur so weit wirklich, als es mit dem Ungesehenen in Verbindung bleibt. Das Absolute ist der Urquell all dessen, was da ist. Alles Offenbargewordene hat nur so lange Bestand und Dauer, als es mit dem Absoluten in Verbindung steht.

Das Unendliche wohnt in allen endlichen Formen. Wenn das Endliche in der Vorstellung, von allem anderen unterschieden zu sein, eine unabhängige Existenz für sich beansprucht, beginnt es zu leiden. Das Endliche ist jedoch unendlich glücklich und erfüllt mit Allmacht und dem Gefühl der Allgegenwart, sobald es sich bewusst wird, dass sein wahres Sein vom Unendlichen kommt, sich im Unendlichen befindet und vom Unendlichen getragen wird.

 

Gott, das Unbekannte und das Bekannte

Wir haben Gott nicht gesehen, aber die Liebe sehen wir in all ihren Äusserungen; weil aber Gott die Liebe ist, sehen wir auch Ihn. Entfalte in Dir immer grössere Liebe, und Du wirst Gott schauen!

Wir kennen Gott nicht, aber die Wahrheit verstehen wir. Da Gott die Wahrheit ist, verstehen wir somit auch Gott. Halte immer mehr an der Wahrheit fest, und Du wirst Gott erkennen!

Wir erleben Gott nicht, aber täglich erfahren wir Güte. Da Gott die Güte ist, erleben wir somit auch Gott. Entfalte immer mehr Güte, und Du wirst Gott erfahren!

Gott ist unsichtbar, aber die Schönheit können wir sehen. Da Gott die Schönheit ist, ist Gott sichtbar. Liebe die Schönheit immer mehr, und Du wirst überall Gott erblicken!

Gott können wir leugnen, aber das Bewusstsein, das die Grundlage unserer Intelligenz, unserer Wahrnehmung und Erkenntnis ist, kann nicht geleugnet werden. Weil aber Gott Bewusstsein ist, und somit auch das Bewusstsein, das Ihn leugnet, können wir Gott nicht leugnen. Entfalte und erweitere Dein Bewusstsein durch zunehmende Liebe und Güte oder wachsendes Wissen und vertiefte Weisheit, durch Streben nach Schönheit und Wahrheit, durch Dienst am Wohl der Menschheit oder hundert andere zeitüberdauernde Weisen. Somit wird Dir Gott zur lebendigen Erfahrung und zur Quelle unzerstörbaren Lebens, beständiger Freude, unendlichen Friedens und letzter Vollkommenheit.

 

Überall ist Gott, Gott, Gott

Etwas tief in unserer Seele spricht ständig mit Johannes, dem Evangelisten: "Geliebte, nun sind wir Söhne Gottes!" Jahrhunderte, nachdem Jesus erklärte, dass das Reich Gottes in uns ist, konnte ein Meister Eckhart bestätigen, dass Gott die Mitte des Menschen ist. Diese universale und zeitlos gültige Erfahrung findet in allen Zeitaltern und Kulturen ihren Ausdruck. Es ist dies eine unauslöschliche Wahrheit. Wir leben im Königreich Gottes, das in uns selbst ist: Gott im Menschen und Gott ausserhalb des Menschen; Gott in der Schöpfung und als die gesamte Schöpfung, und Gott als der alle Schöpfung Transzendierende. Gott überall.

"Hebe den Stein hoch, und du wirst Mich finden; spalte das Holz, und Ich bin da!" lautet ein apokryphes Jesuswort. Wiederholte und sich selbst bestätigende Erfahrung lässt Gott für uns überall sichtbar werden. Dieselbe Erfahrung findet ihre Bestätigung in allen grossen und zeitlos gültigen Schriften der Welt. Wo wäre im Meer kein Salz vorhanden? Wo in der Schöpfung ist die alles erhaltende Seinsgrundlage des Schöpfers nicht?

 

Die Grossen sind die Zeugen für Gott

So weise wie ein Salomo sind wir nicht, auch nicht so geistesgewaltig wie ein Plato, so rein wie eine heilige Therese, so gütig und liebevoll wie ein heiliger Franziskus, oder von solch hoher seelischer Reife wie der römische Kaiser Marc Aurel. Welches Recht haben wir dann, die Existenz Gottes zu leugnen, die jene bejahten, die religiösen Offenbarungen zurückzuweisen, die ihnen als Erfahrung zuteil wurden?

Grosse Geister nehmen Gott wahr. Unsere kleinen Gemüter zweifeln und verneinen. Grosser Glaube findet Ihn. Kleiner Glaube nörgelt und zeigt, wie unzulänglich er ist. Grosse Liebe erfährt Ihn, während unsere kleine Liebe eifrig mit ihren eigenen vergänglichen Freuden befasst ist. Grosse Güte lebt in Ihm, während unsere kleine Güte mit sich selbst zufrieden ist, bis sie eines Tages unsanft erwacht und ihre Täuschung einsieht. Je früher wir versuchen, Gott durch tiefe Einsicht, starken Glauben, grosse Liebe und Güte kennenzulernen und zu erfahren, umso besser für uns.

 

Schein und Wirklichkeit

Lasse Dich nicht vom Schein betrügen! Unter der Hülle von Mensch und Natur ist Gott in höchstem Masse sichtbar. Unter der Verhüllung des Tages sind die Sterne sichtbar. Auch wenn es Tag ist, sind die Sterne da, genau so hell und leuchtend wie in der Nacht. Hinter den Worten des Menschen liegen die Gedanken, und hinter den Gedanken ist der Geist des Menschen. Hinter dem Geist des Menschen liegt das eine gemeinsame universale Bewusstsein. Hinter dem Bewusstsein ist Gott.

Die Sterne sind immer da. Die Wolken kommen und gehen. Es wechselt der Tag mit der Nacht, doch die Sterne bleiben leuchtend wie zuvor. Worte verwehen, Gedanken vergehen. Das menschliche Gemüt verändert sich, doch das Bewusstsein an sich ist immer dasselbe, stets gleich lichtvoll unsterblich. Erkenne Es und lebe in Seinem Licht! Erfahre Es und lasse die Wunder Seines Schöpfertums, Seine Seligkeit, Seinen Frieden, Seine Vollkommenheit und Unsterblichkeit durch Dich sich offenbaren!

 

Von der materialistischen Behauptung zur mystischen Erfahrung

Gott allein ist, so sagen die Mystiker. Gott ist und die Welt ist auch, so äussern sich die Theologen. Die Welt allein ist, so tönt es im Lager der Materialisten. Die Erfahrung des Mystikers ist wirklich, weit und erleuchtend. Die Erfahrung des Theologen bezieht sich auf die Gedankenebene, während die der Materialisten auf blosser Sinneserfahrung beruht.

Unter dem Druck des Lebens wird der Materialist schliesslich einmal zum Theologen, wächst der Theologe zum Mystiker heran. Gesegnet jene, welche die Unreife des Materialisten hinter sich lassen und für die der Weg in die dynamische Welt mystischer Erfahrung frei ist.

 

 

 

3. Kapitel

Gott im Menschen

Kein Mensch befindet sich ausserhalb des göttlichen Lichtes

Der Mensch ist ein seltsames Wesen. Während er bis zum Ausschluss aller höheren Interessen irdischen Vergnügungen nachgeht, steigt aus seinem Inneren ein Empfinden für das Unangemessene irdischer Freuden auf. Er wird durch sein eigenes Verlangen nach Freude gezwungen weiterzuschauen, die Zukunft ins Auge zu fassen und Ausschau zu halten nach einer Freude, die unverbrüchlich und ohne Ende ist.

Während sein begrenzter Verstand es für sicher hält, dass die Welt alles ist, dass das Leben auf Erden alles ist, und es nichts Höheres gibt als das menschliche Denken, merkt er, wie aus seinem Inneren eine andere Stimme spricht und ihm sagt, dass er ohne die Anerkennung Gottes nicht weiterkommt. Während sich der Mensch mit der ganzen Kraft seiner Leidenschaft an die Erde und an all das klammert, was sie an Belohnungen und Freuden zu bieten hat, wird sein Herz von einem ständig nagenden Gewissen bedrängt, das ihn nicht in Ruhe lässt, bis er die Moralgesetze beachtet und die Suche nach dem Ewigen beginnt.

Dazu sagt Albert Einstein: "Der Mensch empfindet die Bedeutungslosigkeit menschlichen Begehrens und menschlicher Ziele und zugleich die Erhabenheit und wunderbare Ordnung, die sich sowohl in der Natur als auch in der Welt des Denkens offenbaren. Er schaut auf die individuelle Existenz als auf eine Art Gefängnis und möchte das Universum als ein einziges bedeutungsvolles Ganzes erfahren."

 

Gott ist die höchste und alles erhaltende Wirklichkeit im Menschen

Gott ist keine blosse Hypothese, nicht jemand, dessen Sein als solches bestritten werden könnte, wie das gewisse, von fanatischem Atheismus beherrschte Geister stets getan haben. Er ist vielmehr jene alldurchdringende geistige Gegenwart, die als Glaubenskraft im Frommen und als Macht der Verneinung im Atheisten lebt, die im Fluss der Dinge und Umstände ringsumher sowie in den Vorkommnissen unserer Erlebniswelt pulsiert und über ihnen wacht.

Unsere Erfahrung zeigt, dass Gott nicht nur die ferne, überkosmische Realität und eine pantheistische, alldurchdringende Gottheit im Sinne Spinozas ist, sondern auch die im tiefsten Grunde verborgene Macht in der inneren Gesetzmässigkeit des Menschen, in unserem eigenen Wesen, in der Welt, in der ganzen Natur, in dem, was die Natur übersteigt sowie auch Das, was das vollständig transzendente Andere ist. Gott ist keine blosse Annahme des menschlichen Geistes, kein blosser Begriff, der sich den dialektischen Denkkräften selbstherrlicher Rationalisten als Spielball anböte. Seine Realität gründet sich für uns auf die Tatsache unserer inneren geistigen Erfahrung der unaussprechlich transzendenten Gottheit, die im Leben hier empfunden und sogar als immanente Göttlichkeit erfahren wird, als die Seligkeit allen Lebens, die Freude allen Seins, als das innere Sein aller Wesen.

Wir sehen die Luft nicht, obwohl sie uns am Leben erhält. Wir wissen von ihr durch die sich bewegenden Blätter, die schwingenden Zweige. Wir fühlen den Luftwiderstand, wenn wir uns rasch bewegen. Genauso können wir Gott nicht sehen, obwohl Er uns erhält. Er indessen, der Unsichtbare, sieht uns. Wir entdecken die Gottgegenwart in der reinen Liebe, die unserem Herzen entströmt, in den hohen Gedanken, die uns bewegen, in dem Glauben, der aus sich selbst hervorquillt. Es ist die lebendige Gnade oder Gottgegenwart in uns, die unser Leben und unsere Liebe ernährt, die unser geistiges Streben steigert, unser Schönheitsempfinden beseelt, unsere Liebe zur Wahrheit belebt und unsere edelsten Taten beflügelt. Erkenne Gottes Gegenwart in all diesem Wirken, und im Laufe der Zeit werden sich noch höhere Bewusstseinskräfte aus dem Königreich in Dir entfalten und Dich Gott schauen lassen, wie Er in Sich Selbst ist.

 

Geliebter des Unendlichen, erkenne Dich selbst!

Du bist unendlich viel mehr als Du erkennen, fühlen, erfahren, besitzen, benützen, geniessen oder bestaunen kannst. Denn wäre nicht jenes wirkliche und eigentliche Du, jenes Bewusstsein in Dir, durch das Du die Dinge erkennen, erfahren, geniessen und bewundern kannst, wärest Du nichts. Ein Stein weiss von nichts. Ein Baum geniesst nicht. Ein Fluss bewundert nicht. Das Tier begehrt nichts Hohes, noch erschafft oder besitzt es grosse Dinge.

So begreife denn, dass Dein Bewusstsein alles ist! Mit ihm hast Du alles. Erkennst Du es wirklich, dann erkennst Du alles. Erfährst Du es wirklich, dann erfährst Du alles. Unendliche Liebe, unendliches Licht, unendlicher Friede, unendliche Freude, unendliche Güte und Schönheit sind ihm eigen. Erkenne Dich selbst! Das ganze Königreich des Himmels ist in Dir. Je mehr Du das Beste aus Dir hervorholst, je mehr Du die besten Eigenschaften in Dir zum Ausdruck bringst, desto schneller wachsen sie und umso mehr kann der Himmel durch Deine äussere Persönlichkeit zum Selbstausdruck gelangen.

 

Es ist viel mehr in Dir, als Du Dir vorstellen kannst

Mag die Lage, in der Du Dich befindest, noch so schwierig und noch so quälend sein - es ist jemand in Dir, der nicht in diese Situation verwickelt und nicht von ihr betroffen ist. Mit Seiner Hilfe kannst Du Dich leicht über alle Prüfungen und Probleme und über alle Schwierigkeiten hinwegsetzen und sie völlig meistern.

Angenommen, Du bist in grosser Bedrängnis und äusserst unglücklich: Wer in Dir ist es, der wahrnimmt, dass Du in Sorge und Bedrängnis verstrickt bist? Dieser Erkennende ist selbst nicht bedrängt und unglücklich. Er steht über allem. Er ist ganz und gar glücklich, friedvoll und allmächtig. Erkenne diesen Erkennenden, das Reich Gottes in Dir! Eine Erkenntnis, eine Erfahrung dieses höchsten Wissenden in Deinem Inneren gibt Dir unermesslichen Frieden, Willensstärke und klarsichtige Intelligenz, um Wege zu sehen, und die Kraft der Weisheit, um eine Lösung für Deine Probleme, Schwierigkeiten und Prüfungen zu finden.

Denke über dieses unendliche, alles transzendierende Prinzip in Dir nach, über jenes Prinzip, das anders ist als das Gemüt und seine Unruhe, anders als der Körper und seine Störungen, anders als der Wille, der sich als hilflos erweist, und anders als die Situation, die Störung und Unruhe verursacht.

Dieser transzendente Wissende in Dir birgt ungeheure Kräfte. Erkenne Ihn, und jede Erregung, die Deine Sicht trübt, fällt von Dir ab. Erkenne Ihn, und Du wirst jenes Gefühl des Unglücklichseins, das Deine Freudigkeit, Deinen Eifer und Deine Entschlossenheit lähmt, die Widerstände auf dem Weg zur Erfüllung, zum Frieden, zu Kraft und Glück überwinden.

 

Ihr seid das Salz der Erde

Unter allen grossen und kleinen Geschöpfen zeigt nur der Mensch jenen Hunger nach der unvergänglichen Freude, nach Frieden, Schönheit, Unsterblichkeit und göttlicher Vollkommenheit. Hinter und über den bewussten, unterbewussten und unbewussten Bereichen des menschlichen Geistes ist die göttliche Dimension des Bewusstseins. Aus ihr erhebt sich von Zeit zu Zeit, an diesem oder an jenem Ort ein Plato, ein Beethoven, ein Goethe, ein Raphael, ein heiliger Franziskus oder ein Plotin.

Und wiederum - kann die Pflanze oder das Tier Unterscheidung üben, Hingabe zum Ausdruck bringen und mit Gott in Gemeinschaft treten? Gewiss nicht. Du allein kannst es. Darum sagt Jesus Christus: "Ihr seid das Salz der Erde!"

So bringe denn die Würze des Salzes, die göttliche Vortrefflichkeit Deines inneren Wesens mit grösserer Begeisterung zum Ausdruck! Vergeude auch nicht eine Minute Deiner kostbaren Lebenszeit! Siehe zu, dass jede Minute Dich dem näherbringt, was gross, edel und erhaben ist. Finde neuen Frieden durch neue Gedanken, neue Freude durch eine neue Sichtweise, neue Stärke durch neue und bessere Entscheidungen.

 

Ich habe die Welt überwunden

Der menschliche Geist ist nicht gross - aber Du bist gross. Nicht um vom Geist regiert zu werden, sondern um das Gemüt, den Geist zu beherrschen, bist Du geboren! Das Wetter besitzt keine Macht. Die Kraft in Dir ist mächtig. Nicht um vom Wetter beherrscht zu werden, sondern um das Wetter zu beherrschen, bist Du geboren! Die Welt, das Leben - sie sind nicht gross. Das Licht in Dir aber ist gross. Nicht um von der Welt, nicht um vom Leben beherrscht zu werden, sondern um über der Welt zu stehen und das Leben zu meistern, bist Du geboren!

Der Tod hat keine Macht. Das unsterbliche Leben in Dir ist machtvoll. Nicht um vom Tod beunruhigt zu werden, sondern um den Tod zu überwinden, bist Du geboren. Beherrsche und besiege den Geist, das Gemüt, das Wetter, die Welt, das Leben, den Tod, und erschaffe hier auf Erden das Königreich des Himmels! Eine kleine Änderung in Deinem Fühlen, eine kleine Wende in Deiner Einstellung, eine kleine Verschiebung Deiner Sichtweise, ein wenig Erhebung Deines Willens kann und wird Dir jederzeit helfen, die durch das Gemüt bedingten begrenzenden Probleme einschlafen zu lassen und den Frieden und die Freude Deines inneren göttlichen Bewusstseins wachzurufen.

 

Der Mensch als Ebenbild Gottes

Die Bibel erklärt, dass wir das Ebenbild Gottes sind. Doch selbst, wenn die Bibel diese Wahrheit nicht offenbart hätte, unsere Erfahrung würde sie verkünden. Die göttlichen Gedanken, die in uns aufsteigen, die Bereitschaft, unser ganzes Leben für ein hohes Ziel einzusetzen, die Unfähigkeit, unsere inständige Wahrheitsliebe zu verbergen, die heldenhaften Anstrengungen, um Formen unsterblicher Schönheit zu gestalten, und all die anderen höheren Bestrebungen belegen die Tatsache, dass wir nach dem Bildnis Gottes erschaffen sind.

Und wiederum ist es nicht allein der Mensch, der als das Ebenbild Gottes ins Dasein gerufen wurde. Das ganze Universum, die ganze Schöpfung wurde aus Gottes Sein, Bewusstsein und Seligkeit - Sat-chid-ananda - nach Seinem Bild aus Seiner Substanz erschaffen. Die äussere Erscheinungsform von Menschen und Dingen können das innere, alles erhaltende Bild Gottes nicht antasten. Alle Erscheinungen sind äusserlich, zeitlich, der Veränderung und dem Tode unterworfen. Das innere Bildnis ist ewig, rein, vollkommen. Es hat seine eigenen Wege, um zum Selbstausdruck zu gelangen, den äusseren Schein zu durchbrechen und Seinen Frieden, Seine Freude und Vollkommenheit zur Herrschaft zu bringen.

 

Wie sich die göttliche Natur in Dir kundtut

Niemand möchte schlecht sein, weil gut zu sein die wahre innere Natur eines jeden ist. Güte ist ein unablösbares Kennzeichen des in jedem latent vorhandenen göttlichen Bewusstseins. Niemand will unwissend oder dumm sein, weil Erkenntnis die eigentliche Natur des inneren Wesens in jedem ist. Absolutes Wissen ist die andere Phase der absoluten Existenz, als der Seinsgrundlage, die den Menschen im Dasein erhält. Niemand möchte unglücklich sein, weil Glückseligkeit die wahre Natur des göttlichen Bewusstseins in jedem ist. Absolutes Glück besteht zugleich mit absoluter Erkenntnis.

Niemand möchte ruhelos und friedlos sein, weil Frieden das Kennzeichen des Bildnisses Gottes in jedem von uns ist, so wie der Salzgeschmack das Meerwasser kennzeichnet. Niemand wünscht hässliche Dinge, weil Schönheit die Substanz ist, aus der das göttliche Bewusstsein in uns geformt ist. Absoluter Friede und absolute Schönheit sind die zwei Augen der absoluten Seins-Bewusstseins-Seligkeit. Niemand möchte unvollkommen sein, weil Vollkommenheit die wirkliche innere Natur eines jeden ist. Niemand möchte sterben, weil Gottes Atem in jedem von uns unsterblich ist. Vollkommenheit und Unsterblichkeit sind kennzeichnend für das absolute Sein.

 

Das Vermächtnis des einfachen Menschen

Das Herz sagt Dinge, die tiefer sind als alle Lehren der Philosophie. Die Seele weiss zuweilen um Wahrheiten, die höher sind als alle, die jemals gepredigt wurden. Der Richter in unserem Inneren steht über jedem äusseren Richter. Wir glauben, weil etwas tief in uns unmittelbar intuitiv wahrnimmt und erkennt. Jeder, der von Gott hört, scheint mit Gott vertrauter zu sein als derjenige, der von Gott spricht. Nicht selten treten inmitten des Alltags unsere uranfänglich-unverbrüchlichen Beziehungen mit Gott ans Tageslicht.

Die Zuneigung und Liebe, die wir dem Heiligen gegenüber empfinden, ist prinzipiell der Sympathie für den Sünder überlegen. Darin verrät sich doch, dass in Wahrheit jeder irgendwo in einem Winkel seiner Seele den Heiligen verbirgt. Unser Streben reicht immer über unsere unmittelbaren Bedürfnisse hinaus, und bei ruhiger und genauer Beleuchtung jeder Sachlage zeigt sich, dass unsere Kraft stets grösser ist als das jeweilige Problem.

 

 

4. Kapitel

Die Erfahrung des Göttlichen

Erfahre Ihn jetzt!

Wohin soll ich mich wenden vor deinem Geiste?

Wohin soll ich fliehen vor deinem Antlitz?

Stiege ich hinauf in den Himmel,

so bist du dort. Schlüge ich mein Lager

auf in der Unterwelt - auch da bist du.

Nähme ich Flügel der Morgenröte und liesse

mich nieder am äussersten Ende des Meers,

so würde auch dort deine Hand mich greifen

und deine Rechte mich fassen.

Psalm 139,7-10

 

Der Mensch kann dem Leben entfliehen. Allem kann er entfliehen, sogar dem eigenen Körper, nicht aber kann er Gott entfliehen, der das tragende Sein und innerster Wesensgehalt im Entfliehenden selbst ist. Im fliehenden Menschen ist Gott Selbst mitgeflohen, um ebenso völlig und unabtrennbar mit ihm verbunden zu sein wie zuvor. Eher lässt sich die Flüssigkeit vom Wasser, die Hitze vom Feuer und das Licht von der Sonne trennen als der Mensch von Gott.

Unter gar keinen Bedingungen, in keiner Lage und zu keiner Zeit kann jemals der Mensch von Gott, der selbst der wahre Mensch im Menschen und das wahre Individuum im Individuum ist, getrennt werden. Warum nicht dieser Wirklichkeit, von der wir nicht loszulösen sind, klar ins Auge schauen - dieser Wirklichkeit, vor der es kein Entrinnen gibt und deren bewusste Erfahrung unser Leben unvorstellbar reich an Frieden, Licht, Kraft, Freude und Vollkommenheit macht. Da Gott allgegenwärtiges Sein und das zeitlose Jetzt ist, können wir Ihn an jedem Punkt im Raum und zu jeder Zeit erfahren - und ganz besonders, hauptsächlich und am allermeisten hier und jetzt!

 

Hier und jetzt kann auf höheren Stufen unseres Bewusstseins die Wahrnehmung Gottes erlangt werden

Es gibt viele Stufen und Arten der Erfahrung des göttlichen Bewusstseins, die den meisten ernsthaften Gottsuchenden zugänglich sind. So wie die Knospe beim Erblühen ihre Farbenpracht entfaltet und ihren Duft auszuströmen beginnt, so entfaltet die Seele im Menschen ihre Fähigkeiten zur Gotterfahrung, soweit sie durch innere und geistige Tugenden und Vorzüglichkeiten, durch tiefes Nachsinnen und durch Betätigung der Unterscheidungskraft genährt wird.

Gott ist das unendliche Bewusstsein, das sich in unserem Inneren befindet und unserer unmittelbaren Erfahrung jederzeit und an allen Orten zugänglich ist. In uns können wir mit Gott Kontakt gewinnen, Ihn erkennen und erfahren und Seine Schätze im täglichen Leben zum Ausdruck bringen. Unser Empfinden für das Unsterbliche und die daraus folgende Überwindung der Vorstellung vom Tode entspringt diesem Bewusstsein Gottes in uns. Unbegrenzte, absolute, wahre Freiheit ist unser, wenn wir im Bewusstsein mit dieser Dimension des unendlichen Seins in uns selbst und in allen Dingen und Formen des Lebens einsgeworden sind. Da ist die raumlose Dimension im Raum und das zeitlose Jetzt in jedem Augenblick der Zeit! Im inneren kontemplativen Zustand können wir uns hier und jetzt in diese raum- und zeitlose Dimension des Bewusstseins erheben und Gott erfahren. Wo immer wir uns aufhalten mögen, für den betreffenden Ort ist Gott das ewige Hier. In welchem Zeitabschnitt wir uns auch befinden mögen, für diese Zeit und diesen Augenblick ist Gott das ewige Jetzt. Gott ist zeitloses Jetzt und raumloses Hier. Er kann von jedermann, überall, jederzeit - und ganz besonders hier und jetzt - erfahren werden.

 

Gott ist Geist und muss im Geist und durch den Geist erkannt werden

Gott ist Geist und muss im Geist, durch den Geist und als Geist erkannt, angebetet und erfahren werden. Gedanken und Gefühle, wie hilfreich sie in den vorbereitenden Stadien und auf den Stufen des Voranschreitens auch sein mögen, in die Erfahrung der Wahrheit selbst können sie uns nicht einführen! Wir müssen über Gedanken und Gefühle hinausgehen. Wir können durch die Schleier unserer weltlichen Gedanken und Gefühle hindurch das Antlitz Gottes nicht schauen. Solange solche Gedanken und Gefühle in uns sind, werden diese von uns wahrgenommen, nicht Gott. Um Gott schauen zu können, müssen Gemüt, Herz und Geist durch die namenlose, formlose, strahlende göttliche Liebe hell, ruhig und stille werden.

Gott ist nicht Gefühl und kann sich uns infolgedessen durch das Gefühl nicht gänzlich schenken, es sei denn in der Hingabe und göttlichen Liebe. Wir müssen über das Gefühl hinausgehen. Das Gefühl war eine Hilfe, als es galt, Freiheit zu erlangen, und es muss nunmehr in das, was von ihm verschieden ist, nämlich in den Geist eingehen. Gott muss in Gott, durch Gott und um Gottes willen erkannt und berührt werden, was dasselbe bedeutet wie: mit Gott um alles anderen willen und um dessentwillen, was mehr ist als alles und jedes, in Kontakt zu gelangen.

Gott ist nicht Empfindung und kann nicht durch irgendeine Art nervöser Erregung und Empfindungsfreude erfahren werden, obwohl in den Anfangsstadien die über Nervenbahnen spürbar werdende Freude und die Erkenntnis aufgrund von Empfindungswahrnehmung dazugehören. Doch darf man dabei nicht stehenbleiben! Schreite also weiter, bis das Bewusstsein - von jeder Begrenzung und allen Gedanken und Gefühlen befreit - sich selbst und alles andere unmittelbar durch das unbegrenzte Licht und in dem unbegrenzten Licht des Bewusstseins erkennt. Besiege negative Gefühle durch gute Gefühlsregungen und besiege die guten Gefühle durch die Liebe, die göttlich, allumfassend, bleibend, unvergänglich ist und alles transzendiert!

 

Hier und jetzt erlangen wir Gotterkenntnis durch die Fähigkeit, über uns selbst hinauszugelangen

Ein Teil des Bewusstseins im Hintergrund eines Menschen, der sich ärgert, bleibt von der Erregung des Ärgers unbetroffen, ruhig, friedlich und lichtvoll und flüstert ihm zu: "Bleibe still und ärgere Dich nicht, verzeih'!" Auf der gegenwärtigen Entwicklungsstufe ist das die Stimme, die das Licht des Göttlichen vertritt. Späterhin, wenn der Mensch zu höheren Bewusstseinsstufen emporgestiegen ist, wird ihm unmittelbare Berührung mit dem Göttlichen zuteil.

Wir können einen Teil des Bewusstseins vom übrigen lösen und so die Aktivitäten und Erfahrungen unseres mentalen, emotionalen und psychischen Wesens beobachten. Wir tragen in uns selbst die Fähigkeit, von den in uns aufsteigenden Gedanken Abstand zu nehmen und sie zu beobachten. Wir können im Bewusstsein das Gebiet der Gedanken transzendieren und den Beobachter der Gedanken beobachten. Bei diesem Prozess, in dem der Bereich des Erfahrenden wie der des erfahrenen Gegenstandes überschritten wird, steigen wir empor in das unbeobachtete, alles beobachtende Bewusstsein, das die unendliche, ewige, unveränderliche Wahrheit ist - Gott. In dem Masse, als wir dieses wahrnehmen und erfahren, haben wir eine Wahrheitserfahrung hier und jetzt. Bei genügender Selbstdisziplinierung und Übung können wir lernen, unsere selbst-transzendierenden und alles überschreitenden Fähigkeiten bis zum Äussersten zu nützen.

 

Gotterfahrung hier und jetzt in Form eines direkten und vertieften Gewahrseins des unendlichen göttlichen Seins in uns

Unser Erkennen und Erfahren der äusseren Welt sind nicht unmittelbar und direkt, da sie durch die Instrumente der Sinne erfolgen. Sind unsere Sinne mit Mängeln behaftet, so sind unsere Erkenntnis und Erfahrung bezüglich der Welt ebenfalls mangelhaft. Wir können keine direkte Erfahrung von irgend etwas haben, ausser von dem, was in uns selbst ist, und das ist der Erfahrende selbst. Unsere Erfahrung einer Tatsache oder eines Objektes ist eine abhängige Erfahrung, abhängig nämlich von den jeweiligen Erkenntnisinstrumenten.

Nicht einmal von unserem eigenen Körper und unseren eigenen Gedanken besitzen wir irgend eine direkte Erfahrung. Indirekte Erfahrung jedoch, die durch physische oder durch psychologische Erkenntnisinstrumente gewonnen wird, ist flüchtig, äusserlich, dem Wechsel und Widerspruch unterworfen. Einzig vom erfahrenden und beobachtenden Bewusstsein in uns haben wir unmittelbare Erfahrung durch Identität, Einssein, Einheit. Wir erkennen es unmittelbar mit ihm, in ihm und durch es selbst. Ohne dieses sind wir nichts. Es ist das Königreich des nie endenden Friedens und Glücks, die Grundlage all unserer erkennenden Erfahrung. Sind wir tief im dynamischen Gewahrsein dieses unendlichen subjektiven Seins voll Licht und Liebe verwurzelt, haben wir Gotterfahrung.

 

Die Gegenwart Gottes im Wirken der edleren Seelenkräfte im Menschen

Je mehr die inneren Voraussetzungen zur Erfahrung Gottes vorhanden sind, desto früher wird sie uns zuteil. Gott oder die Wahrheit ist reines Bewusstsein und kann daher über jenes Bewusstsein, das von jeglichem Befangensein in körperliche und geistig-seelische Erfahrungen befreit ist, erreicht werden.

Durch das wachsame und durchdringende Auge des Gewissens in uns, durch sein Wirken, gelangen wir hier und jetzt zu einer Erfahrung Gottes. Das Gewissen äussert sich in jedem von uns, und was ist dies anderes als die Gegenwart und das wirkende Licht Gottes in uns? So oft es sich regt, haben wir eine Art Gotterfahrung: Wir wollen etwas tun, das nicht so ganz recht ist - doch etwas in uns hindert uns daran. Was ist dieses "Etwas" in uns, wenn nicht ein göttlicher Anteil, ein Stellvertreter Gottes? Durch diese Wirkkraft des höheren Selbst, des richtigen Urteils und der besseren Entscheidung haben wir - hier und jetzt - so etwas wie eine Erfahrung Gottes. Doch bedarf es einer gewissen inneren Ruhe und feineren geistigen Wahrnehmung, um diese Tatsache klar zu erkennen.

Wirkliche und universale moralische Vorzüge sind Ausstrahlungen des lichten Wesens Gottes im inneren Sein des Menschen. Tugenden sind ein dynamischer Selbstausdruck des Wesens Gottes im Herzen der Menschen auf der Ebene zwischenmenschlicher Beziehungen. Reinheit, Geduld, Demut, Opferbereitschaft, Furchtlosigkeit, Güte, Erbarmen, Liebe, Aufrichtigkeit, Selbstbeherrschung und Grossmut sind einige der grundlegenden Tugenden. Bei beharrlicher Pflege erheben sie den Menschen aus den Niederungen der Unwissenheit, der Missklänge, des Hässlichen und des Unglücklichseins ins Paradies reiner Freude und Harmonie, des Friedens und des Lichts. Sie erheben und bereichern das Erdenleben mit anhaltender Zufriedenheit und einer Freude, die vom Himmel ist.

 

Indirektes Gotterkennen und Gottgewahrsein hier und jetzt durch das Studium erleuchtender Literatur und durch eigenes reflexives Denken

Aus der Natur und ihrer Schönheit, aus dem Menschen und seinem Streben, aus dem Wirken der Intelligenz und dem, was die Güte vermag, spricht die Gegenwart Gottes zu uns. Es mag jemand Gott nicht unmittelbar schauen können, doch wird er Gottes gewahr in der Leuchtkraft Deiner Intelligenz, im Glanz Deiner Augen, in der edlen Zuneigung Deines Herzens, in Deinem liebevollen Tun, in dem, was Dein schöpferischer Geist hervorbringt.

Durch die inspirierenden und erleuchtenden Schriften der Grössten, die diese Welt betraten, spricht Gott zu uns. Die grossen Werke der Mystiker, der Menschen mit transzendentaler Erfahrung, der Weisen, die uns Beschreibungen ihrer Gotterfahrung hinterliessen, vermitteln uns, wenn auch mittelbar, eine tatsächliche Erkenntnis und Wahrnehmung Gottes. Solange wir mit Geist und Herz in solche Schriften vertieft sind, befinden wir uns in einem Zustand indirekter Gotterfahrung.

Wenn wir uns in der Fähigkeit reflektiven Denkens üben, indem wir beständig nach dem Wie, Warum, Wozu aller Existenz forschen, gelangen wir zu einem tiefen Gewahrsein Gottes. Vertiefen und verlängern wir solches Nachdenken und lassen es fruchtbar werden, bekommen wir ein tiefes inneres Bewusstsein der Realität und des Wesens Gottes. Ein vertieftes Studium philosophischer Schriften bringt uns eine verstandesmässige Erkenntnis der Realität und des Wesens Gottes, welche die Grundlage für intuitive und direkte Gotterfahrung werden kann.

 

Wir erfahren Gott hier und jetzt durch die Wirkungen, die seine Gegenwart hervorruft

Der unsichtbare Gott ist kein fernes, unzugängliches Jenseits, sondern ein überaus wunderbares Bewusstsein und eine allschöpferische Energie, die allen sichtbaren Dingen und Wesen innewohnt und durch sie hindurch wirksam wird. Durch das Sichtbare hier sehen, erkennen und erfahren wir hier das Unsichtbare. Natur und Eigenschaften Gottes werden unserer unmittelbaren Erfahrung durch die Eigenschaften des inneren göttlichen Bewusstseins im Menschen, durch die Werke der Genies, durch Worte von Philosophen, Taten von Heiligen und die Errungenschaften der Wissenschaft zugänglich. Alles, was wir vom Unsichtbaren erkennen können, geht aus den Wirkungen hervor, die Seine Gegenwart erzeugt. Aus diesen Wirkungen lernen wir das erkennen, was sie hervorbrachte. Da wir die Wirkungen hier und jetzt sehen, liesse sich sagen, dass wir auf diese Art und Weise hier und jetzt deren Wirkenden sehen. Täglich erfahren wir etwas vom Wirken Gottes in der Welt, von Liebe, Licht, Wert, Schönheit, Weisheit, Glück. Wo immer Liebe erfahren, Schönheit wahrgenommen, Wahrheit erkannt und Weisheit erlangt wird, bleibende Freude erlebt wird, findet unmittelbare Berührung mit Gott statt. Göttliche Liebe, Schönheit, Wahrheit, Weisheit und wahres Glück sind Gott, und da sie in uns sind, ist auch Gott in uns, und in dem Masse als wir sie erfahren, erfahren wir Gott.

 

Gotterfahrung hier und jetzt durch alles umfassende göttliche Liebe

Gott ist unendliche Liebe, und der Weg, Ihn zu erfahren, ist Liebe. Menschen, die das liebende Fühlen vermissen lassen, denen eine grossherzige Haltung und fundamentale, aus dem Antrieb beständiger Liebe erwachsende Güte fehlen, wird es schwerfallen, Seine Gegenwart zu fühlen. Erkenntnis der Wirklichkeit Gottes folgt aus der Entfaltung universaler Liebe. Das Herz muss geübt und diszipliniert und die Liebe auf die ganze Schöpfung ausgedehnt werden.

Ein Tropfen Wasser ist an sich wertlos. Doch gewinnt der gleiche Tropfen unvergängliche Macht, Schönheit, Herrlichkeit und Wert, wenn er, im Meer versinkend, sich zur Grösse des Weltmeers weitet. Wir erhalten wahre Kraft, unsere Persönlichkeit gewinnt an Dimension und Wert, unser Leben gelangt zu seiner wirklichen Erfüllung, wenn wir den Tropfen unseres kleinen Herzens in das unbegrenzte Herz der göttlichen Gnade, das Herz der ganzen Schöpfung versenken und so unsere Liebe universal, kosmisch, überkosmisch, göttlich werden lassen. Die edelste Erscheinung in der ganzen Natur ist der Mensch, dessen Herz universalweite Gefühle ausstrahlt und sich so die ganze Menschheit und Schöpfung in Liebe zu eigen macht.

Aufgrund dieses Erkennens der göttlichen Gegenwart in allem und jedem sollten wir der Natur und der Menschheit tiefe Achtung zollen. Indem wir beständig kosmisch weite Gefühle in uns hervorrufen, weitet sich unsere Persönlichkeit ins Universale. Je weiter unser Herz, desto lichter unsere Intelligenz und desto feiner unsere Sensitivität für die unendliche Wahrheit und Schönheit, für Gott!

Erfasse Gott in Liebe, eine Liebe, die weiter ist als der Himmel, den Du mit leiblichen Augen schaust, eine Liebe, die sich keinem Erschaffenen verweigert; eine Liebe, die mit Blumen und Blättern lächeln kann, sich mit den Sternen eins weiss, die auch im leeren Raum noch Gottes Gegenwart erkennt und Zwiesprache mit ihr hält, die in allem, was das Auge schaut, einen Freund erblickt, eine grenzenlose, bedingungslose, unverbrüchliche Liebe für jedes Geschöpf, ob gross, ob klein, eine Liebe, die mit der allwunderbaren Existenz im Fels, im Kiesel und im Zweig in Einklang ist. Eine solche Liebe befreit unser Bewusstsein und unsere Seele, sie lässt uns überaus empfänglich werden für die alles belebende göttliche Gegenwart. Wenn unser ganzes Wesen in dieser Liebe pulsiert, haben wir hier und jetzt Gotterfahrung erlangt.

 

 

5. Kapitel

Von der menschlichen zur göttlichen Erfahrung

Leben aus der Macht und dem Frieden Gottes

Gott ist jederzeit und in allen Situationen und Umständen bei uns. Er ist allgegenwärtig, allmächtig und allwissend. Er weiss alles über uns. Er antwortet auf unsere Liebe. Er antwortet auf unseren Glauben. Aus Seinem Licht kommen uns die Früchte unserer Taten, unseres guten Wirkens zu. Er ist überall, Er sieht alles, Er segnet alles. Er ist die Unendlichkeit der Kraft, des Friedens und der Vollkommenheit.

Die Trennung des Menschen von Gott ist nur funktionell; sie ist keine organische Wirklichkeit. Wir haben in unserer inneren Wesensstruktur Beziehungen zu Gott. Mit inneren Banden sind wir organisch mit Ihm verbunden. Nichts vermag uns je zu scheiden oder abzutrennen von Seiner wunderbaren Gegenwart. Wir sind von Gott nur eindrucksmässig abgeschnitten, nicht der Wahrheit und dem Wesen nach, und dieser Eindruck entsteht in einem vorübergehenden Zustand nur bruchstückhafter Erfahrung.

Wir tragen das Himmelreich in uns. In uns, um uns und überall ist jederzeit das grenzenlose Königreich unendlicher Macht und Vollkommenheit, unendlichen Friedens. Die unendliche Kraft des Bewusstseins findet sich in uns und um uns. Unsere Trennung von Gott ist rein funktionell. Wir können uns zu Seiner Wirklichkeit und Gegenwart erwecken.

 

Es sind gesegnete Augenblicke in unserem Leben, wenn wir Gott fühlen, schauen, erkennen und erfahren

Unser Leben hat seine besten Augenblicke dann, wenn wir Gottes Gegenwart spüren. Menschen mit reinem Herzen und allumfassender Liebe, mit grosser Erkenntnis, aber auch die schlichten Glaubenden - Menschen, deren Hingabe ans Göttliche zur antreibenden und belebenden Kraft wurde, finden Gott überall und sind wach für Seine reiche und vielfältige Wirklichkeit. Sie beziehen ihre Kraft und ihren Frieden aus dem lebendigen Empfinden Seiner Gegenwart. Nichts hindert uns daran, unseren Alltag überfluten zu lassen von der unbegrenzten Fülle der Kraft, des Friedens und der Glückseligkeit, die das lebendige Empfindungsvermögen für die Gegenwart Gottes in uns auslösen kann.

Das Wesen Gottes ist unendlicher Friede. So wollen auch wir in unserem Alltag Frieden zum Ausdruck bringen. Gott ist grenzenlose Liebe und unendliches Licht. So wollen wir alle Gedanken, Gefühle und Handlungen aus diesem Licht und aus dieser Liebe fliessen lassen. Gott ist unendliche Erkenntnis: Dehnen wir also die Grenzen unserer Erkenntnis immer weiter aus!

 

Tausendfacher Segen erblüht aus dem Gewahrwerden göttlicher Gegenwart

Wir brauchen dringend ein Gewahrsein von Gottes Gegenwart! Eine solche Bewusstseinserhellung kann uns von Begrenzungen, Ängsten, Befürchtungen und Problemen befreien. Im Augenblick, in dem wir uns der starken inneren Beziehungen mit dem allmächtigen Gott bewusst werden, ist unser Leben gesegnet, unerschütterlich, behütet und von innerer Sicherheit erfüllt. Die Erkenntnis, dass rings um uns und in uns sich Gottes Allmacht befindet, verleiht uns Furchtlosigkeit, ein starkes Gefühl der Geborgenheit und überfliessende innere Kraft. Wenn wir uns der Allgegenwart Gottes bewusst sind, erfüllen uns Freude, Frieden und ein Gefühl der Erfüllung. Das Wissen um die Tatsache, dass Gott allwissend und all-liebend ist, befreit uns von jeglicher Angst. Unser Leben wird zum Himmelreich von dem Augenblick an, da wir das Licht der göttlichen Gegenwart in unseren Augen tragen. Gott ist die Kraft unserer Kraft, das Bewusstsein unseres Bewusstseins, Seele der Seele, Licht des Lichtes in uns, der Atem unseres Atems. Er ist immer mit uns. Lasst uns ganz intensiv Seiner Gegenwart bewusst werden, uns mit Herz und Seele mit Seiner Gegenwart verbinden.

 

Weil Gott Friede, Liebe und Licht ist, wollen wir uns im Alltag üben, diese Eigenschaften zu verwirklichen

Lasst uns im täglichen Leben unter allen Umständen lebendige Beziehungen pflegen mit der allsehenden, auf alles reagierenden, allmächtigen und alles beschützenden Gegenwart Gottes! Damit unsere Beziehungen mit Gott immer stärker werden und uns mit unüberwindlicher Kraft erfüllen, uns wahre Freiheit und Befreiung von allen Formen der Angst vermitteln, sollten wir darum ringen, unser ganzes inneres Wesen auf eine höhere Ebene zu erheben.

Lasst uns Gedanken des Friedens und der Liebe beständig in alle Welt ausstrahlen und alles segnen! Lasst uns unbegrenzten guten Willen hegen, der ganzen Schöpfung den Frieden wünschen und die Gegenwart Gottes in allem, was schön, edel und gross auf der Welt ist, erblicken! Lasst unser Bewusstsein verwurzelt sein im Bewusstsein der Vollkommenheit Gottes. Lasst uns der Welt zum Segen werden!

Das Bewusstsein Gottes in uns ist endlos in seinen Fähigkeiten, Kräften und Möglichkeiten. Lasst uns dem Wunderbaren, das Gott in unsere Seele eingesenkt hat, nicht untreu werden und unser Leben mit jener Kraft und Erkenntnis, jenem Glück und jener Ruhe, Furchtlosigkeit und inneren Freiheit führen, die im ständigen Nachsinnen über unsere Beziehungen zum allgegenwärtigen, allmächtigen, allwissenden Gott ihren Grund haben.

Was hindert uns an der Gotterfahrung, wenn nicht die egoistischen Formen des Bewusstseins, die niedere menschliche Natur, der Durst nach nie zu sättigenden Sinnesfreuden, das unvernünftige Verhaftetsein an irdische Dinge, die vielfache geistige Unwissenheit. Beschleunigt wird die Erfahrung Gottes durch die Weisheit, die Gott über jeden Wert des Lebens stellt, durch den Glauben, der weiss, dass Gott allgegenwärtig, allmächtig und allwissend ist, durch die Hingabe, die das Herz in der grossen Liebe zu Gott sich auflösen lässt, durch die Reinheit, die sich innig am Wachstum in der Selbstbeherrschung, Selbstumwandlung, Selbsthingabe an die unendliche Vollkommenheit und alles erhaltende Schönheit Gottes erfreut.

Wenn durch Gottes Gnade, die sich in der Zuflucht zu geistigen Disziplinen und im Streben nach göttlicher Vollkommenheit ausdrückt, unser Ego, unser kleines Selbst und unsere Begrenzungen aufgelöst sind, dann überflutet uns Gottes Licht, Sein Bewusstsein nimmt dann ganz von uns Besitz, und alles wird zum Reiche Gottes. In dieser höchsten spirituellen Verfassung und Erfahrung wird das kleine Ich vollständig von uns genommen, und die göttliche Gnade reicht uns die Hände der unendlichen Liebe des allgegenwärtigen Gottes. Das ist die Seligkeit, um die ein Bruder Klaus jahrelang in unerbittlicher Selbstdisziplin und mit glühenden Gebeten gerungen hat. Das tiefe geistige Gebet des geliebten Schweizer Heiligen ist ein universales Gebet: Es ist das letztliche Gebet eines jeden Menschenherzens.

Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir,

was mich hindert zu Dir!

Mein Herr und mein Gott, gib alles mir,

was mich führet zu Dir!

Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir

und gib mich ganz zu eigen Dir!

 

Die wichtigsten Übungen zur inneren Evolution

Gib mehr als Du versprichst, tue mehr als Du beabsichtigt hast! Für alle guten, grossen oder göttlichen Zwecke gib mehr als Du Dir eigentlich leisten könntest. Halte Dir ein Ideal der Vollkommenheit vor Augen, das höher ist als das, was Du im Augenblick verwirklichen kannst. Sprich nur, wenn Du etwas Gutes zu sagen hast. Schreibe anderen die besten Beweggründe zu. Sei niemandem gegenüber kritisch, ausser Deinen eigenen Motiven, Gedanken, Gefühlen, Deinem eigenen Charakter und Verhalten gegenüber! Selbstprüfung und Selbstkritik sind gut, doch nicht, wenn sie bis zu einem krankhaften Ausmass betrieben werden. Gebrauche sie nur, um Dich zu bessern, nicht um Dich niederzudrücken oder Dir den Schwung zu freudigem Wachstum zu rauben. Nähre Geist, Herz und Seele mehr als den physischen Körper. Nahrung für den Geist, für Herz und Seele sind die grossen Gedanken und hohen Gefühle, edles Handeln und grosses Vollbringen.

Gottes lebendiges Bildnis in Dir ist voll endloser Kräfte. Entfalte sie immer mehr. Leben ist Wachstum und Evolution! Nimm es voll und ganz an. Die Starken lächeln, die Schwachen weinen. Du bist am stärksten, wenn Du Dich mit der unendlichen Kraft Gottes in Dir und um Dich verbindest. Mache Dir klar, dass Du ein Kind Gottes bist, und zeige es im täglichen Leben, in Deinem Verhalten und Tun. Lasse Deine leuchtenden Augen noch strahlender werden durch das Schönheitswasser der Liebe und das Licht positiver und göttlicher Gedanken!

 

Gott ist jetzt bei mir

So wie wir die Luft nicht sehen, obwohl sie im Raum zugegen ist, sehen wir auch Gott nicht, obwohl auch Er im gleichen Raum zugegen ist. Weil wir die Luft nicht sehen, können wir deshalb ihr Vorhandensein bestreiten? Keineswegs, denn wir haben anderweitige Beweise für ihre Existenz. Wir atmen ein und aus, und das beweist uns, dass Luft im Raum vorhanden ist, auch wenn wir sie nicht sehen. Und wir sehen die Blütenblätter sich leise hin und her bewegen, wir fühlen den Luftzug über unsere Haut streichen und schliessen auf das Vorhandensein von Luft, auch wenn wir sie nicht sehen. Wir sehen den Atem nicht, doch wenn wir die Hand in die Nähe unserer Nase bringen, spüren wir das Ein- und Ausströmen des Atems.

Auch wenn wir Gott auf der gegenwärtigen Stufe unserer Entwicklung nicht mit leiblichen Augen sehen, ist Er dennoch da, und zwar in einem weit höheren Wirklichkeitsgrad als die Luft, die wir ein- und ausatmen. Wir sehen Ihn nicht mit leiblichen Augen, doch besitzt unser inneres Herz, in dem die Liebe wohnt, ein Empfindungsvermögen, das Ihn fühlt. Eine Fähigkeit, die unserem inneren Wahrnehmungsvermögen eigen ist, nimmt Seine Realität und Existenz wahr, und jene Gottesmenschen unter uns, die dazu fähig sind, sehen Ihn selbst mit ihren leiblichen Augen. Sie sind die Kronzeugen für die Wirklichkeit Gottes.

Auch Du kannst ein solcher Zeuge werden. Wir wollen uns vorbereiten für die Vereinigung mit dieser unsichtbaren, allvollkommenen Gegenwart, die die Wirklichkeit aller Wirklichkeiten, die Substanz unserer Seele, die Essenz unseres Seins, die Schönheit unserer Schönheit, die Intelligenz unserer Intelligenz, das Leben unseres Lebens, das Kleinod und der höchste Wert allüberall, die unendliche Macht, die unendliche Gnade, der absolute Friede und die absolute Vollkommenheit ist.

Schon ein ahnendes Erfassen lässt hundertfachen Segen in unser Leben einströmen. Lasst uns mit dieser allsehenden, allsegnenden, unsichtbaren göttlichen Gegenwart in Einklang kommen!

 

Übungen zur unmittelbaren Gotterfahrung

Erste Übung:

Eines der wunderbarsten Geheimnisse raschen geistigen Fortschritts besteht darin, ständig das Empfinden zu pflegen, dass jemand bei uns steht. Wer ist dieser Jemand? Der alldurchdringende, allsehende, allmächtige Gott. Wir können nichts Unrechtes tun, denn jemand steht neben uns und sieht uns, obwohl wir noch nicht gelernt haben, Ihn zu sehen.

Gott verfügt über Millionen Kameras, mit denen Er alles aufnimmt: die Gefühle unseres Herzens, die Gedanken unseres Geistes, die Handlungen unseres Körpers. Ob diese Handlungen öffentlich oder im Verborgenen vor sich gehen - Gott hält sie augenblicklich photographisch fest. Er kann nicht von uns getrennt werden, weil Er alldurchdringend ist. Wir können von allem weglaufen, nur nicht von Ihm. Auch wenn wir vor Ihm davonlaufen, tragen wir Ihn mit uns. Darum ist eines der grossen Geheimnisse rascher geistiger Entwicklung und geistigen Wachstums, stets das Gefühl zu bewahren, dass jemand neben uns steht.

Pflege also ständig das Empfinden, wo immer Du Dich befindest, dass jemand neben Dir steht. Und wer steht neben Dir? Die unendliche Liebe, die unendliche Erkenntnis, die unendliche Macht. Der ewige Vater, die ewige Mutter, der ewige Meister. Er ist uns Führer, Lehrer, Schutz. Er ist allwunderbar. Du bist in Sicherheit, solange Du Seiner bewusst bist. Du bist in Sicherheit, solange Du Seiner zutiefst und innig bewusst bist. Ganz gleich, wo Du Dich befinden magst, ob im Zug oder im Waschraum, jemand steht bei Dir. Erkenne diesen Jemand! Auf diese Weise werden wir moralisch vollkommen. Unser Ego löst sich auf, und Gottes Gnade strömt immer mehr in unser Leben ein.

Erzähl' es Deinem Herzen hundert Mal am Tag und lasse es auch im Schlafe wissen, dass immer jemand bei Dir ist! Und wer ist dieser Jemand? Die unendliche Macht, Liebe und Erkenntnis, die allgnädige Mutter, der allheilige Vater. Und wenn Du in die Stadt gehst, soll Dein Herz Dir immer wieder sagen: Jemand geht mit Dir. Wer ist dieser Jemand? Das allsehende, allwissende, überaus wunderbare Königreich des Himmels, die Gottheit, der Vater, der zugleich Mutter ist, die unendliche Kraft, das unendliche Glück, der unendliche Friede.

Wenn Du an der Arbeit bist, dann lasse es Dir von Deinem Herzen hundert Mal sagen, dass jemand durch Dich und mit Dir arbeitet. Und wer ist das? Unendliche Energie, unendlicher Friede, der allsehende Vater, die allwirkende und alles erhaltende göttliche Mutter, die unermesslich-absolute Grundlage all dessen, was ist: die Wahrheit.

Und wenn Du die Welt betrachtest, lass Dein Herz sagen: Jemand sieht mich und sieht auch durch meine Augen hindurch, und dieser Jemand ist die Gottheit Selbst, der alles durchdringende und allsehende Gott. Wenn Er die Welt betrachtet, segnet Er sie. Er sieht in ihr Sein eigenes Bild der Vollkommenheit.

Wenn Deine Hände am Werke sind, dann lass das Auge Deiner Vernunft erkennen und die Kräfte Deines Herzens liebend bestätigen, dass jemand durch diese Hände wirkt! Wer ist dieser Jemand? Es ist der unendliche Vater, die absolute Mutter voll zahlloser göttlicher Eigenschaften, Kennzeichen, Energien und Kräfte. Es ist die unbegrenzte Energie und absolute Vernunft in der gesamten Schöpfung. Und wenn dieser Jemand durch Dich hindurch wirkt und arbeitet, dann wird Deine Arbeit natürlich ganz vorzüglich und wunderbar.

 

Zweite Übung:

Die nächste wichtige Disziplin besteht darin, beständig die grosse geistige Wahrheit zu bekräftigen: In mir und um mich herum ist unendliche Schönheit, Freude, Macht, Erkenntnis, unendlicher Friede. Wohin ich auch gehe und in welchen Umständen ich mich befinde, überall ist diese wundersame, allverwandelnde unendliche Erkenntnis, Schönheit, Freude, Macht, dieser unendliche Friede. Lass dieses Wissen, diese Vorstellung, dieses Gefühl, dieses Verstehen, diese göttliche Wahrheit tief in Deine Nerv